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3 Qualität
Qualitätsforderung
Merkmal
Qualitätsmerkmal
Merkmalswert
Qualität
Zuverlässigkeit
Sicherheit
Konformität
Fehler
Mangel
Produkthaftung
Qualifiziert
Prüfung
Selbstprüfung
Verifizierung
Validierung
Formulierung der Erfordernisse oder deren Umsetzung in eine
Serie von quantitativ oder qualitativ festgelegten Forderungen an die Merkmale
einer Einheit zur Ermöglichung ihrer Realisierung
und Prüfung.
1) Es ist entscheidend, daß die Qualitätsforderung
die festgelegten und vorausgesetzten Erfordernisse des Kunden
voll widerspiegelt.
2) Der Begriff "Forderung" erfaßt sowohl
marktbegründete als auch vertragliche als auch interne Forderungen einer Organisation. Sie können in den
unterschiedlichen Planungsstufen entwickelt, detailliert und aktualisiert werden.
(aus DIN EN ISO 8402: 08.95)
Die Qualitätsforderung ist einer der zentralen Begriffe des Qualitätsmanagements, denn an ihr entscheidet sich die
Wertung in Bezug auf die Qualität: Bei Nichterfüllung oder nur
teilweiser Erfüllung der Qualitätsforderung ist die Qualität herabgesetzt. Bei
Erfüllung oder bererfüllung der Qualitätsforderung ist die Qualität gut.
1) drückt aus, daß es sowohl auf formal dokumentierte
Forderungen ("festgelegt") ankommt, als auch auf solche Forderungen, deren
Erfüllung sinnvollerweise erwartet werden kann ("vorausgesetzt").
Bei der Bereitstellung eines Produktes wird die
Qualitätsforderung im Rahmen der Qualitätsplanung
aufgestellt. Ist die Qualitätsforderung bei einem gänzlich neuen Produkt anfangs noch
wenig gegenständlich, so konkretisiert sie sich in aller Regel nach Durchlaufen mehrerer
Stufen. Je komplexer das Produkt, umso komplexer auch die Qualitätsforderung. Für die
verschiedenen Aspekte und Komponenten einer umfangreichen Einheit können demnach
Teilforderungen formuliert werden, d.h. daß für jedes Qualitätsmerkmal
die zugelassenen bzw. die nicht zugelassenen Merkmalswerte festzulegen
sind.
Zur Vereinfachung dieses nicht ganz trivialen Sach-verhaltes
dienen die nachfolgenden Beispiele. In diesen werden einzelne Komponenten aus
umfangreicheren Qualitätsforderungen herausgegriffen und betrachtet. Jedes Beispiel
gliedert sich in die folgenden Angaben: Die Einheit, auf die sich die Qualitätsforderung
bezieht, die Forderung im Langtext und die Forderung in Form der Angabe des betrachteten
Merkmals der Einheit und der dafür zugelassenen Merkmalswerte.
Beispiele:
-A,P Einheit: Gesamtheit der aseptischen
Operationen einer Klinik je Quartal.
Forderung: Die sekundären Wundinfektionen sollen das empirisch
ermittelte, durchschnittliche Maß von 2.1% nicht überschreiten.
Merkmal: Zahl der sekundären Wundinfektionen im zweiwöchigen
Betrachtungszeitraum nach Operation.
Zugelassener Merkmalswert: 2.1%.
-L Einheit: Temperaturmeßergebnis für ein Analyt.
Forderung: Die Temperatur des Analyts sei eine einflußnehmende,
wichtige Kenngröße. Hieraus leiten sich Forderungen an die Genauigkeit (Richtigkeit und
Präzision) von Temperaturmessungen des Analyts ab: Bei der Messung darf der Meßwert
systematisch höchstens um x1oC nach unten oder x2oC nach oben abweichen, und die
Standardabweichung der Meßergeb nisse darf höchstens y oC betragen.
Merkmal (a): Systematische Abweichung des Tempera turmeßwertes.
Zugelassene Merkmalswerte (zu a): x1oC ...x2oC
Merkmal (b): Standardabweichung der Temperaturmeß werte.
Zugelassene Merkmalswerte (zu b): 0 ... yoC.
-V Einheit: Wartezeit
Forderung: Die Patienten in der opthalmologischen Ambulanz einer
Universitätsklinik sollen nicht länger als 30 Minuten warten.
Merkmal: Wartezeit (Das Merkmal im Sinne einer Zeitdauer ist
hier identisch mit der Einheit)
Zugelassene Merkmalswerte: 0 bis 30 Minuten
Eigenschaft zum Erkennen oder zum Unterscheiden von Einheiten.
