Qualitätssicherung im Rettungswesen
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Wer kann Qualität bezahlen?
Qualitätsmanagement-Systeme können ohne wenn und aber
hilfreich sein, die Leistungsfähigkeit des Rettungsdienstes zu erhöhen, wenn die
Störpotentiale auf dem Weg zu einem Mehr an Qualität bereits in der Planungsphase
richtig bewertet wurden und ein solches System sich korrekt in einem Betrieb installiert.
Eine Gewähr für mehr Qualität im globalen Sinne und in Hinblick auf die
Versorgungsleistung des Patienten im Rettungsdienst ist die optimierte Prozesslenkung
freilich nicht.
Ein solide kalkulierter Rettungsdienst, bei dem die
Mitarbeiter einen hohen Fortbildungsstand haben und auf geeignetes Material zurückgreifen
können, bei dem die Personaldecke eine "sozialverträgliche" Stärke aufweist
und möglicherweise dank ISO-Qualität ein gut organisiertes Arbeitsumfeld existiert,
stellt im Gesamtkontext der medizinischen Versorgung einen wirtschaftlichen Gewinn dar.
Durch eine perfekt ablaufende notfallmedizinische
Versorgung können in allen Akutfällen die Klinikverweildauern gesenkt werden, weil das
ärztliche Rettungsdienstpersonal die richtigen Behandlungsstrategien noch am Notfallort
einleitet und das nichtärztliche Personal, selbst ohne Arzt, genügend Kompetenz besitzt,
einen verlässlichen Erkrankungsverdacht zu formulieren und in ein für dieses
Krankheitsbild besonders geeignetes Krankenhaus zu transportieren.
Das perfekte Ineinandergreifen des präklinischen und
klinischen Versorgungssystems setzt ein hohes Maß an Eigenmotivation von allen
beteiligten Mitarbeitern voraus. Nur wo könnte der Kostenträger, oder die ausschreibende
Stelle, Hinweise auf diese Art von Qualität erhalten?
Verschiedene mögliche Ansatzpunkte würde ich erkennen:
- Es ist der Qualität der präklinischen Versorgung wenig
dienlich, wenn die Leistungserbringung im Rettungsdienst bei jedem Ausschreibungszyklus
wechselt.
- Die Fluktuation von Mitarbeitern bei den einzelnen
Leistungserbringern gibt durchaus einen Einblick in die Betriebskultur.
- Das vollkommene Fehlen jeder Personalfluktuation über
breite Beobachtungszeiträume kann ein Hinweis auf einen völligen inneren
Erstarrungszustand sein. Haben die Mitarbeiter Raum für eine berufliche Fortentwicklung?
- Diese Frage mündet in die Alters- und Sozialstruktur der
Mitarbeiter. Bei stetiger Fluktuation trifft man auf besonders junge Teams, die zwar
wunderbar wenig Personalkosten erzeugen, aber mit nur wenig Einsatzerfahrung aufwarten
können.
- Ohne Fluktuation ist das Personal möglicherweise recht
alt. Es erzeugt hohe Personalkostenansätze. Die dort anzutreffende Erfahrung läßt sich
ohne die frischen Ideen von jungen und sehr motivierten Mitarbeitern nicht mehr nutzen.
- Dienststellen mit einer gesunden Personalfluktuation weisen
meist eine günstige Mischung von Motivation und Erfahrung auf. Sie liegen über längere
Beobachtungszeiträume immer im gleichen Personalkostenrahmen.
Nein, eine pauschale Aussage, daß die Leistungserbringer
mit mittelteuren Angeboten stets die goldene Mitte darstellen, bietet sich leider nicht
an.
Es würde sich jedoch lohnen, derartige Aspekte in einem
Wertungspunkteschema mit kalkulatorischen Auf- oder Abschlägen auf die Angebotssumme zu
versehen, um dem Qualitätsgedanken etwas näher zu kommen.
Immerhin gibt es in einigen Rettungsdienstgesetzen einen
Schutz für gewachsene Strukturen im Rettungsdienst. Sofern man soetwas nicht als
Narrenfreiheit für den etablierten Anbieter, bzw. Geheimsperre für die Konkurrenz
betrachtet, ist ein solches Element, wie man es im Rettungsdienstgesetz des Landes
Niedersachsen zum Beispiel antrifft, keine abwegige Idee.
M. Gongolsky
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