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Depression


Früherkennung und Tipps für Angehörige
Inhaltsübersicht:
Früherkennung
Fragen, die eine Depression erkennen helfen können
Verunsicherung und Rückfallgefahr
Falsche Ratschläge vermeiden
Tipps für Angehörige zu Hause

 

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Früherkennung
Nicht jede Verstimmung ist eine Depression Wirkt ein Mensch niedergeschlagen, mutlos, verzweifelt, ängstlich, ratlos, bricht er in Tränen aus und weiß sich nicht mehr zu helfen, dann ist eine Depression rasch erkennbar - so vermuten viele. Doch so kann auch eine verständliche Reaktion auf ein belastendes Ereignis aussehen, die gut auf Zuspruch und konkrete Hilfe reagiert und rasch wieder abklingt.

 

Äußerliche Veränderungen sind ernst zu nehmende Warnzeichen Etwas anderes ist es, wenn der Betreffende plötzlich äußerlich verändert, hinfällig, fast vorgealtert wirkt: Gebeugte Haltung, schwerer Gang, erstarrte Gesichtszüge, matte oder fahrige Gesten, blasse, schlaffe oder welke Haut, müder Gesichtsausdruck, verschleierter Blick, sprödes und glanzloses Haar, leise und monotone Stimme usw. Hier muss sich offenbar im Organismus etwas verändert haben. Reine Verzweiflung auf einem Schicksalsschlag hin ist selten mit einer solch tiefgreifenden Veränderung verbunden. Aber niemand weiß so recht, was er davon halten soll. Und das Schlimmste: Der Betroffene weiß es selber nicht. Alles ist so vage, diffus, schwer fassbar und deshalb kaum erklärbar, sieht aus wie "Stress" oder "Erschöpfung", und ist es doch nicht. Andererseits kann es so auch nicht mehr weitergehen: Die Qual wächst ständig und die Folgen sind nicht mehr zu verheimlichen.

 

Tränen sind selten bei schweren Depressionen Dazu kommt eine Besonderheit, die für viele erst einmal unverständlich ist: Tränen sind bei schweren depressiven Zuständen, insbesondere bei der endogenen Depression zu Beginn selten. Die Möglichkeit zum entlastenden Weinen stellt sich häufig erst während der Behandlung ein. Dann sind Tränen sogar ein günstiges Zeichen, auch wenn es die unaufgeklärten Angehörigen zuerst als Verschlechterung missdeuten.

 

Körperliche Beschwerden stehen oft im Vordergrund Bis dahin aber kann noch lange Ratlosigkeit und Verwirrung herrschen - auf allen Seiten. Auch der Arzt muss erst einmal prüfen, ob hinter diesem unklaren Beschwerdebild nicht eine körperliche Krankheit steckt. Denn viele Depressive wirken auf den ersten Blick gar nicht bedrückt, niedergeschlagen oder gar schwermütig. Sie klagen eher über Schlafstörungen, Mattigkeit oder Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust, uncharakteristischen Kopfdruck, muskuläre Verspannungen im Kopf- und Nackenbereich, bis in Schultern und Arme ausstrahlend, über Rücken-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Kloßgefühl im Hals, unklare Herzbeschwerden, Atemenge, Schwindel, Augenflimmern, weiche Knie, Übelkeit, Stuhlverstopfung, Magendruck und vielfältige Missempfindungen, die für sich genommen "einfach nirgends hinpassen"; ferner über Mundtrockenheit, Hitzewallungen/Kälteschauer, Nachlassen von sexuellem Verlangen und Potenz usw.

 

Seelische Erkrankungen werden oft langsam erkannt Erst nach und nach kommen auch deutlichere Verdachtsmomente auf: Eine tiefsitzende, alles verdunkelnde Freudlosigkeit sowie ein bisher unbekanntes allgemeines Elendigkeitsgefühl. Ferner mangelnder Antrieb, rasche Erschöpfbarkeit, dabei innere Unruhe, Mutlosigkeit, Pessimismus, schließlich Angstzustände ohne Grund, Überempfindlichkeit, Grübelneigung, Unschlüssigkeit sowie eine eigenartige generelle und zugleich grundlose "Herabgestimmtheit", besonders am frühen Morgen nach dem Erwachen ("Morgengrauen" mit Panik vor dem beginnenden Tag, endlosem Gedankenkreisen und einem "Berg auf der Brust").

 

Patienten und Angehörige können bei der Diagnose helfen Jetzt stellt der Arzt vielleicht schon die konkreten Fragen, die eine Depression erkennen helfen. Es kann aber nicht schaden, wenn sich Patient und Angehörige darüber bereits zuvor Gedanken machen.

