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3080 Als Woltersdorf noch Hollywood hieß...
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Buch dazu anzeigen"Als Woltersdorf noch Hollywood war", von Gerald Ramm (1996)

30-Kultur

3080 Als Woltersdorf noch Hollywood war

3080b Vom Werdegang einer Ausstellung

Harry Piel sitzt am Nil und wäscht seine Glatze mit Persil

Was liegt näher, als das sich ein Bestattungunternehmer als Schriftsteller mit vergangenen Zeiten beschäftigt? Ein- und Ausgraben ist seine Berufung, und so hat Gerald Ramm, geborener Woltersdorfer, bereits 7 Bücher verfaßt. Seit vielen Jahren betreibt der Ingenieur der Elektrotechnik Heimatforschung auf frühgeschichtlichen Gebiet, publiziert aber auch mal über jüngere geschichtliche Thematiken und wird auch augenblicklich vom Munitionsbergungsdienst mit der Identifizierung von Weltkriegsopfern beauftragt.

 

"Der Stoff aus dem die Träume sind - der Stoff, die Nitrozellulose: Aus ihm stellte man den Rohfilm her und die Bomben des 1.Weltkrieges", drängte es Ramm so im Vorwort zu seinem Buch und wußte: "Die Devise der Artillerie ist auch die der Filmleute gewesen: Was beleuchtet ist, ist entdeckt. Gerade erst waren die Rauchschwaden der letzten Schlachten verzogen, noch waren längst nicht alle Vermißten und Gefallenen gezählt, noch nicht die Kriegsgefangenen in die Heimat zurückgekehrt, da zog schon ein ganz anderer, ziviler Hauch in das Markendorf Woltersdorf Schleuse am östlichen Rande der Reichshauptstadt - der Film."

 

Die Gemeinde Woltersdorf erlebte in den 10er und 20er Jahren eine stürmische Zeit, die heute allgemein mit dem Wort "Boom" umschrieben wird. Idyllisch inmitten von Wasser, Wald und Kalksteinbrüchen gelegen, war Woltersdorf ohnehin schon beliebtes Ausflugsziel der Berliner Großstädter gewesen. Außer per pedes oder per Schiff oder Kahn (berühmt waren auch die Ausflugslokale an der Woltersdorfer Schleuse) konnte man die Gemeinde ab 1913 auch mit der neuerrichteten Straßenbahn ab Rahnsdorf erreichen. Das Kurhaus Woltersdorf bot neben erholsamer Ruhe und weitläufigen Spaziernmöglichkeiten auch eine beachtliche medizinisch-therapeutische Behandlung.

 

Die Beschaulichkeit aber wich 1919 dem Trubel. In den märkischen Sand ließ der Regisseur und Produzent Joe May eine künstliche Filmstadt stampfen: In Woltersdorf entstand eine gewaltige Kulissenstadt, knapp 30 Fußballfelder groß, die damals prächtigste in Europa. Hier wurden über 50 Filme gedreht, darunter so berühmte wie der "Der Tiger von Eschnapur".

 

Unvergessen und fest verbunden mit dem Namen May-Filmstadt in Woltersdorf bleibt der Film "Das Indische Grabmal", der vom fast vergessenen Filmpionier Joe May (geb.1880 in Wien, +1954 in Hollywood) mit einer gigantischen Kulissenstadt inszeniert wurde. Heute entdecken nur noch Insider die Spuren von einst, zerstört wurden im 2.Weltkrieg und in während der DDR-Zeit fast vollständig sämtliche Kulissenbauten.

 

Was ist übriggeblieben, kann der unbedarfte Spaziergänger noch hoffen, auf "antike" Säulenreste, einen Riesenbuddha oder gar Tempelbauten zu stoßen?

 

Was ist mit dem Elefantenschuppen, dieser schon längst abgerissen, aber kann der posthistorische Katastrophentourist noch die Fußabdrücke der schweren Bewohner abtasten, die sich einst im frischen Estrich verewigten?

 

Keine Reste von verschnörkelten Vasen in den Vorgärten, keine Säulenstückchen oder marmorne Bodenfliese dient auch bei Gerald Ramm als Briefbeschwerer, vielleicht aber schlummert in irgendeinem gutgemeinten Betonfundament noch ein halbes Dutzend Säulen...

 

Die Regisseure Harry Piel und Joe May drehten bis 1932, als May als "Nichtarier" ins amerikanische Exil gehen mußte, zahlreiche Abenteuer- und Sensationsfilme mit gepfefferten Skandalen und Skandälchen und erreichten mit dem Film "Das Indische Grabmal" ein danach nie wieder erreichte Niveau, oft von den Kritikern verschrien, aber unangefochtener Höhepunkt der Kinokultur. Der Filmarchitekt Martin Jacoby-Boy und die Darstellungskunst von May¥s Ehefrau Mia, geleitet durch die hervorragende Kameraführung, hatte diesen Film zum Welterfolg gemacht.

