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Überbein - Ganglion

Inhaltsübersicht:
Was ist ein Ganglion?
Entstehung und Einteilung
Symptome
Diagnostik
Therapie
Vorbeugung

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Was ist ein Ganglion?

Die Zyste ist mit der Gelenkkapsel verbunden

Das Überbein (medizinisch Ganglion) ist die häufigste gutartige Weichteilgeschwulst an der Hand. Es liegt direkt unter der Haut, fühlt sich fest an und ist prall gefüllt mit einer klaren aber zähen, gallertartigen Flüssigkeit. Umgeben ist diese Kammer von einer dünnen Gewebeschicht, die eine Verbindung zur Gelenkkapsel aufweist. Ein Ganglion kann an der Hand, dem Handgelenk aber auch an den Fingern auftreten. An letzteren kommt es vor allem in der Grundgelenksbeugefalte und am Endgelenk auf der Streckseite vor.

 

Größe

Das Knötchen ist meist nicht viel größer als eine Erbse, kann aber wachsen und dann die Größe einer Kirsche oder sogar die eines Golfballes annehmen.

 

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Entstehung und Einteilung

Ursachen

Warum ein Überbein entsteht, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Chronische Reizung des Gelenkes, Dehnung, Überlastung von Kapsel und Bändern werden als Ursache diskutiert. Menschen mit einem gelockerten Bandapparat leiden häufiger unter einem Ganglion. Auch Unfälle können als Auslöser eine Rolle spielen.

 

Mechanismus der Entstehung

Die Bindegewebszellen am Gelenk oder an den Sehnenscheiden bilden durch den Dauerreiz vermehrt Flüssigkeit. Diese lagert sich zwischen Gelenkknorpel und Gelenkkapsel ab, bis ein kleines flüssigkeitsgefülltes Säckchen entsteht. Diese Aussackung der Gelenkinnenhaut bricht in Folge durch die Gelenkkapsel hindurch und verschiebt sich als prall elastische Zyste unter die Haut. Dabei ist die Zyste mit der Handgelenkskapsel über einen Stiel verbunden, so dass sich das Überbein auch etwas entfernt von seinem Entstehungsort zeigen kann. Ganglien entstehen bei Frauen 3mal häufiger als bei Männern und bevorzugt bei jüngeren Menschen zwischen 20 und 30 Jahren (70 Prozent).

 

Orte der Entstehung

Ganglien können an verschiedenen Stellen auftreten.

  • Beugeseitig Handgelenk: Auf der Beugeseite wölbt sich das Ganglion in den meisten Fällen unterhalb des Daumens im Verlauf der Pulsader (Speichenarterie) vor.
  • Streckseitig Handgelenk (60-70 Prozent): Entlang der Handgelenksfalte
  • Fingergrundglieder
  • Fingermittel- und Endglieder

 

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Symptome

Meistens keine Beschwerden

Meistens verursacht das Ganglion keine Beschwerden, es kann sich sogar von allein wieder zurückbilden. Wenn es nicht stört, bedarf es keiner Behandlung.

 

Schmerzen eingeschränkte Bewegung

Es kann aber druckempfindlich sein und manchmal sogar starke belastungsabhängige Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen. Die Beschwerden verstärken sich bei Beugung und in besonderem Maße bei Streckung der Hand, z.B. beim Aufstützen (Liegestützen). Die Schmerzen strahlen teilweise bis in den Ellbogen und Oberarm aus.

 

Taubheit und Kribbeln

Die Hand kann nicht mehr fest zugreifen (Kraftminderung). Wenn das Ganglion auf Nerven und Gefäße drückt, kann es zu Durchblutungsstörungen und/oder Taubheitsgefühl oder Kribbeln führen.

 

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Diagnostik

Augenschein

Die Diagnose wird bereits durch die Form und den Ort des Auftretens gestellt. Eine prallelastische runde oder längliche Vorwölbung auf der Beuge- oder Streckseite des Handgelenkes ist typisch für ein Überbein.

