Kinder

Kinder
Bücher zum Thema aussuchen Bücherliste: Kinder

Allgemeine Entwicklung
Entwicklungsprobleme
Schmerzen bei Kindern
Angeborene Herzfehler:Septumdefekte

Angeborene Störungen:
Rachitis
Spina bifida - "Offener Rücken"
Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Asthma
Bauchschmerzen
Durchfall
Erbrechen

Fieber
Hautausschlag
Neurodermitis
Husten
Typische Kinderkrankheiten

Aktivitäts- und Aufmerksamkeitstörungen (ADS, ADHS, HKS)

ADS/ADHS/HKS
im Internet

 
Kurzinfo: Aktivitäts- und Aufmerksamkeitstörungen
Ursachen Stoffwechselstörung, die die Reizübermittlung im Frontalhirnbereich beeinträchtigt.
Symptome Aufmerksamkeitsschwäche, Impulsivität, oft auch Hyperaktivität, Hypersensibilität und seelische Unreife bei altersgemäßer intellektueller und körperlicher Entwicklung.
Therapie Psychotherapie sowie konsequente Zusammenarbeit des Umfeldes (Eltern, Lehrer, Erzieher usw.) Medikamentöser Behandlung durch Methylphenidat, evtl. Pemolin oder D-L-Amphetamin). Medikamente machen oft erst die übrigen therapeutischen Maßnahmen wirksam. Genutzt werden oft auch Musiktherapie, Ergotherapie sowie Bewegungstherapie.
Krankheitsbilder Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS), Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung, Hyperkinetisches Syndrom, sonstige Hyperkinetische Störungen
Inhaltsübersicht:
Geschichtliche Erklärungsansätze
Ursachen
Symptome

Diagnose
Therapie
Selbsthilfe/Bücher
Top
Geschichtliche Erklärungsansätze
Den "Zappelphilipp" ist keine Folge der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse. "Zappelphilipp", Hans-Guck-in die Luft", der "wilde Friederich" - ein Blick in die Literatur macht es deutlich: Das unruhige, unaufmerksame Kind ist keine Erscheinung unserer Zeit.

In einer Arbeit von 1875 wurden bereits die Symptome hyperkinetischer Kinder beschrieben (Hermann Laehr, Psychiater: "Über den Einfluss der Schule auf Verhinderung von Geistesstörungen"). Aus dieser Zeit stammt auch eine Arbeit des Psychiaters Arnold Eck: "Über einige bedeutsame Psychoneurosen des Kindesalters". Bereits hier wird die ungünstige Prognose bei fehlender Therapie beschrieben. Worin die Behandlung jedoch bestehen soll, verschweigt Eck. Die Ursachen konnten beide Psychiater nicht ergründen.

 

Die Hypothesen Hirnschädigung, Allergie gegen Nahrungsmittel, oder elterliches Fehlverhalten als Ursache haben sich als falsch erwiesen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vermutete man eine generelle Hirnschädigung als Ursache. Diese Annahme wurde in den 50er und 60er Jahren verworfen zugunsten der Annahme einer minimalen cerebralen Dysfunktion. Es folgten in den 80er und 90er Jahren mehrere Theorien. Eine solche Theorie hielt Nahrungsmittelallergien für die Ursache, eine weitere den verminderten Bewegungs- und Wohnraum der Kinder. Außerdem wurden Fehlverhalten der Eltern oder auch der Einfluss von störenden Ereignissen wie Trennung der Eltern und ähnliches als Ursachen vermutet. Die auf diesen Annahmen begründeten Therapieansätze bewirkten jedoch keinen wesentlichen Durchbruch. Teilweise erbrachten auch wissenschaftliche Überprüfungen der Hypothesen widersprüchliche Ergebnisse (Feingold u.a.1975, Egger u.a. 1985 usw.). Trotzdem trifft man noch häufig auf diese Meinungen.

 

Top
Ursachen
Weder das Kind, noch die Eltern sind Schuld an der Erkrankung. Eine klare Ursache des ADHS konnte bislang trotz zahlreicher überprüfter Hypothesen nicht eindeutig ermittelt werden. Sicher ist, dass elterliches Fehlverhalten kein ADHS verursachen kann. Diese Tatsache ist sehr wichtig, weil sie den Betroffenen eine große Last von den Schultern nimmt. Das Stigma "Wir sind schlechte Eltern" ist nicht gerechtfertigt.

