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Hypothyreose
 

Schilddrüse
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Kurzinfo: Die Hypothyreose ist gekennzeichnet durch eine unzureichende Versorgung der Körperzellen mit Schilddrüsenhormonen.
Symptome Die Stärke hängt vom Schweregrad, der Dauer des Hormonmangels, vom Alter bei Krankheitsbeginn und von Begleiterkrankungen ab. Nicht jeder muß alle Symptome entwickeln. Leitsymptome sind: leichte Ermüdbarkeit, allgemeine Schwäche, ständiges Frieren, Kälteintoleranz, Unvermögen zu schwitzen, Desinteresse, Konzentrationsschwäche, Angina pectoris Beschwerden, Durchblutungsstörungen, Kopfschmerzen, Impotenz, Haarausfall, taube Fingerspitzen, rheumatische Beschwerden, Atembeschwerden. Im Vollbild verstärkte Symptomatik mit starken Organbeeinträchtigungen.
Therapie Levothyroxin einmal täglich morgens, nüchtern. Dosis individuell einschleichend.
Inhaltsübersicht:
Formen
Erworbene Hypothyreose
Symptome
Diagnostik
Therapie
Neugeborenen-Hypothyreose
Top
Formen
Regelkreis für die Schilddrüsenhormone T3 und T4. Die Hypothyreose ist gekennzeichnet durch eine unzureichende Versorgung der Körperzellen mit Schilddrüsenhormonen. Verantwortlich dafür ist häufig eine mangelhafte oder sogar fehlende Produktion der Schilddrüsenhormone. Dabei werden, je nach Fehlfunktion, folgende Formen der Hypothyreose unterschieden:
  • Primäre Hypothyreose bei fehlender oder mangelhafter Produktion von Schilddrüsenhormonen durch Fehlfunktion der Schilddrüse.
  • Sekundäre Hypothyreose bei fehlender thyreotroper Stimulation. Das bedeutet fehlende oder mangelhafte Produktion von Schilddrüsenhormonen durch fehlende Anregung durch die Hypophyse.
  • Tertiäre Hypothyreose bei Ausfall von TRH. Das bedeutet fehlende oder mangelhafte Produktion von Schilddrüsenhormonen durch fehlende Anregung durch den Hypothalamus.

 

Bei den Sonderformen ist besonders die Hypothyreose bei Neugeborenen von Bedeutung. Diese drei Formen werden zusammenfassend auch als erworbene Hypothyreosen bezeichnet. Außerdem gibt es noch besondere Verlaufsformen, bei der speziell die angeborene Hypothyreose, auch Neugeborenen-Hypothyreose genannt, von Bedeutung ist. Außerdem gibt es noch die Dyshormonogenesen, die sich durch Struma unterschiedlicher Größe auszeichnen, bei denen die Schilddrüsenunterfunktion ansonsten aber nicht so stark ausgeprägt ist, und die Altershypothyreose. Die Altershypothyreose wird häufig mit einem vorzeitigen Alterungsprozeß verwechselt, da die Symptome denen des Alterns ähnlich sind.

 

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Erworbene Hypothyreose
Frauen sind 5 mal häufiger betroffen, als Männer. Die erworbene Hypothyreose kommt häufiger vor als angenommen. Zwischen 0,25 und 1,1 Prozent der Gesamtbevölkerung sind davon betroffen. Das Krankheitsbild wird in vielen Fällen nicht erkannt. Besonders betroffen sind ältere Menschen. Bei den über 60jährigen liegt die Häufigkeit bei bis zu 2 Prozent. Frauen erkranken bis zu 5mal öfter an einer Hypothyreose als Männer. Nur bei der sekundären Hypothyreose besteht kein Geschlechtsunterschied.

 

Unterfunktion kann nach der Behandlung einer Überfunktion entstehen. Eine erworbene Hypothyreose kann sich nach einer Schilddrüsenoperationen oder einer Radiojodtherapie entwickeln. Vorausgegangen ist dann meist eine Hyperthyreose, die operativ bzw. mit der Radiojodtherapie behandelt wurde.

 

Medikamente können eine Unterfunktion herbeiführen. Des weiteren kann eine Hypothyreose medikamentös bedingt sein. Verantwortlich dafür sind Medikamente,
  • die die Jodaufnahme in die Schilddrüse,
  • die Schilddrüsenhormonsynthese oder
  • die Freisetzung von Schilddrüsenhormonen aus der Schilddrüse hemmen.

 

Jodexzesse als Ursache. Auch nach Jodexessen, z. B. nach der Gabe eines jodhaltigen Röntgenkontrastmittels, kann es zu einer Hypothyreose kommen. Bei bestimmten Therapieformen kann sich als Folge eine Hypothyreose entwickeln. Diese Möglichkeit besteht z. B.  bei der Behandlung von Tumoren mit Interferon und Interleukinen.

 

Sekundäre und tertiäre Hypothyreosen sind selten. Die Entwicklung einer sekundären oder tertiären Hypothyreose ist selten. Sie kann unter Umständen als Folge einer Erkrankung im Bereich der Hypophyse bzw. des Hypothalamus entstehen. Eine solche Erkrankung wäre z. B. ein Tumor in diesem Bereich.