 

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Fragen, die eine Depression erkennen helfen können
Freude
  • Können Sie sich noch freuen?
Elend
  • Fühlen Sie sich elend, zerschlagen, wie schwer erkrankt - jedoch ohne entsprechenden Grund?
Entscheidungen
  • Fällt es Ihnen in letzter Zeit schwer, Entscheidungen zu treffen?
Interesselosigkeit
  • Haben Sie das Interesse an Dingen verloren, die Ihnen zuvor viel bedeuteten?
Grübeln
  • Neigen Sie in letzter Zeit vermehrt zum Grübeln?
Sinnlosigkeit
  • Haben Sie oft das Gefühl, Ihr Leben sei sinnlos geworden?
Müdigkeit
  • Fühlen Sie sich müde, schwunglos, kraftlos - und zwar ohne vorangegangene Anstrengung?
Schlechter Schlaf
  • Können Sie nicht mehr schlafen (erschwertes Einschlafen, zerhackter Schlaf, quälendes Früherwachen mit morgendlichem Stimmungstief?)
Schmerzen
  • Spüren Sie immer wieder anhaltende, schwer zu beschreibende Druckgefühle, Missempfindungen, Schmerzen, besonders im Kopf, in der Brust, im Rücken?
Appetitlosigkeit
  • Haben Sie keinen Appetit mehr, evtl. an Gewicht verloren?
Sexuelle Probleme
  • Haben Sie seit einiger Zeit Probleme in sexueller Hinsicht?

 

Trotzdem muss es keine Depression sein Natürlich sind das lange nicht alle Krankheitszeichen, die bei einer Depression möglich sind. Und selbst wenn man einzelne von ihnen zu bejahen vermag, muss nicht jedes Mal eine Depression dahinter stecken. Andererseits vermitteln diese einfachen Fragen doch einen gewissen Hinweis. Denn schließlich gilt es, durch rasches Erkennen und gezielte Behandlungsmaßnahmen das quälende Krankheitsbild so schnell wie möglich zu beheben.

 

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Verunsicherung und Rückfallgefahr
So unterschiedlich Depressionen sind, sie können völlig geheilt werden Depressionen, früher als Melancholie bezeichnet, sind so alt wie die Menschheit. Millionenfach haben sie Leid über die Betroffenen und ihre Angehörigen gebracht - in aller Welt, zu aller Zeit. Sie haben Opfer gekostet, sie haben die Kunst, die Wissenschaft, ja sogar die Politik bestimmt. Sie werden auch in Zukunft nicht zu verhindern sein. Doch es gibt einen wichtigen Aspekt: Depressionen treffen Männer wie Frauen, Junge und Alte, Arme wie Reiche. Sie sind einmal stärker und einmal milder ausgeprägt, sie dauern einmal länger und einmal kürzer, doch sie haben eines gemeinsam, und das sei immer wiederholt:

 

Depressionen gehen wieder vorbei - und es bleibt nichts zurück

 

Zurück bleibt gelegentlich eine leichte Angst vor einem Rückfall Gibt es davon keine Ausnahme? Doch, die gibt es: Das eine sind die zwar milderen, dafür aber lang anhaltenden oder gar Dauerverstimmungen. Zum anderen finden sich mitunter sogenannte chronische Depressionen, die den Betroffenen scheinbar nicht mehr aus dem Griff lassen. In Wirklichkeit sind dies nicht selten Situationen, in denen der Patient - bewusst oder unbewusst - das Leiden selber verlängert. Das kann verschiedene Gründe haben, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll (z. B. Partnerkonflikte). Doch auch bei jenen, die endlich von ihrer Qual befreit wurden (manchmal förmlich über Nacht), kann gelegentlich noch eine gewisse Verunsicherung, ja Furchtsamkeit registriert werden, die nicht zuletzt mit der Schwere des erlittenen Leids und der Angst vor einem Rückfall zusammenhängt. Und diese Rückfallgefahr kann und soll nicht abgeleugnet werden. Depressionen, insbesondere die endogenen Verlaufsformen, können wiederholt auftreten. Aber das haben sie mit vielen Krankheiten gemeinsam, von der alljährlichen Grippe bis zu schweren körperlichen Krankheitsbildern, von den chronischen ganz zu schweigen.

