Dokumentation: Qualitätssicherung in der MedizinBücher zum Thema aussuchenBücher zum Thema aussuchen

Die Veröffentlichung hier im Internet erfolgt mit freundlicher Genehmigung durch den Verlag Eckardt, Berlin, der diese Texte auch als Supplement zu "Klinik & Forschung" herausgibt.. H. Eckardt Verlag, Großgörschenstr. 5, D-10827 Berlin, Germany.

Interprofessionelle Kommunikation auf der Station - Ein gemeinsames Modellprojekt von Bundesärztekammer und Berufsorganisationen der Pflege

R. Bristrup, Köln

Einleitung

Seit 1989 gibt es bei der Bundesärztekammer die "Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen", die sich die Verbesserung der Kommunikation und Kooperation zwischen den Berufsgruppen im Gesundheitswesen als Global-Ziel gesetzt hat. Unter den 40 Mitgliedsverbänden sind auch alle wichtigen Verbände der Pflegeberufe. Aus dem Kreis der Konferenz sind seit 1989 drei Papiere zur Kooperation hervorgegangen.

Projektziele

Das nunmehr vorliegende Projekt ist der Versuch, von Postulaten zu konkreteren Schritten der Kooperation zu kommen. Die Entscheidung ist für den stationären Bereich, für die Pflegeberufe und für den Bereich der Qualitätssicherung gefallen, weil der stationäre Bereich in seinen Strukturen für ein Kommunikationsprojekt überschaubarer ist und weil Pflege, Arzt und Patient sozusagen den "Kern" im Rahmen des therapeutischen Teams im Krankenhaus darstellen. Gewollt ist natürlich auch die berufspolitische Signalwirkung des Themas; wir spüren bereits eine deutliche Resonanz.

Problemerkennung

Die Qualität der Kommunikation und der Kooperation steht mit der Sicherung und Verbesserung der Qualität der medizinischen Versorgung in enger Wechselwirkung.

Sie hat darüber hinaus deutliche Auswirkung auf die sogenannte "Patientenzufriedenheit". Neben der Qualität der Berufsausübung selbst hat also die Güte der Kommunikation direkten Einfluß auf die Prozeß- und die Ergebnisqualität. Sie ist nach allgemeiner Auffassung verbesserungswürdig und fähig, vor allem, was die Einbeziehung pflegerischer und patientenorientierter Aspekte betrifft. Hierauf liegt ein Augenmerk des Projektes.

Konkrete Ansätze

Die im Prinzip bereits institutionalisierten Gesprächssituationen Aufnahme, Visite und Entlassung bieten sich geradezu dafür an, besser als bisher für dieses Ziel genutzt zu werden, denn systematisch und konsequent durchgeführte gemeinsame Besprechungen zwischen Arzt, Pflegekraft und Patient zu Beginn, während und am Ende des Krankenhausaufenthaltes enthalten ein erhebliches Potential für wechselseitige Abstimmung und für eine Optimierung der Patientenbehandlung.

Damit können sie gleichfalls zu einer Qualitätsverbesserung und Effizienzsteigerung der Arbeitsabläufe im Krankenhaus insgesamt beitragen (sowie zu einer Erhöhung der Arbeitszufriedenheit bei den Pflegenden):

  • Das gemeinsame Aufnahmegespräch soll ärztliche und pflegerische Diagnosen sowie therapeutische und Pflegeplanung untereinander vernetzen und zur Festlegung von Behandlungsabläufen auf der Abteilung und der Station führen. Für den Patienten wird maximale Transparenz und Orientierung hergestellt.
  • Bei der täglichen Visite ziehen alle Beteiligten (Ärzte, Pflegende, Patienten) ein Resümee über den Verlauf von Diagnostik und Therapie. Sie erhält damit die wichtige Funktion einer Rückmeldung für alle Beteiligten und trägt insbesondere zur Patientenzufriedenheit dadurch bei, daß Patienten in die Planung weiterer Diagnose- und Therapieschritte zumindest informatorisch einbezogen sind. Die Visite sollte keine informatorische "Einbahnstraße" sein.
  • Das gemeinsame Entlassungsgespräch soll die therapeutisch-pflegerische Ergebnisqualität festhalten und die Patientenzufriedenheit mit einbeziehen. Bezüglich der Schnittstellenproblematik stationär/ambulant könnte darüber hinaus ein Beitrag zu einer verbesserten ‹Überleitung des Patienten geleistet werden.

Daß unter den Bedingungen des Gesundheitsstrukturgesetzes und den Vorgaben von Fallpauschalen und Sonderentgelten insbesondere eine stärkere Ausrichtung an den Zielen Rationalisierung und Effizienzsteigerung erfolgt und daß man diesen Zielen mit einer besseren Vernetzung der bisher eher in "versäulten" Formen ablaufenden Arbeitsabläufe der verschiedenen Berufsgruppe Rechnung tragen muß, ist ein Nebenaspekt des Projektes. Es geht daher auch um eine Leistungsprozeßsteuerung durch Verbesserung der Kommunikation.

Ausblick

Die Bundesärztekammer hat mit fünf Verbänden der Pflegeberufe Konsens über diese Rahmenbedingungen des Projektes erzielt; seit Mitte dieses Jahres wird eine konkrete Projektbeschreibung durch eine Gruppe vorbereitet, die paritätisch aus Vertretern der Pflege und der Ärzteschaft besteht. Die Gruppe soll außer einer ersten Analysestufe zum Projekt auch Zielvorstellungen zur Umsetzung entwickeln.

Autorin:

Dipl.Päd. Rosemarie Bristrup, Bundesärztekammer, Herbert-Lewin-Str. 1, 50931 Köln


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