(aus DIN 55350 Teil 12: 03.89)
Merkmale gliedern sich nach DIN 55350 Teil 12 wie folgt (Tabelle
vereinfacht; Einzelheiten siehe in der Norm):
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| quantitatives Merkmal |
qualitatives Merkmal |
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| kontinuierliches Merkmal |
diskretes Merkmal |
Ordinalmerkmal |
Nominalmerkmal |
Quantitativen Merkmalen können Werte zugeordnet werden, die
sich auf einer Skala abbilden lassen. Kontinuierliche Merkmale können innerhalb eines
beliebig kleinen Intervalls ihres Wertebereichs unendlich viele verschiedene Werte
annehmen. Diskrete Merkmale weisen zwischen den möglichen Werten ihres Wertebereichs
jeweils Intervalle auf, in denen sie keine Werte annehmen können.
Qualitative Merkmale haben kennzeichnenden oder
klassi-fikatorischen Charakter. Zwischen den Merkmalen lassen sich keine skalierten
Abstände sinnvoll definieren. Ordinalmerkmale sind Merkmale mit Information über eine
Rangfolge zwischen den Werten. Dabei wird jedoch keine Aussage getätigt, wie stark die
Unterschiede zwischen den verschiedenen Werten sind. Nominalmerkmale dienen als
Kennzeichnung von Ereignissen, Objekten oder Individuen. Mit ihnen läßt sich nur eine
Identitäts- oder Gleichheitsbeziehung ausdrücken. Ein häufig auftretender Sonderfall
eines Nominalmerkmals ist das Alternativmerkmal, welches nur zwei verschiedene Werte
annehmen kann.
Beispiele:
a) kontinuierliches Merkmal
Körpergewicht (Bereich der Merkmalswerte:
> 0 kg
Medikamentenspiegel im Blut (Bereich der Merkmalswerte: 0
100 %)
b) diskretes Merkmal
Anzahl der Geburten in einer festgelegten Population
innerhalb eines festgelegten Zeitraums (Bereich der Merkmalswerte: 0, 1, 2, ...)
Anzahl Tabletten pro Tag (Bereich der Merkmalswerte: 0, 1, 2,
...)
c) Ordinalmerkmal
Tumorstadien (Bereich der Merkmalswerte: nach
TNMNomenklatur: T1 bis T4; N0 bis N2; M0 bis M1)
- fundus hypertonicus
d) Nominalmerkmal
Art der Blutgruppe (Bereich der Merkmalswerte: für die
Hauptgruppen nach AB0System: A, B, AB, 0)
Hyperlipidämie nach Frederikson (Bereich der Merkmalswerte:
I, IIa, IIb, III, IV)
e) Alternativmerkmal
Geschlecht (Bereich der Merkmalswerte: weiblich, männlich)
Schwangerschaft (Bereich der Merkmalswerte: schwanger,
nichtschwanger)
Die Qualität mitbestimmendes Merkmal.
(aus DIN 5535011: 08.95)
Siehe Merkmal. Die dort aufgeführten Beispiele sind immer dann
auch Beispiele für Qualitätsmerkmale, wenn ihnen in der betrachteten Situation Bedeutung
für die Qualität der betrachteten Leistung (hier: medizinisch-pflegerisch) zukommt.
Der Erscheinungsform des Merkmals
zugeordneter Wert.
Durch die spezielle Festlegung des betrachteten
Merkmals ist die Art des Merkmals (z.B. Farbe, Länge) bestimmt ... und damit auch die Art
der Merkmalswerte (z.B. rot, 3m).
(aus DIN 55350 Teil 12: 03.95)
Beispiele siehe unter Merkmal.
Gesamtheit von Merkmalen (und Merkmalswerten) einer Einheit
bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen.
Die Erzielung einer zufriedenstellenden Qualität
bezieht alle Stadien des ganzen Qualitätskreises ein. Zur Beton- ung sind die
Beiträge zur Qualität aus diesen verschied- enen Stadien manchmal getrennt ausgewiesen;
z.B. die von der Festlegung der Erfordernisse herrührende Qualität, die vom
ProduktDesign herrührende Qualität, die von der For- derungserfüllung herrührende
Qualität, die von der Produkt- pflege überall während seiner Lebensdauer herrührende
Qualität.
(aus DIN EN ISO 8402: 08.95)
Die Bewertung von Qualität - und in der Medizin: der Erfolg
einer Maßnahme - kann nur in Abhängigkeit von einer formulierten Zielvorgabe, nämlich
der Qualitätsforderung erfolgen. Das Ausmaß an erreichter Qualität läßt sich
dann anhand der Erfüllung oder Nicht-Erfüllung der zuvor festgesetzten Kriterien
beurteilen (Vgl. Viethen 1995). Dies gilt auch für die medizinisch-pflegerische
Dienstleistung.
Beispiele für Qualität sind den unter Qualitätsforderung
aufgeführten Beispielen zu entnehmen: Bei Einhaltung der dort angegebenen zugelassenen
Merkmalswerte ist die Qualität der betreffenden Einheit, bezogen auf das betreffende
Merkmal bzw. die betreffenden Merkmale, gut. Anderenfalls ist die Qualität nicht gut
(herabgesetzt, suboptimal, schlecht). Eine quantitative Einstufung der erreichten
Qualität, etwa auf einer Prozentskala, ist zumeist nicht möglich (Vgl. auch Beispiele
unter Qualitätsforderung). Dagegen werden in der Medizin Therapieerfolge häufig über
Ordinalmerkmale abgebildet.