 

Heute ist nur noch Hollywood in aller Munde, und in Woltersdorf, "The Lost World"? "Der weiße Hai" durfte nie im Woltersdorfer Kalksee schwimmen.

 

Amerikanisch in der Großzügigkeit der Anlage, deutsch in der Gründlichkeit der Ausführung bis ins kleinste Detail, lautete ein Werbespruch, den Joe May dazumal für sein Unternehmen geprägt hatte.

 

In der Weltbühne erschien im Dezember 1919 ein Tucholsky-Ausspruch, der die Filmstadt Woltersdorf sogar in die literarische Aufbereitungsecke filmischer Besonderheit rückte: "Das Kino schläft. Laßt mich verweilen bei diesen Sternen, filmomorph. Es schläft in sieben Teilen der Herr der Welt in Woltersdorf."

 

Keine Frage, denn kein Weg war zu weit nach Woltersdorf, wo sogar über ein afrikanisches Dorf verfügt werden konnte: Hans Schomburg, ein früherer Afrikaforscher und Hobbyregisseur, baute unter Verwendung May¥scher Kulissenelemente mit seinem Architekten Kolumbs ein großes Afrikanerdorf am Kalksee, um seiner Neigung, afrikanische Sujets zu verfilmen, volle Bestätigung zu verschaffen. Schomburg sammelte dazu sämtliche sogenannter Filmbörsen-Neger, so daß eine immense Menge von Schwarzen das Dorf authentisch bevölkerten.

 

So wurden Schwarze Hauptakteure in Woltersdorfer und Rüdersdofer Alltag und sorgten bei den "Einheimischen" für mancherlei Be- und Verwunderung: Fast gehörte es manchmal zum guten Ton, sich mit einem "Neger" zu unterhalten.

 

Letzte Woche war Ramm bei Frau Knoch zum 100.Geburtstag, keineswegs in böser Absicht, denn viel alte Woltersdorfer haben nette Erinnerungen zu seinem Buch beitragen können, und Frau Knoch kannte so die junge Schomburg noch. Aber der Film, darin sind sich die meisten immer noch einig, "schickte sich nicht" - er galt schlichtweg als unfein.

 

"Der Welt Größter Film (sic!)", so in dem Journal "Der Film" von 1921, existiert nur noch in ganz wenigen Köpfen, heute kann man nur noch träumen von tollen Zeiten auf den Rüdersdorfer Kalkfelsen, dem Kalksee und wahrhaft traumhaften Filmkritiken: "Und nun stürzen über die berauschte und entsetzte Seele des Künstlers wie ein ungeheurer Alpdruck die fliehenden Gestaltungen einer exotischen Welt".

 

Für alle, die auch der Gedanke an vergangene Zeiten weiterhin nicht losläßt, denen sei ein Ausflug bei Berlin ans Herz gelegt in den Woltersdorfer Aussichtsturm mit Aus- und Einsichten in die ständige Filmausstellung.

 

Die Vergangenheit lehrt uns die Zukunft, und an welchem Ort sorgt man sich nicht mehr um die Zukunft als in einem Krankenhaus? Davon zeugt außerdem eine historische Fotoausstellung im Eingangsbereich des Evangelischen Krankenhauses "Gottesfriede".

 

Viele Reden sind schon gesprochen worden, doch die wenigsten wissen um die Vorbereitungen einer historischen Fotoausstellung. Ich habe daher abschließend an dieser Stelle den Berliner Historiker Volker Hütte gebeten, uns den Werdegang einer Ausstellung zu schildern.

Literaturhinweise:

Buch dazu anzeigen"Als Woltersdorf noch Hollywood war", von Gerald Ramm (1996)

Buch dazu anzeigen"Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933", Ein Filmführer, hrsg. Günther Dahlke, Günter Karl im Henschel Verlag Berlin 1988.

 

Text: Andreas Frädrich, übrigens Urenkel des Filmarchitekten Karl Vollbrecht, der gemeinsam mit Otto Hunte unter Fritz Lang u.a. bei "Metropolis", "Die Nibelungen" als Erbauer des Drachen sowie den Kulissenbau für "Das Indische Grabmal" gestaltete.

Bilder:

Bild 3080l: Postkartenformat

 

Bild 3080m: Für die Filmaufnahmen "Das Indische Grabmal" stellte der Zirkus Sarrasani zahlreiche Zirkustiere zur Verfügung...

 

Bild 3080n: Kulissentempel zum "Tiger von Eschnapur" in der Woltersdorfer Filmstadt 1921

 

Bild 3080o: Diese Aufnahme stammt aus den 50er Jahren und dokumentiert Reste der legendären Filmstadt in Woltersdorf. Die Ruinen wurde kurze Zeit später abgetragen.

