Erkrankungen von Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse

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Aufbau und Funktion von Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Erkrankungen der Galle

Erkrankungen der Leber

Hepatitis C

Inhaltsübersicht:
Übertragung
Häufigkeit und Krankheitsverlauf
Diagnostik
Therapie
Chronischer Verlauf
Vorbeugung

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Übertragung

Der Mensch ist ein natürlicher Wirt

Die Hepatitis C wird durch das Hepatitis-C-Virus (HCV) übertragen. Als einziger natürlicher Wirt für dieses Virus ist der Mensch bekannt.

 

Übertragung meistens über infiziertes Blut

Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt meisten über den Kontakt mit infiziertem Blut. Das geschieht in der Regel durch eine Stichverletzung  mit einer Nadel und gleichzeitiger Übertragung von infiziertem Blut. Aus diesem Grunde sind insbesondere Drogenabhängige gefährdet, die kontaminiertes Spritzbesteck anderer benutzen. Auch Menschen, die häufig mit Infizierten, mit Blut und Blutprodukten Kontakt haben, tragen ein erhöhtes Risiko. Das gilt z. B. für medizinisches Personal. Blutkonserven werden auf eine Kontamination mit dem Hepatitis-C-Virus getestet, so dass eine Infektion auf diesem Wege mittlerweile sehr selten ist.

 

Seltene Übertragungswege

Seltene Übertragungswege sind z. B. durch eine Lebertransplantation oder die Übertragung durch verunreinigte (mehrmals verwendete) Tätowier- und Akupunkturnadeln. Bei einer normalen Entbindung einer schwangeren Mutter mit Hepatitis-C beträgt das Risiko der Übertragung auf das Kind etwa 5 Prozent.

 

Weitere Möglichkeiten

In anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Sperma und Muttermilch wurde das HCV zwar nachgewiesen, aber die Viruslast ist häufig so gering, dass es nicht zu einer Ansteckung kommt. Dennoch besteht eine theoretische Möglichkeit der Übertragung z. B. beim Geschlechtsverkehr, wenn das Immunsystem des Betroffenen geschwächt ist. Übertragungen durch die Muttermilch, obwohl theoretisch möglich, wurden in der Praxis noch nie bewiesen. Mütter mit Hepatitis-C können deshalb normal Stillen.

 

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Häufigkeit und Krankheitsverlauf

Es besteht Meldepflicht

Hepatitis C ist eine nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtige Erkrankung. Bei Verdacht auf eine Hepatitis C, sicher diagnostizierter Erkrankung und bei Tod durch Hepatitis C muss der Arzt dies an das Gesundheitsamt melden. Zudem muss ein Labor, welches bei der Blutuntersuchung eines Patienten eine akute Infektion feststellt, dies ebenfalls an das Gesundheitsamt melden.

 

Weltweit sind 3 Prozent der Bevölkerung betroffen

In Nordeuropa und auch in Deutschland sind etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert, in den Mittelmeerländern etwa 2 Prozent. Weltweit beträgt dieser Prozentsatz 3 Prozent.

 

In Deutschland erkranken 0,5 Prozent der Bevölkerung

Für Deutschland entspricht der Prozentsatz von 0,5 Prozent etwa 350.000 Infizierten. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 5000 Menschen neu an einer akuten Hepatitis C. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in Deutschland etwa 80 Prozent der Drogenabhängigen infiziert sind.

 

Inkubationszeit 15 bis 160 Tage

Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung) beträgt 15 bis 160 Tage.

 

Meistens treten keine Beschwerden auf

Zu etwa 85 Prozent verläuft die akute Hepatitis C ohne jegliche Krankheitszeichen. Bei etwa 15 Prozent der Betroffenen kommt es dagegen zu Abgeschlagenheit, Schwäche und/oder Gelbsucht (vgl. Allgemeine Grundlagen und Verlaufsformen bei Hepatitis). Mit einem Leberversagen ist nicht zu rechnen. Problematisch sind die häufig auftretenden chronischen Krankheitsverläufe (siehe unten).

 

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Diagnostik

Die Diagnose wird durch verschiedene Labortest gesichert

Bei Verdacht auf das Vorliegen einer Hepatitis C (z.B. bei einem drogenabhängigen Patienten mit Gelbsucht) hilft eine Laboruntersuchung, die Verdachtsdiagnose zu bestätigen oder auszuschließen. Dazu gehören z. B.:
  • Erhöhung der "Leberwerte", d.h. erhöhte Werte für die in den Leberzellen gebildeten Enzyme (GOT und GPT)
  • Veränderung von Werten, mit denen die Blutgerinnungsfähigkeit beurteilt wird (z.B. Quick-Wert), da in der Leber viele für die Blutgerinnung erforderliche Eiweiße hergestellt werden
  • Nachweis spezieller Viruseiweiße
  • Nachweis so genannter Antikörper gegen das Hepatitis-C-Virus (Antikörper sind Eiweißstoffe, welche das Immunsystem zur Abwehr gegen eingedrungene Krankheitserreger bildet)
  • Nachweis der Erbsubstanz (DNA) des Hepatitis-C-Virus

 

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Therapie

PEG- Interferon- alpha-2b

Bestätigt sich die Verdachtsdiagnose einer akuten Hepatitis C, wird eine Therapie mit PEG-Interferon-alpha-2b eingeleitet. Auf diese Weise lässt sich eine Chronifizierung der Erkrankung in der Regel verhindern, wobei das Medikament eine Stimulation des Immunsystems bewirkt.