 

Rückfallgefahr lässt sich vorbeugend behandeln So wäre es unklug, den Depressiven bezüglich der Rückfallgefahr in trügerischer Sicherheit zu wiegen. Es gibt jedoch eine Hilfe, die noch unseren Großeltern nicht zur Verfügung stand: die sogenannte Rückfallprophylaxe durch medikamentöse Langzeitvorbeugung. Das heißt zwar Arzneimittel über Monate oder Jahre hinweg, dafür aber in einem hohen Prozentsatz Schutz vor erneuter Erkrankung. Und auch hier sei noch einmal darauf hingewiesen, dass sich ähnliches ja auch auf körperlichem Gebiet bewährt hat und dankbar angenommen wird (Zuckerkrankheit, Herzleiden, Epilepsie usw.).

 

Depressionen sind relativ sicher beherrschbar Die Depression ist also eine gefürchtete und zermürbende Krankheit, die bei gewissen Verlaufsformen (z. B. endogene Depression, manisch-depressive Erkrankung) erneut ausbrechen kann. Unter sofortiger Behandlung und später unter entsprechendem Langzeitschutz ist sie jedoch relativ sicher beherrschbar. Dies muss man Patienten und Angehörigen immer wieder vor Augen halten, denn der Depressive ist krankheitsbedingt hoffnungslos und die Verwandten beginnen vielleicht zu resignieren - und dies unnötigerweise, nur weil sie mangelhaft informiert sind.

 

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Falsche Ratschläge vermeiden
Depressionen sollten auch von Angehörigen und Freunden als eine schwerwiegende Erkrankung anerkannt werden Wenn eine Depression feststeht, dann gilt für Angehörige und Freunde, Arbeitskollegen und Vorgesetzte, Nachbarn u.a. erst einmal: falsche Ratschläge vermeiden. Denn dazu kommt es sehr schnell, weil man mit einer Depression noch keine Erfahrungen hatte und alles mit normalen Stimmungsschwankungen, gelegentlichen Erschöpfungsreaktionen nach Überforderung, einem nachvollziehbaren Leistungseinbruch oder "Durchhänger" gleichsetzt. Doch eine Depression ist eine Erkrankung, bei der andere Gesetze gelten. Auf was sollte man also achten?

 

Appelle: Es ist falsch, den Depressiven aufzufordern, sich zusammenzureißen. Solche Ermahnungen an einen hoffnungslosen, apathischen und willensgeschwächten Patienten pflegen seine Verzweiflung nur noch zu verstärken. Der Depressive ist nicht unwillig, er ist krankheitsbedingt unfähig. Das ist ein großer Unterschied.

 

Ablenkung: Es ist falsch, dem Depressiven Ablenkungs-, Vergnügungs- oder Zerstreuungsmöglichkeiten anzubieten oder zu empfehlen. Mit solchen Maßnahmen kann ein Mensch, der ja die Fähigkeit verloren hat, sich zu freuen, nichts anfangen. Im Gegenteil: Es wird ihn noch mehr deprimieren und obendrein in Schuldgefühle stürzen.

 

Überredung: Es ist falsch, dem Depressiven einreden zu wollen, es gehe ihm doch gut. Wenn es ihm gut ginge, wüsste er das selbst am besten. So aber muss er diese Äußerung nur als Verkennung seines Zustandes oder als Beweis des Misstrauens verstehen.

 

Urlaub: Es ist falsch, den Depressiven in Urlaub zu schicken. Er findet sich in seinem Zustand in fremder Umgebung noch weniger zurecht, als zu Hause. Seine Kontaktschwäche würde ihn nur isolieren. Seine Minderwertigkeitsgefühle könnten sich noch verstärken. Seine Teilnahmslosigkeit, sein Grübelzwang oder seine Ängste würden allen zur Last fallen. Aus den gleichen Gründen kann auch ein Kuraufenthalt während einer depressiven Phase nicht empfohlen werden. Zu einem späteren Zeitpunkt ist dagegen nichts einzuwenden.

 

Wahnideen: Es ist falsch, dem Depressiven evtl. seinen Krankheitswahn, seinen Verarmungswahn, seinen Versündigungswahn usw. ausreden zu wollen. Wahnideen sind mit logischen Argumenten nicht zu korrigieren. Solche fruchtlosen Diskussionen beweisen dem Depressiven nur, dass ihn niemand versteht. Denn er kann gar nicht anders, als seinen Wahnideen Glauben zu schenken; die wahnhafte Gewissheit, die trotz offensichtlicher Gegenbeweise nicht zu korrigieren ist, macht ja einen Teil des Krankhaften aus.