 

Zitierweise der Bilder 3080l bis 3080o:

Foto: Archiv Gerald Ramm

 

Vom Werdegang einer Ausstellung

Historische Fotogafieausstellung dokumentiert die wechselhafte Geschichte eines beliebten Kur- und Ausflugsortes und seines Krankenhauses

Am 5.September 1997 war die offizielle Eröffnung der Fotoausstellung "Woltersdorf in frühen Fotografien". Ausstellungsort ist der Eingangsbereich des Evangelischen Krankenhauses "Gottesfriede", Schleusenstr.50 in Woltersdorf bei Erkner. Sie ist zum einen die Fortsetzung einer im Krankenhaus gepflegten Ausstellungstradition, zum anderen aber ist es das erste, ausschließlich von Unternehmen finanzierte Kulturereignis in diesem Haus, zu der sogar überraschenderweise die brandenburgische Sozialministerin Regine Hildebrandt kam.

 

Bei den Exponaten handelt es sich um 50 Reproduktionen, das heißt von alten Postkarten und Fotografien abgelichtete und anschließend vergrößerte Exemplare, sowie um drei alte Original-Fahrpläne der Woltersdorfer Straßenbahn. Es sind Motive aus den Jahren 1900 bis 1960 zu sehen. Der Schwerpunkt liegt dabei in den 20er Jahren, was auch damit zusammenhängt, daß im Jahr 1926 das EC-Bundeshaus in die Räumlichkeiten des alten Woltersdorfer Sanatoriums, des heutigen Evangelischen Krankenhauses umzog. Damals wurde Altes und Entstehendes sorgfältig fotografisch dokumentiert, und dementsprechend reich ist das Fotomaterial. beim Betrachten des gesammelten Originale entschieden sich die Organisatoren für fünf Themenbereiche der Ausstellung:

 

1)Vom Sanatorium und Kurhaus Woltersdorfer Schleuse zum "Haus Gottesfriede"

2)Fotos zur Geschichte des EC-Bundeshauses

3)Fotos zur Geschichte von Woltersdorf

4)Woltersdorfer Typen

5)Woltersdorfer Verkehrswege

 

Die Fotografien werden ergänzt durch Anmerkungen auf insgesamt fünf, den einzelnen Themenbereichen zugeordneten Informationstafeln. Die schriftlichen Informationen können erfahrungsgemäß nur bedingt einen historischen Bezug zu den Fotografien herstellen, sie sollen vielmehr unterstützend wirken und einen groben Zusammenhang herstellen. Unterhalb der Fotos ist jeweils eine Textzeile angebracht. In ihr finden Sie zumeist eine örtliche und zeitliche Zuordnung. Falls eine zeitliche Zuordnung nicht gesichert erschien, haben die Ausstellungsleiter dies mit Kürzel o.J.(ohne Jahresangabe) versehen. Insgesamt war die Qualität der Original-Fotos beachtlich. Auch die Fotografen der 20er Jahre beherrschten ihr Handwerk, wie besonders bei einigen Innenaufnahmen des früheren Kurhauses zu sehen ist.

 

Die Reproduktion der Originale übernahm Alexander Damaschun, Berlin. Unterstützt wurden beide in ihrer Tätigkeit vom Berliner Grafiker Norbert Grimm.

 

Insgesamt 35 Unternehmen, größtenteils aus dem unmittelbaren Einzugsgebiet, haben durch ihre Spende die Ausstellungskosten übernommen. Als kleine Gegenleistung des Krankenhauses sind alle Firmen, die uns bei diesem Projekt unterstützt haben, auf der letzten Seite eines ausstellungsbegleitnden Flyers erwähnt. Die Unternehmen, die den sogenannten "Sponsorenbeitrag" leisteten, findet man zusätzlich auf der Spnsorentafel inmitten der Ausstellung. Für das nächste halbe Jahr werden die 53 Exponate nun den Eingangsbereich des Krankenhauses zieren und den einen oder anderen Besucher an die große Woltersdorfer Vergangenheit erinnern.

Text: Volker Hütte, Berliner Historiker, hat sich auf Ausstellungen im Gesundheitswesen spezialisiert

 

Zitierweise dieser Beiträge:

Redaktionsdienst gesundheit-online

(Hinweis: Textumfang 4x DIN A4-Seiten)

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"Schlaglichter" aus der historischen Fotoausstellung:

 

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Zitierweise der Bilder 3080a bis 3080k:

 

Sämtliche Bilder sind im Evangelischen Krankenhaus "Gottesfriede", Schleusenstr. 50 in Woltersdorf bei Erkner zu besichtigen.

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