 

Dosierung

PEG-Interferon-alpha-2b wird in einer Dosis von 1,5 µg pro Kilogramm Körpergewicht einmal wöchentlich in das Unterhautfettgewebe injiziert. Diese Therapie wird für die Dauer von einem halben Jahr durchgeführt.

 

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Chronischer Verlauf

50 bis 90 Prozent werden chronisch krank

Bei 50 bis 90 Prozent der Patienten wird die akute Hepatitis C chronisch. Zusätzlich zu den bei akuter Erkrankung auftretenden Symptomen können folgende Komplikationen hinzukommen:
  • Kryoglobulinämie (Durchblutungsstörungen, die durch kälteaktivierte Antikörper hervorgerufen werden)
  • Glomerulonephritis
  • Panarteriitis nodosa (eine entzündliche Erkrankung der Arterien)
  • Non-Hodgkin-Lymphom (eine Tumorerkrankung der Lymphknoten, "Lymphknotenkrebs")
  • Immunthyreopathie (durch Regulationsstörungen des Immunsystems ausgelöste Schilddrüsenfunktionsstörung)

 

Es ist zusätzliche Diagnostik erforderlich

Bei der Blutuntersuchung werden vergleichbare Befunde erhoben wie bei der akuten Erkrankung. Für die Therapie der chronischen Hepatitis C ist es zudem wichtig, den so genannten Genotyp des Hepatitis-C-Virus zu bestimmen, das heißt die Zusammensetzung seines Erbmaterials (DNA) genauer zu untersuchen. Für die Beurteilung des Zustandes des Lebergewebes sowie zur Untersuchung der Leberdurchblutung kommt die Ultraschalluntersuchung zum Einsatz.

 

30 Prozent der Betroffenen entwickeln eine Leberzirrhose

Eine Therapie der chronischen Hepatitis C wird erforderlich, wenn eine Umwandlung des spezifischen Lebergewebes in Bindegewebe und damit die Entwicklung einer Leberzirrhose (vgl. Allgemeine Grundlagen und Verlaufsformen bei Hepatitis) droht. Von einer Leberzirrhose sind etwa 30 Prozent der Patienten mit chronischer Hepatitis C betroffen. Von den Patienten, bei denen sich eine Leberzirrhose entwickelt, erkranken zudem jährlich etwa 3 Prozent an einem Leberkarzinom ("Leberkrebs"). Dabei ist zu berücksichtigen, dass zwischen der Hepatitis-C-Infektion und dem Auftreten zirrhosetypischer Krankheitssymptome etwa 20 bis 30 Jahre vergehen.

 

Die Diagnose einer Leberzirrhose ist mittels Ultraschalluntersuchung und der feingeweblichen Untersuchung einer Gewebeprobe aus der Leber möglich. Eine Gewebeprobe kann unter örtlicher Betäubung entnommen werden.

 

Therapie der chronischen Hepatitis C

Die Therapie der chronischen Hepatitis C wird mit 2 verschiedenen Medikamenten für die Dauer von 24 bis 48 Wochen durchgeführt:
  • PEG-Interferon-alpha-2a (180 µg pro Woche als Injektion in das Unterhautfettgewebe) oder PEG-Interferon-a-2b (1,5 µg pro Kilogramm Körpergewicht pro Woche, ebenfalls als Injektion in das Unterhautfettgewebe) zur Stimulation des körpereigenen Immunsystems
  • Ribavirin in einer Dosierung von 800 - 1200 mg pro Tag als Tablette. Ribavirin ist ein so genanntes Nukleosidanalogon, eine spezielle Substanzgruppe von Antivirenmitteln. Es verhindert die Vermehrung der Viren, indem es sich in deren Erbsubstanz (DNA) einbaut.

 

Die Therapie ist häufig erfolgreich

Mittels dieser Kombinationstherapie lässt sich bei 42 bis 90 Prozent der Patienten die Elimination des Virus aus dem Blut erreichen. Eine besonders gute Chance auf ein Ansprechen der Therapie haben Patienten, die mit einem Virus des Genotyps 2 oder 3 infiziert sind.

 

Als letzte Therapieoption kommt eine Lebertransplantation infrage. Diese sollte bei Patienten in Betracht gezogen werden, bei denen ein Leberversagen droht.

 

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Vorbeugung

Vermeiden der Ansteckung

Für die Hepatitis C existiert weder eine aktive noch eine passive Immunisierung. Der einzige Schutz vor einer Infektion besteht daher in der Vermeidung der Ansteckungsgefahr:
  • vermeiden von ungeschütztem Geschlechtsverkehr
  • kein gemeinsames Benutzen von Injektionsnadeln
  • vermeiden von Nadelstichverletzungen

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Hepatitis - Leberentzündung

 




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