 

Vergiftungen sind selten beteiligt. Nur in Einzelfällen kann wird davon ausgegangen, dass Bleivergiftungen, Alkoholvergiftungen während der Schwangerschaft und Nahrungsmittelallergien die Entstehung der Erkrankung fördern können.

 

Genetische Dispositionen sind wahrscheinlich. Wissenschaftlich konnte nachgewiesen werden, dass das Krankheitsbild genetische, neurochemische, neurophysiologische und neuroanatomische Besonderheiten aufweist. Die genetischen Anteile spiegeln sich in der Verteilung der Betroffenen auf Jungen und Mädchen. Jungen machen den größten Anteil der Betroffenen aus. Sie sind ungefähr 3 bis 8mal häufiger betroffen, als Mädchen. Insgesamt tritt das Krankheitsbild bei etwa 3 bis 4 Prozent aller Kinder auf, Jugendliche sind etwa zu 2 Prozent betroffen.

 

Ursächlich scheint eine Störung im Gleichgewicht der Neurotransmitter zu sein. Biologisch handelt es sich - nach heutiger Ansicht der meisten Forscher - um eine Art Stoffwechselstörung. Die für die Reizweiterleitung benötigten verschiedenen Neurotransmitter (Dopamin, Serotonin, Noradrenalin) werden vermutlich nicht in ausgewogener Menge vom Körper produziert. Diese Neurotransmitter sind erforderlich für die Regulierung der Stimmungslage sowie der Lern- und Gedächtnisfunktionen. Bei fehlendem Gleichgewicht der produzierten Neurotransmitter wird die Reizweiterleitung  und damit auch die Regulierung der genannten Funktionen gestört.

 

Die Wirkung von Medikamenten unterstützt die Erkenntnisse. Diese Meinung stützt sich auf Erkenntnisse und Studien, die durch die Medikamentenwirkungen erst möglich wurden (z.B. Wirth und Trott 1993, Braun u.a. 1994). Hierzu wurde u.a. mit Stimulantien die Produktion der verschiedenen Neurotransmitter angeregt. Sedierenden (beruhigende) Medikamenten  verstärken die Störung. Als wirksame Therapiemaßnahme wurde die Blockade eines Enzyms (Monoaminooxidase) belegt. Dieses Enzym bewirkt den Abbau der entscheidenden Neurotransmitter Dopamin, Serotonin und Noradrenalin. Durch die Blockade wird der Abbau gehemmt und es stehen wieder mehr Neurotransmitter zur Verfügung.

 

Top
Symptome
Jedes Kind hat sein eigenes Profil. Je nach genauer Art der Störung können eine Vielzahl von Symptomen auftreten. Jedes Kind hat sein eigenes Profil. Daher können sich die Symptome der Kinder stark unterscheiden. Ein Kind mit ADS kann durchaus sehr ruhig sein, während ein Kind mit einer ausgeprägten hyperkinetischen Störung häufig unerträglich unruhig ist. Eines ist allen Betroffenen und ihrem Umfeld gemeinsam. Sie leiden unter der Situation, die bis zur Isolation von sozialen Kontakten führen kann.

 

Beispiele für die möglichen Symptome:
  • Gefühlsreationen sind heftig und unerwartet
  • leichte Erregbarkeit
  • leicht ablenkbar
  • sprunghaftig
  • ungeschickt bis tölpelhaft
  • Regeln werden nicht beachtet
  • Vergesslichkeit
  • Lernschwierigkeiten
  • redet überall dazwischen, kann nicht warten
  • handelt impulsiv ohne Nachdenken
  • Bewegungen wirken eckig
  • redet viel und antwortet auf Fragen, bevor diese beendet sind
  • macht viel Lärm, auch beim Sprechen
  • erledigt Aufgaben nicht vollständig oder nicht richtig
  • trotz überdurchschnittlicher Intelligenz (häufig!) schlechte Schulleistungen
  • übersteigerter Gerechtigkeitssinn
  • niedrige Frustrationsschwelle

 

Top
Diagnose
Anamnese, körperliche Grundlage einer jeden Diagnose ist eine  gründliche Aufnahme der Krankengeschichte. Die Anamnese sollte den Beginn, die Situationsabhängigkeit der Symptome und die Dauerhaftigkeit der Symptome feststellen.

