Qualitätssicherung im Rettungswesen
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Einleitung: Qualität im Rettungsdienst, was könnte das
sein?
Erläuterungen
zu Begriffen des Qualitätsmanagements finden Sie hier!
In einem so elementaren Bereich des Gesundheitswesens ist
Qualität eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit. Ein flächendeckendes Netz von
Fahrzeugen und Personal, was zu jeder Zeit und bei fast jeder Witterung innerhalb
kürzester Zeit an jedem Einsatzort eintreffen kann. Ein einheitlicher Standard bei der
Ausbildung des eingesetzten Personals und bei der technischen Ausrüstung der Fahrzeuge
ergibt ein gut funktionierendes Glied innerhalb der Rettungskette. Kein Zweifel, die
gesetzlichen Rahmenbedingungen für das deutsche Rettungswesen ermöglichen die Entstehung
einer hohen Versorgungsqualität. Die globale Perspektive gibt keinen Anlaß zur Kritik.
Doch ist der Qualitätsbegriff im Rettungsdienst nicht
allgemeingültig definiert. Es ist ein Unterschied, ob ein Rettungsdienstmitarbeiter, ein
Patient, eine Klinik oder der Geschäftsführer einer ausführenden Organisation, bzw.
einer ausführenden Firma über Qualität im Rettungsdienst spricht. Jeder setzt aus
seiner Perspektive eine andere Erwartung an den Rettungsdienst. Und so sprechen diese
verschiedenen mit dem Rettungsdienst freiwillig oder auch unfreiwillig in Kontakt
stehenden Personengruppen, dank öffentlicher Ausschreibungen, der Kostendiskussion im
Gesundheitswesen und dem Schlagwort Qualitätsmanagement munter über die Qualität im
Rettungsdienst. Mißverständnisse sind vorprogrammiert, denn sogar das Lexikon läßt bei
dem, was unter dem Begriff Qualität zu verstehen ist, Raum für Interpretationen. So wird
Qualität meist als Beschaffenheit und Güte
einer Wertstufe im Verhältnis zu einer weiteren Bezugsgröße, zum Beispiel der
Quantität beschrieben.
Nach einheitlichen Standards in der Fahrzeugausrüstung,
dem festgeschriebenen Qualifikationsprofil für das eingesetzte Personal, kommt nun
natürlich der Wunsch auf, die daraus erwachsende Qualität zu belegen.
Klar ist, daß all diese Regularien, so wertvoll sie für
die Funktion des Rettungsdienstes ansich sein mögen, kein Garant für eine hohe
Versorgungsleistung am Notfallort darstellen können.
Neben den festgelegten Arbeitsrahmenbedingungen, die der
Gesetzgeber definiert, sind die ausführenden Organisationen und Unternehmen gefordert,
ihren eigenen Qualitätsanspruch zu definieren und umzusetzen.
Kostenträger und Rettungsdienstbetreiber halten sich
gerne an betriebswirtschaftlichen Kennzahlen fest und verlangen nach quantifizierbaren
Leistungskriterien. Was für Maßzahlen könnten das sein? Das Verhältnis von
Alarmierungen zu Patiententransporten kommt nicht in Betracht und käme einem Kopfgeld auf
Patienten gleich. Anteil erfolgreicher Reanimationen vielleicht? Durchschnittliche
Überlebensdauer der Patienten nach ihrem ersten Transport mit dem Rettungsdienst? Sie
möchten diese Fragen für blanken Zynismus halten, doch solche abstrusen Überlegungen
gibt es in etlichen Dienststellen landauf und landab durchaus.
Orientierungslosigkeit führt ganz automatisch in die
Statistik. Sie ist wie eine Laterne im Hafen: Sie gibt dem trunkenen Seemann eher Halt,
denn Erleuchtung.
Wenn man also über geeignete Maßgrößen für Qualität
im Rettungsdienst nachdenkt, sollte man den Begriff nicht mit quantitativen Regelventilen
ersticken, sondern den Mut haben eine freiere Definition zu wählen und sich unter
Umständen darauf beschränken, weitere organisatorische oder sogar ideelle
Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Weg zu einem Mehr an Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit ebnen.
Dabei sollte auch einem Betriebswirt einleuchten, daß
Qualität im Rettungsdienst auch an ganz subjektiven, zwischenmenschlichen
Gefühlsregungen festgemacht werden kann. Mitarbeiter des Rettungsdienstes treffen ihre
"Kunden" und deren Angehörige in
einer menschlichen Ausnahmesituation vor. Die Qualität rettungsdienstlicher Versorgung
nimmt der Patient dadurch wahr, daß er binnen Minuten sein Vertrauen in die Mitarbeiter
setzt und die Mitarbeiter wiederum verstehen, wie man Patient und Angehörige in dieser
Situation anspricht. Fähigkeiten, die in keinem gesetzlichen Anforderungsprofil
auftauchen.
Das Krankenhaus bewertet ebenfalls das Auftreten des
Rettungsdienstpersonals. Zwar hat diese Wertung keine grundsätzliche Priorität in der
Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus und Rettungsdienst, doch ist der erste Kontakt
maßgeblich für die Bewertung der Versorgungsleistung in positiver, wie in negativer
Richtung.
Objektiver geht es zu, wenn der Rettungsdienst das
Krankenhaus im Rahmen einer Verlegung als Kunden
zu behandeln hat. Hier steht die schnelle Antwort auf die Einsatzanforderung und das
routinierte, fachkompetente Handling des Transports weit im Vordergrund.
Der Rettungsdienstmitarbeiter meint mit Qualität im
Rettungsdienst grundsätzlich sein gesamtes Arbeitsumfeld, das innerbetriebliche
Arbeitsklima in allen Ebenen, seine Wache, seine Ausstattung mit Arbeitsmaterialien und
die Frage nach einer sozialverträglichen Dienstplangestaltung.
So tun die Verantwortlichen für den Rettungsdienst, -also
Geschäftsführer und Rettungsdienstleiter, gut daran, die Weite des Qualitätsbegriffs zu
berücksichtigen, gleichwenn man nicht auf alle Faktoren unmittelbaren Einfluß nehmen
kann.
Qualität im Rettungsdienst ist allenfalls das Ergebnis
aus einer Summe begünstigender Faktoren, die ihren Einfluß auf die erzielbare
Arbeitsleistung haben. Erläuterungen zu
Begriffen des Qualitätsmanagements finden Sie hier!
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