 

Entscheidungen: Es ist falsch, einen Depressiven wichtige Entscheidungen treffen zu lassen, besonders, wenn es sich um folgenschwere Entschlüsse handelt (Beruf, Verkauf usw.). Nachdem das Krankheitsbild abgeklungen ist, wird er wieder im Vollbesitz seiner Kräfte sein. Während der depressiven Episode aber wird er alles durch eine "schwarze Brille" sehen, so dass die dabei getroffenen Entscheidungen fast immer zu seinem Nachteil ausgehen. Später sieht wieder alles ganz anders aus und jeder fragt sich dann, wie konnte man nur eine solche Entscheidung zulassen.

 

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Tipps für Angehörige zu Hause
Angehörige haben es häufig sehr schwer Die Auseinandersetzung und Kommunikation mit Depressiven ist für Familienmitglieder und Freunde sehr schwierig. Häufig versuchen Angehörige, durch Kritik und Kontrolle den Kranken und die Krankheit zu beherrschen. Das ist eine Schutzreaktion, die aber dem Kranken nicht weiter hilft. Sie führt leider zu eine Blockade der Kommunikation und zu weiter wachsenden Spannungen. Besser ist es, wenn sie Mitgefühl zeigen. Das bedeutet: Auch Angehörige haben Gefühle im Hinblick auf den Depressiven, die geäußert werden sollten. Das Akzeptieren und das Äußern dieser Gefühle hilft, den Teufelskreis der depressiven Kommunikation zu sprengen. Erzählen Sie ihrem Partner, welche Gefühle und Gedanken Sie haben. Danach tauschen Sie dann die Rollen und er erzählt über seine Gefühle. Sie hören dann ohne Unterbrechung zu.

 

Wichtig ist: Damit die Depression geheilt wird, muss der Betroffene in ärztliche Behandlung Damit der Kranke aber wieder zur vollständigen Genesung kommt, sollte er unbedingt in ärztliche Behandlung. Das kann vor allem zu Beginn auf heftigen Widerstand stoßen. Depressive halten sich nicht für krank. Möglicherweise schämen sie sich auch, weil sie kein "ordentliches", d.h. für jedermann nachvollziehbares Leiden vorweisen zu können. Ausgerechnet im fortgeschrittenen Stadium ist dann die fehlende Krankheitseinsicht sogar noch typisch und wird durch unglaubliche Schuldgefühle erschwert. So behaupten manche Depressive, "schuldig und nicht krank zu sein", dafür "Strafe und keine Behandlung" zu verdienen. Deshalb dürfen sich die Angehörigen nicht entmutigen lassen, selbst wenn der Patient unnahbar, reizbar oder aggressiv wird. Das ist nicht persönlich gemeint. Die liebevolle Unterstützung und Mitgefühl hilft häufig, den Depressiven zu einer ärztlichen Behandlung zu bewegen.

 

Angehörige dürfen nicht hinter dem Rücken des Betroffenen handeln Wenn möglich und wenn der Betroffene dies nicht direkt ablehnt, ist es hilfreich, wenn Angehörige den Betroffen beim Arztbesuch begleiten. Häufig können Sie dem Arzt wertvolle Hinweise geben. Das darf aber niemals hinter dem Rücken des Depressiven und nicht ohne seinen Willen geschehen. Dann nämlich wäre das ein Vertrauensmissbrauch, der den Betroffenen entmündigt. So wird er nur in seinen Minderwertigkeitsempfindungen bestätigt.

Sehr hilfreich können Angehörige bei der Einhaltung von regelmäßigen Medikamenteneinnahmen bzw. sonstige Therapievorschläge sein. Die Betroffenen haben häufig ein aus dem Lot geratenes Zeitempfinden, so dass vorsichtige Unterstützung und Anregung den Heilungsprozess fördert. Dies betrifft allerdings eher die krankheitsbedingte Vergesslichkeit, Willensschwäche, Ratlosigkeit oder allgemeine Unfähigkeit zu konkreten Handlungen, weniger den guten Willen des Patienten, denn die meisten Depressiven zeichnen sich schließlich durch gute Mitarbeit aus, wenn sie ihre Krankheit erst einmal als solche angenommen haben.

 

3 Säulen der ärztlichen Behandlung: Die ärztliche Behandlung beruht auf 3 Säulen:
  • Psychotherapeutische Stützung (in enger Zusammenarbeit mit den Angehörigen),
  • Soziotherapeutische Korrekturen (Beruf, Ehe/Familie, sonstige, eine Depression auslösende oder unterhaltende Belastungsfaktoren usw.),
  • Medikamentöse Therapie.

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