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Antihistaminika:

Antihistaminika sind Arzneimittel, die die Wirkung von Histamin aufheben. Sie besetzen die Rezeptoren, an die sich normalerweise das Histamin anlagert. Es existieren drei verschiedene Arten von Rezeptoren, die H1-, H2- und H3-Rezeptoren. Erst durch deren Besetzung wird eine Reaktion im Körper ausgelöst.

 

Histamin ist in bestimmten Abwehrzellen des Immunsystems gespeichert

Histamin ist ein Hormon, das in allen Geweben des menschlichen Körpers vorkommt. Deshalb wird es auch als Gewebshormon bezeichnet. Besonders hohe Konzentrationen finden sich in der Lunge, der Haut und im Magen-Darm-Trakt. Es wird in den Mastzellen und basophilen Leukozyten gespeichert. Mastzellen und Leukozyten sind Zellen des Immunsystems. Basophil bedeutet, dass diese Leukozyten bei mikroskopischen Untersuchungen mit basischen Farbstoffen anfärbbar sind und so von anderen unterschieden werden können. Die in diesen Zellen gespeicherte Form des Histamins ist inaktiv.

Dringen nun Antigene, körperfremde Stoffe, in den Körper ein, heften diese sich an das auf der Oberfläche der Leukozyten befindliche Immunglobulin E. Daraufhin gehen die histaminspeichernden Leukozyten zugrunde und setzen gleichzeitig das Histamin frei. Auch bei Verletzungen, z.B. Verbrennungen, wird das Gewebshormon freigesetzt, um so eine schnelle Soforthilfe leisten zu können. Durch die nachfolgende Erweiterung der Blutgefäße und Erhöhung der Gefäßdurchlässigkeit können jetzt auf direktem Wege Antikörper an den Verletzungsort transportiert werden. Beispielsweise Thrombozyten, die für die Blutstillung zuständig sind. Abbauprodukte werden durch den histaminerzeugten erhöhten Lymphfluss schnell von der Verletzung abtransportiert.

 

Weiter Informationen dazu finden Sie bei MedizInfo®:Allergie

Neben den positiven Wirkungen, kann eine übermäßige Histaminausschüttung aber auch negative Auswirkungen haben, die sich vor allem in Form allergischer Erkrankungen deutlich machen. Ein Beispiel ist der Heuschnupfen. Bei Pollenflug reagieren Heuschnupfenallergiker mit einer übermäßigen Ausschüttung von Histamin: Die Nase läuft, die Augen röten sich. Auch Arzneimittel, z.B. Morphin, oder Plasmaersatzmittel und Nahrungsmittel können eine Überempfindlichkeitsreaktion auslösen. Eine wichtige Rolle spielt das Histamin auch bei allergischen Reaktionen vom Soforttyp, u. a. auch beim lebensbedrohenden anaphylaktischen Schock. Histamin selbst findet therapeutisch keine Anwendung. Früher wurde es zur Diagnose bei fehlender Salzsäureproduktion der Magenschleimhaut verwendet.

 

Je nach Rezeptorbelegung kommt es zu unterschiedlichen Reaktionen des Körpers.

Histamin hat im Körper verschiedene, wichtige Funktionen zu erfüllen. Je nachdem, welcher der Histaminrezeptoren belegt wird, kommt es zu unterschiedlichen Reaktionen des Körpers. Werden H1-Rezeptoren belegt, reagiert der Körper mit:
  • Weitstellung der kleineren Blutgefäße mit der Folge, dass der Blutdruck fällt
  • Erhöhung der Durchlässigkeit der Gefäßwände. Es kommt zu Hautrötung und Ödembildung
  • Verengung der Bronchien (Bronchokonstriktion) Gefahr für Asthmatiker
  • Steigerung der Darmbewegung führt zu steigender Durchfallneigung
  • Steigerung des Lymphflusses
  • Stimulation freier Nervenendigungen der Haut mit der Folge von Juckreiz

Werden die H2-Rezeptoren belegt, geschieht folgendes:

  • Verstärkung der Magenschleimhautsekretion und Übersäuerung des Magens
  • Erhöhung der Herzfrequenz
  • Erweiterung der Lungengefäße

Die Erregung der H3-Rezeptoren hemmt die Histaminfreisetzung.

 

Antihistaminika heben die natürliche Wirkung des Histamins auf. Es gibt 2 Arten von Antihistaminika, die H1-Antihistaminika und H2-Antihistaminika, die entsprechend am H1-Rezeptor bzw. am H2-Rezeptor anbinden. Durch hemmen sie die für diesen Rezeptor natürliche Reaktionskaskade (siehe oben).

 

H1-Antihistaminika:

H1-Antihistaminika werden bei allergischen Reaktionen eingesetzt, wie z.B. Urtikaria (Nesselsucht), Heuschnupfen, Arzneimittelallergien oder nach Insektenstichen. Sie bekämpfen den Juckreiz, wirken gefäßabdichtend und spasmolytisch (krampflösend). Die älteren Verbindungen dieser Arzneimittelklasse besetzen zusätzlich zentrale H1-Rezeptoren. Dadurch besitzen sie eine schlaffördernde und beruhigende (sedierende) Nebenwirkung, die man sich in einigen Schlafmitteln oder Reisetabletten gegen Übelkeit als Hauptwirkung zunutze macht, z.B. kommen dem Diphenhydramin oder Doxylamin hauptsächlich sedierende Effekte zu. Diese Art der älteren H1-Antihistaminika zählt man zur 1. Generation der Antihistaminika. Nur diese 1. Generation gelangt ins ZNS. Zu den fast gar nicht sedierenden H1-Antihistaminika, der sogenannten 2. Generation, gehören z.B. Cetirizin, Loratadin und Terfenadin. Bei gleichzeitiger Einnahme von zentraldämpfenden Arzneimitteln, Analgetika oder im Zusammenhang mit Alkohol sollte man keine H1-Antihistaminika der 1. Generation einnehmen. Es würde deren Wirkungen sonst verstärken.

 

H2-Antihistaminika:

H2-Antihistaminika, wie z.B. Cimetidin, Ranitidin oder Famotidin, blockieren die H2-Rezeptoren an den Belegzellen der Magenschleimhaut. Die Belegzellen sind für die Ausschüttung der Magensäure verantwortlich. Sie wirken hemmend auf die Magensäureproduktion und werden deswegen u.a. bei der Therapie von Magengeschwüren eingesetzt. Sie lindern schnell den Schmerz und beschleunigen die Abheilung von Geschwüren.

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