 

Conners-Skala: Fragebogen zur Symptomerfassung. Ein hilfreiches Instrument zur Diagnosestellung sind dabei standardisierte Symptomskalen, wie die Conners-Skala. Diese Fragebögen werden von Eltern, Lehrer und Erziehern unabhängig ausgefüllt und geben so ein unbeeinflusstes Bild der Symptomatik wieder. Eine Punktewert von 15 und höher in der Conners-Skala unterstützt die Diagnose. Die Conners-Skala finden Sie hier.

 

Körperliche, psychiatrisch- neurologische und psychologische Untersuchung. Unerläßlich eine eine körperliche, eine psychiatrisch-neurologische und eine psychologische Untersuchung. Dabei müssen verschiedene andere Krankheitsbilder ausgeschlossen werden, die ebenfalls Ursache der Symptome sein könnten, z.B. Hör- oder Sehstörungen. Im Rahmen der Diagnose werden üblicherweise auch neuropsychologische Untersuchungen zur Lernfähigkeit und intellektuellen Leistungsfähigkeit sowie zu Teilleistungsstörungen durchgeführt. Außerdem ist eine sehr gründliche Diagnose durch einen ADS-Spezialisten (meist speziell ausgebildete Kinderpsychotherapeuten) erforderlich.

 

ICD-10 als Grundlage. Grundlage für diese Diagnose ist in Deutschland die ICD-10 (International Classification of Diseases). Die ICD-10 ist ein von der WHO 1990 herausgegebenes Schema, das auch die Basis für die Abrechung der Krankenversicherungen in Deutschland bildet. Anhand von Checklisten werden verschiedene Krankheitsbilder unterschieden. Eine Beschreibung des ICD-10 finden Sie hier.

 

Top
Therapie

Ohne fachgerechte Therapie kann das Problem ein Leben lang anhalten. Ohne Therapie geht es nicht. Die Erkrankung ist in keinem Fall harmlos und sie verschwindet auch nicht einfach so. Das zeigen Untersuchungen über die Entwicklung von Patienten mit und ohne Behandlung. Risiken, die bis in das Erwachsenenalter reichen und erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben sind u.a.:
  • chronische Konflikte
  • schulische Probleme
  • erhöhte Gefahr zur Kriminalität, besonders Kleinkriminalität
  • erhöhte Suchtgefährdung
  • Verursachung von Verkehrsunfällen

Die Annahme, dass Hyperaktivität sich in der Pubertät "schon gibt", ist zwar bezüglich der motorischen Unruhe oft richtig. Das bedeutet jedoch nicht das Ende der Störung. Depressionen, leichte Beeinflussbarkeit, risikoreiches Verhalten und eine gestörte Selbstorganisation sind nur Beispiele für Symptome, die auch im Erwachsenenalter noch erkennbar sein können.

 

Zusammen wirken die 4 Grundpfeiler der Therapie erfolgreich. Die Behandlung besteht bei einer hyperkinetischen Störungen immer aus mehreren Faktoren. Grundpfeiler sind:
  • Beratung des Kindes
  • Beratung und Unterstützung der Bezugspersonen in der Familie und außerhalb
  • Psychotherapie und spezielle Pädagogik
  • Pharmakotherapie

Diese vier Säulen sollten möglichst konsequent zusammenwirken. Welche Maßnahmen im Einzelfall eingesetzt werden, kann nur in Absprache mit dem Therapeuten und/oder Kinderarzt entschieden werden. In jedem Fall ist es wichtig, dem Kind und auch seinen Eltern klarzumachen, dass keiner "schuld" an dem Problem ist. 

 

Medikamentöse Behandlung ermöglicht oft erst die Therapie. Es gibt bis heute leider kein Medikament, das Heilung versprechen kann. Trotzdem ist die medikamentöse Therapie in vielen Fällen erforderlich. Man verwendet Stimulantien, da diese Kinder aufgrund fehlender Aufmerksamkeit und Konzentration unruhig sind. Daher werden behandelte Kinder ruhiger, aufmerksamer und haben so mehr Kontrolle über ihr Verhalten.  Beruhigungsmittel hätten den gegenteiligen Effekt, das Verhalten würde sich verschlechtern. Die Medikamenteneinnahme schafft zumeist innerhalb von ca. ein bis drei Wochen bereits eine völlig neue Situation, die von allen Beteiligten als Erleichterung empfunden wird. Das schafft die Grundlage für die weiteren Behandlungsmaßnahmen.

