Palliativmedizin

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Allgemeine Aspekte der Palliativmedizin
Das palliativmedizinische Team
Spezial:
Alte Menschen in der Palliativmedizin
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Die Sterbephase
Sterbehilfe, Sterbebegleitung, Patientenverfügung
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Das Palliativmedizinische Team - Umgang mit den eigenen Gefühlen:
Umgang mit Schuldgefühlen

Der Tod ist unausweichlich

Die palliativmedizinische Betreuung schwer kranker und sterbender Menschen bringt es mit sich, dass die Patienten zwar im Rahmen des medizinisch Möglichen eine optimale Betreuung erhalten, dass jedoch in der Regel keine Heilung und damit keine "Rettung" der Patienten möglich ist. Nicht selten führt dies bei Mitgliedern des palliativmedizinischen Teams zu Schuldgefühlen. Beispielsweise wird der Tod eines Patienten als medizinisches oder persönliches Versagen empfunden, was unter Umständen Schuldgefühle auslöst. Diese gehen nicht selten mit quälenden Zweifeln einher ("Habe ich alles, was möglich war, getan, um den Patienten zu retten?").

 

Reaktion je nach Typ unterschiedlich

Die Entwicklung von Schuldgefühlen ist in hohem Maße von der Persönlichkeit des Einzelnen abhängig. Mitglieder des palliativmedizinischen Teams mit eher "zäher" Persönlichkeit können den Verlust eines Patienten häufig besser verkraften als solche mit "empfindsamerer" Persönlichkeit. Dies liegt am ehesten daran, dass Menschen mit "zäher" Persönlichkeit Belastungen als Herausforderungen und als normalen Bestandteil des Lebens ansehen und zudem der Ansicht sind, dass sich Belastungen in der Regel bewältigen lassen. Sie fühlen sich den Belastungen daher weniger stark ausgeliefert als andere Menschen.

 

Fehler bewusst machen und analysieren

Wenn Schuldgefühle auftreten, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sinnvoll damit umzugehen. Zunächst sollte objektiv festgestellt werden, ob es bei der Betreuung eines verstorbenen Patienten zu Fehlern gekommen ist (beispielsweise zu spätes Stellen einer Krebsdiagnose oder Wahl einer unzureichend wirksamen Therapie). Lassen sich tatsächlich Fehler ausmachen, sollten diese mit dem gesamten Team offen besprochen werden: Das hilft, ähnliche Fehler zukünftig zu vermeiden. Bei diesen Gesprächen ist es allerdings wichtig, konkrete Schuldzuweisungen zu vermeiden, da dies die Bereitschaft, Fehler zuzugeben und zu besprechen, erheblich mindert. Stattdessen sollte allgemein akzeptiert sein, dass jeder Mensch Fehler macht und dass sich zukünftige Fehler durch eine offene Diskussion am besten vermeiden lassen. Wurde hingegen kein Fehler bei der Betreuung des Patienten festgestellt, hat dies in der Regel bereits einen entlastenden Effekt auf die eigenen Schuldgefühle.

 

Regelmäßige Diskussion mit Kollegen

Ist ein Teammitglied unsicher, ob es einen Fehler begangen hat oder nicht, sollte es sich mit Kollegen austauschen. Beispielsweise kann das gewählte therapeutische Vorgehen im Kollegenkreis zur Diskussion gestellt und auf diese Weise alternative Vorgehensweisen aufgezeigt werden, die zukünftig mit in Erwägung gezogen werden können. Einen ähnlichen positiven Effekt hat ein regelmäßiger kollegialer Austausch während der alltäglichen Arbeit. Dies können tägliche gemeinsame Stationsvisiten sein oder zu festen Terminen stattfindende Konferenzen zu einzelnen Patienten. Auch die regelmäßige Besprechung des Krankheitsverlaufs aller Patienten (sowie aller auftretenden Todesfälle) innerhalb des palliativmedizinischen Teams beugt der Entstehung von Fehlern und damit auch der Entwicklung von Schuldgefühlen vor. Außerdem sind solche Teambesprechungen hilfreich, um sich nicht nur über die Betreuung der einzelnen Patienten, sondern auch über die eigenen Gefühle auszutauschen.

 

Risikofaktoren für Schuldgefühle

Die Mitglieder des palliativmedizinischen Teams sollten sich bewusst sein, dass Schuldgefühle und das Burnout-Syndrom häufig in engem Zusammenhang stehen. Daher ist es ratsam, aktiv nach Belastungen zu suchen, welche die Entstehung eines Burnout-Syndroms und die Entwicklung von Schuldgefühlen begünstigen. Wenn möglich, sollten diese Belastungen beseitigen oder zumindest abgemildert werden. Entsprechende Belastungen sind unter anderem:

  • überhöhte Rollenanforderungen (beispielsweise die Vorstellung, dass Ärzte für jedes medizinische Problem eine Lösung haben müssen oder dass Krankenschwestern und Krankenpfleger für jedes Anliegen ihrer Patienten Verständnis aufbringen müssen)
  • Arbeitsüberlastung (unter anderem durch zu lange Arbeitszeiten, zu kurze Pausen und zu geringe Personalausstattung einer Abteilung)
  • Rollenkonflikte (zum Beispiel Unvereinbarkeit der Aufgabe als Arzt, das Leben eines Patienten zu erhalten, mit dem Empfinden als Mensch, mit dem Erhalt des Lebens das Leiden des Patienten und seiner Angehörigen zu verlängern)
  • Konflikte innerhalb des palliativmedizinischen Teams

 

Hilfe beanspruchen

Gelingt es nicht, entsprechende Belastungen innerhalb des palliativmedizinischen Teams aus eigener Kraft zu beseitigen oder zumindest abzumildern, ist auch die Inanspruchnahme professioneller Hilfe in Erwägung zu ziehen. Dies kann die Teilnahme an Balint-Gruppen oder die Hinzuziehung eines Psychologen sein.

 

Der Tod ist kein Behandlungsfehler

Eine große Hilfe besteht auch darin, sich zu vergegenwärtigen, dass Sterben und Tod unausweichlich zum Leben gehören. Jeder Mensch muss sterben - auch die Patienten, die das jeweilige palliativmedizinische Team betreut. Auf diese Weise lässt sich verdeutlichen, dass der Tod eines Patienten trotz optimaler Betreuung unausweichlich war und der Tod selbst nicht als Behandlungsfehler aufzufassen ist.

 

Wissen allein ist nicht entscheidend

Der Wert der eigenen beruflichen Tätigkeit in einem palliativmedizinischen Team sollte nicht nur an den konkreten beruflichen Kenntnissen und Fähigkeiten bemessen werden. Nicht nur Wissen ist entscheidend. Es ist auch wichtig, den Wert für das eigenen Leben und für das Leben der Patienten sowie deren Familien zu sehen und anzuerkennen. Auf diese Weise wird deutlich, dass der Patient zwar verstorben ist, dass er dabei jedoch nicht leiden musste, dass das Sterben in Würde und Frieden stattfand und dass sich Patient und Familie angemessen voneinander verabschieden konnten. Wird die Bedeutung der eigenen Arbeit auf diese Weise verdeutlicht, steigt in der Regel auch der Wert, der der eigenen Arbeit zugemessen wird. Dadurch nimmt die eigene Zufriedenheit mit der Tätigkeit in der Palliativmedizin deutlich zu.

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