Wird Qualität traditionell mit Begriffen wie Eigenschaft, Güte
oder Beschaffenheit gleichgesetzt, so treffen wir im Qualitätsmanagement auf eine
anderslautende Definition: Hier entspricht Qualität einer relativen, auf die
Qualitätsforderung bezogenen Größe.
Zusammenfassender Ausdruck zur Beschreibung der
Verfügbarkeit und ihrer Einflußfaktoren: Funktionsfähigkeit, Instandhaltbarkeit und
Instandhaltungsbereitschaft.
Zuverlässigkeit ist einer der zeitbezogenen Aspekte
der Qualität.
(aus DIN EN ISO 8402: 08.95)
Die technischmathematische Beschreibung der Zuverlässigkeit
kann komplex sein und ist Gegenstand zahlreicher Normen und anderer technischer Regeln,
auf die in diesem zusammenhang nicht eingegangen werden soll. Die folgenden Beispiele,
vereinfacht und aus Sicht der Anwenderforderungen formuliert, zeigen die Bedeutung der
Zuverlässigkeitsbetrachtung.
Beispiele:
-P Ein berwachungssystem auf der
Intensivstation muß gewährleisten, daß bei der Verschlechterung vitaler Parameter ein
Alarm ausgelöst wird.
-L Nach Ausfall der regulären Stromversorgung
eines Labors müssen die vorhandenen Akkumulatoren in der Lage sein, eine definierte
Leistung von x kW für eine Dauer von mindestens 10 Minuten zu liefern, um
die vorhandene EDV vor einem irreversiblen Daten-
verlust zu bewahren.
-A Ein implantierter Herzschrittmacher muß bis
zur Erschöpfung der Batterie mindestens x Monate
ununterbrochen funktionieren.
-V Eine Ablauflogik in der Verwaltungs-EDV muß
gewähr-
leisten, daß kein Patient ohne vorherige Aufnahme entlassen
werden kann.
Zustand, in dem das Risiko eines Personen oder Sachschadens
auf einen annehmbaren Wert begrenzt ist.
(aus DIN EN ISO 8402: 08.95)
Beispiel:
-L Bei richtiger Wartung und Anwendung eines Rönt-
gengerätes ist die Wahrscheinlichkeit, daß eine bestimmte Untersuchung einen bestimmten
Strahlenschaden hervorruft, kleiner als ein festgesetzter Grenzwert.
Erfüllung festgelegter Forderungen.
(aus DIN EN ISO 8402: 08.95)
Eine Einheit, die keinen
Fehler aufweist, ist konform.
Nichterfüllung einer festgelegten Forderung.
(aus DIN EN ISO 8402: 08.95)
Ein Fehler im Sinne des Qualitätsmanagements
kann beliebige Einheiten betreffen. So liegt dann
ein Fehler vor, wenn eines der Qualitätsmerkmale der betrachteten
Einheit einen unzulässigen Wert annimmt. Diese Definition geht also über die Betrachtung
von Meßergebnissen oder Handlungen weit hinaus und unterscheidet sich dadurch vom
Fehlerbegriff im herkömmlichen Sprachgebrauch.
Beispiele:
-L Bei einer Rechtsherzkatheteruntersuchung sei
ein Einzelmeßwert im rechten Vorhof Ap, der wahre Wert Ap0 und der Betrag der
Meßabweichung |ßp| = Ap-AP0 . Die betrachtete Einheit sei die Meßabweichung. Zuge-
lassen sei |ßp| = 0 .. x mm Hg. Wenn |ßp| weniger als x mm Hg beträgt, liegt ein
Fehler im Sinne der Allgemeinsprache vor, nicht jedoch im Sprachgebrauch des
Qualitätsmanagements. Wenn |ßp| mehr als x mm Hg beträgt, liegt auch ein Fehler im
Sinne des Quali- tätsmanagements vor.
-A Die betrachtete Einheit sei die Untersuchung
einer Hand bei Verdacht auf Polyarthritis. Nach dem Stand der Wissenschaft muß die
Untersuchung u.a. folgende Merkmale berücksichtigen:
- Faustschluß möglich?
Schwellung vorhanden?
Ulnardeviation vorhanden ?
Atrophie der Musculi interossei ?
Volarschmerz vorhanden?
Bleibt bei der Untersuchung eines oder mehrere dieser Merkmale
unberücksichtigt, liegt ein Fehler vor.
weiter zum 2. Teil
Tip: Viethen Gregor, Graebig,
Klaus
Qualitätsterminologie Gesundheitswesen
Taschenbuch / Erschienen 1996
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