 

Eine Suchtgefahr gibt es nicht. Die Behandlung mit Stimulantien (vorwiegend Methylphenidat, gelegentlich auch Pemolin oder D-L-Amphetamin) gilt in Deutschland immer noch als umstritten. In den USA wird diese Therapie seit Jahren in großem Umfang erfolgreich angewandt. Da die vorwiegend verwandten Medikamente unter die Betäubungsmittelverordnung fallen, befürchten viele Eltern eine Suchtgefahr. Diese Gefahr ist jedoch nach heutiger Meinung nicht gegeben. Einfach gesagt ersetzt man hier etwas Fehlendes. Daher entsteht keine Hochstimmung, die zu einer Sucht führen könnte. Ein weiteres Argument ist das vollständige Fehlen von Fällen, in denen ein hyperkinetisches Kind nach der Behandlung mit Stimulantien süchtig danach geworden wäre. Trotz der ca. 60 Jahre, in denen solche Therapien stattfinden, ist nicht ein einziger solcher Fall bekannt. Häufig findet man in der Literatur das Beispiel des Diabetikers, dem man ja auch nicht das Insulin verweigert.

 

Begleitende Psychotherapie ist unerlässlich. Hier ist im Einzelfall über die nötigen Maßnahmen zu entscheiden. Wichtig sind in jedem Fall die Elternberatung, die Lehrer- oder Erzieherberatung und die Herstellung der Zusammenarbeit aller Betroffenen. Außerdem kommen Einzel- oder Gruppentherapie in Frage. Häufig beginnt man in Einzeltherapie und geht dann - sobald als möglich - zur Gruppentherapie über. Weitere Maßnahmen wie Entspannungs-, Bewegungs-, Musik- und Ergotherapie zur Behandlung sekundärer Symptome sollten mit allen Betroffenen abgestimmt werden. Auch eine klare Tagesstrukturierung muss alle Beteiligten einbeziehen.

 

Nur wenn alle helfen, geht es voran. Ein "normales" Kind bewegt sich vorwiegend in zwei Umfeldern - zuhause und in der Schule bzw. dem Kindergarten. Daher leiden meist Eltern und Lehrer oder Erzieher ebensosehr wie das betroffene Kind unter der Situation. Aufgrund der ständigen Probleme besteht dann oft auch ein schlechtes Verhältnis zwischen Eltern und Lehrkraft oder Kindergartenpersonal. Der Kontakt zwischen allen Betroffenen muss hier verbessert bzw. sogar erst wieder hergestellt werden. Alle müssen an der Behandlung mitwirken, um eine möglichst schnelle Besserung zu erreichen. Häufig wird das durch die medikamentöse Behandlung wesentlich erleichtert, da schnell eine Besserung der Gesamtsituation eintritt. Ständiger Kontakt und gegenseitige Rückmeldungen von Veränderungen erleichtern die Behandlung und ermöglichen die konsequente und konsistente Therapie.

 

Top
Selbsthilfe
Der Kinderarzt als Ansprechpartner. Wenn der Verdacht auf eine Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung entsteht, ist der Kinderarzt der richtige Ansprechpartner. Er wird die körperlichen Untersuchungen einleiten und kann eventuell auch einen ADS-Spezialisten empfehlen.

 

Wer stellt die Diagnose? Für die Diagnose benötigen Sie meist einen Kinderpsychotherapeuten mit spezieller Schulung. Die Suche ist teilweise schwierig, wenn man nicht gerade in einer Großstadt lebt. Termine liegen dann oft in weiter Zukunft. Bei der Suche helfen können Elterninitiativen, z.B. unter http://www.ads-hyperaktivitaet.de

 

Wo gibt es sonst Hilfe?

 

Hilfreich sind Elterninitiativen und Bücher vor allem bei der so wichtigen Erkenntnis, nicht "schuld" zu sein an dem Problem. Hier findet man auch Kontakt zu anderen Betroffenen sowie Erfahrungsberichte von Eltern.

Bücher zum Thema aussuchenBücherliste: Hyperaktivität
Bücher zum Thema aussuchenBücherliste: Dyskalkulie
Bücher zum Thema aussuchenBücherliste: Sprachstörungen

Top

Zur Übersicht
Entwicklungsprobleme

 




MedizInfo®Homepage
zur Startseite

zur Übersicht
des Unterthemas
zur Übersicht
des Oberthemas