 

Ultraschall

Manchmal ist das Ganglion so klein, dass es nach außen überhaupt nicht in Erscheinung tritt. Dann kann man bei entsprechenden Beschwerden (starke Schmerzen oder Bewegungseinschränkung) mit einer Sonografie (Ultraschall) die Diagnose feststellen.

 

Röntgen und Kernspin

Röntgenaufnahmen dienen nur dazu, andere Ursachen für die Beschwerden (z.B. Arthrose, Tumoren oder knöcherne Veränderungen) auszuschließen. Ein Ganglion kann damit nicht festgestellt werden. Bei unklaren Befunden kann eine Kernspintomografie nützlich sein.

 

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Therapie

Keine Beschwerden - keine Therapie

Wenn das Ganglion keine Beschwerden bereitet, muss nichts unternommen werden. Wenn es aber sehr groß ist und kosmetisch oder funktionell stört oder Schmerzen bereitet, sollte es behandelt werden.

 

Konservative Behandlung

Ganglien können konservativ mit vorläufiger Ruhigstellung, entzündungshemmenden Medikamenten wie Kortison, abschwellenden Maßnahmen, Handgelenkbandage, Krankengymnastik und Kräftigungsübungen der Unterarmmuskulatur behandelt werden.

 

Hammerschlag

Vor der chirurgischen Ära wurde versucht, Ganglien mit einem Schlag zu zertrümmern oder zum Platzen zu bringen. Die Zellen in der Handgelenkskapsel bleiben bei dieser Vorgehensweise aber bestehen, bilden ein neues Überbein oder füllen den Sack mit einer gallertigen Flüssigkeit, sobald er sich wieder verschlossen hat.

 

Punktion

Das Ganglion kann auch punktiert werden. Dabei wird die Flüssigkeit mit Hilfe einer Kanüle abgesaugt. Allerdings füllt sich das Überbein über die Verbindungskanälchen in mehr als 50 Prozent der Fälle einige Monate nach der Punktion erneut auf. Es können ebenfalls lokale Einspritzungen mit Kortison in das Ganglion versucht werden.

 

Operation

Wenn die anderen Maßnahmen keinen Erfolg versprechen, dann sollte eine operative Entfernung in Betracht gezogen werden. Das Ziel ist die komplette Entfernung des Ganglions mit Umstechung oder Unterbindung der Basis, damit die Verbindung zur Gelenkkapsel unterbrochen wird.

 

Vorgehen bei der Operation

Der Ganglionsack wird in örtlicher Betäubung oder Armbetäubung in Millimeterarbeit aus dem umgebenden Gewebe (z.B. Sehne, Kapselgewebe, Nerven und Blutgefäße) herausgeschält. Danach wird der Stiel bis zur Handgelenkskapsel verfolgt. Dort wird der Stiel unterbunden und das Ganglion komplett entfernt. Nach der Operation wird das Handgelenk bis zur Wundheilung in einer Unterarm-Schiene ruhig gestellt. Die Fäden werden nach ca. 10 Tagen entfernt. Das Ganglion kann sich manchmal sogar nach der chirurgischer Entfernung wieder nachbilden (in etwa 10 Prozent der Fälle).

 

Komplikationen

Gelegentlich treten nach der Operation Blutungen, Infektionen oder Weichteilschwellungen auf. Selten werden bei der Operation Blutgefäße, Nerven und/oder benachbartes Gewebe verletzt. Da Hautnerven durchtrennt werden, muss mit vorübergehenden und nur selten mit bleibenden Einschränkungen der Berührungsempfindlichkeit und des Tastsinns gerechnet werden. Bei Wundheilungsstörungen oder entsprechender Veranlagung können schmerzende und ästhetisch störende Narbenwucherungen mit Hautverfärbungen (Keloide) entstehen.

 

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Vorbeugung

Übungen helfen

Da Ganglien durch Überlastung entstehen können, sind Finger- und Entspannungsübungen bei permanenter Arbeitsbelastung (z.B. am PC) dringend zu empfehlen.

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