 

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Symptome
Das vielfältige Krankheitsbild ist oft nicht einfach einzuordnen. Wie stark die Beschwerden eines Betroffenen sind, hängt vom Schweregrad und der Dauer des Hormonmangels, vom Alter des Betroffenen bei Krankheitsbeginn und von Begleiterkrankungen ab. Nicht jeder Betroffene muß alle diese Symptome entwickeln. Als Leitsymptome können vorkommen:
  • leichte Ermüdbarkeit
  • allgemeine Schwäche
  • ständiges Frieren, Kälteintoleranz
  • Unvermögen zu schwitzen
  • Desinteresse
  • Konzentrationsschwäche
  • Angina pectoris Beschwerden
  • Durchblutungsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Impotenz
  • Haarausfall
  • taube Fingerspitzen
  • rheumatische Beschwerden
  • Atembeschwerden

 

Auswirkungen auf Haut und Haar sind augenfällig. Beim Vollbild der Hypothyreose sind die Krankheitszeichen verstärkt. Ein wichtiges Zeichen ist die kühle, dicke, trockene bis leicht schuppige und blasse Haut. Sie fühlt sich pastenartig oder  teigig an. Das Gesicht ist durch Ödeme aufgeschwemmt. Die Ödeme verdicken auch oft die Zunge. Das führt dazu, daß die Betroffenen oft sehr langsam und verwaschen sprechen. Die Stimme ist rauh und heiser. Die Haare sind trocken und stumpf und sie fallen oft aus. Achsel- und Schambehaarung sowie die Augenbrauen sind kaum vorhanden.

 

Symptome im Magen und Darm Bereich sind häufig stark ausgeprägt. Die Darmtätigkeit ist herabgesetzt. Deshalb leiden die Betroffenen oft an Verstopfung und Blähungen. Die Gefahr eines Darmverschlusses als Folge der oft erheblichen Verstopfung ist erhöht. Bei 70% der Erkrankten wird vermindert Salzsäure aus der Magenschleimhaut abgesondert. Das führt zu einer schlechten Verdauung. Der Schilddrüsenhormonmangel führt zu Appetitlosigkeit. Trotzdem kommt es, wegen des verringerten Stoffwechsels, zur Gewichtszunahme.

 

Herz-Kreislauf- Beschwerden als Folge der Hypothyreose. Das Herz-Kreislauf-System ist ebenfalls betroffen. Die Herzschlagfolge ist verlangsamt und das Minutenvolumen vermindert. Als Folge davon leiden Betroffene unter niedrigem Blutdruck. In schweren Fällen ist das Herz allseits vergrößert. Die Neigung zur Arteriosklerose wird mit dem erhöhten Cholesterinspiegel in Verbindung gebracht.

 

Mangelnde Schilddrüsenhormone haben Folgen auf den gesamten Organismus. Die geistige Funktion ist eingeschränkt, was sich in Gedächtnis- und Konzentrationsschwäche äußert. Weiter zeigen sich Symptome wie depressive Verstimmungen, ein stark vermehrtes Schlafbedürfnis, psychomotorische Verlangsamung, Schwerhörigkeit, Geruchsstörungen, Harnwegsinfekte, Nierenfunktionsstörungen, Blutarmut, Sensibilitätsstörungen sowie ein Intentionstremor. Der Tremor äußert sich in einem Zittern, wenn sich z. B. die Hand einem Ziel nähert. Auffällig bei der Hypothyreose ist auch eine ausgeprägte Muskelschwäche. Neben Menstruationsstörungen treten auch häufig Libido- und Potenzverlust auf.

 

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Diagnostik
Der TSH-Test ist ein empfindlicher und sicherer Test. Wegweisend ist die Krankengeschichte und die körperliche Untersuchung. Zum Ausschluß einer primären Hypothyreose wird der TSH-Wert im Blut bestimmt. Ein erhöhter TSH-Spiegel weist eine Schilddrüsenunterfunktion nach. Dieser Test ist sehr viel empfindlicher, als die Messung von Schilddrüsenhormonen. Der Grund ist: Fällt der Wert des freien T4 um den Faktor 2, so führt das zur Zunahme von TSH um den Faktor 100.

 

Bestimmung des T4 Des weiteren wird eine Bestimmung des freien T4 und des Gesamt-T4 vorgenommen.

 

TRH-Test Bei Verdacht auf eine sekundäre Hypothyreose wird ein TRH-Test mit einer TSH-Bestimmung durchgeführt.

 

Autoantikörper- Test Um eine weitere Abgrenzung der verschiedenen Formen der erworbenen Hypothyreose vorzunehmen wird eine Bestimmung von Schilddrüsenautoantikörpern gegen die Schilddrüsenperoxidase vorgenommen.

 

Zusätzlich kann eine Ultraschall-Untersuchung folgen. Die Untersuchung erfolgt mit einem speziellen Schallkopf, der über 5 oder noch besser 7.5 MHz verfügt. Bei der Sonographie, wie diese Untersuchung in der Fachsprache genannt wird, zeigt sich bei der voll ausgebildeten Hypothyreose typischerweise nur ein geringer Anteil an echoarmem Restgewebe.

 

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Therapie
Levothyroxin einmal am Tag. In der Therapie der Hypothyreose wird eine Substitutionstherapie angestrebt, d. h. es werden Schilddrüsenhormone in Form von Levothyroxinpräparaten verabreicht. Eine einmalige tägliche Gabe ist ausreichend, um einen konstanten Schilddrüsenhormonspiegel zu erreichen.

 

Die individuelle Dosis muß einschleichend gefunden werden. Die Behandlung wird einschleichend durchgeführt. Das bedeutet, die Dosis wird langsam gesteigert, bis die richtige Wirkung für den Einzelnen erreicht ist. Das langsame Steigern der Dosis ist auch für den Körper wichtig, der sich auf die Hormone einstellen muß. Meistens wird angestrebt, daß nach etwa 4 Wochen die individuell richtige Dosis gefunden ist. Diese Dosis hat keinen negativen Effekt auf den Stoffwechsel der Knochen. Die Einnahme der Hormone sollte am besten Morgens auf nüchternem Magen erfolgen.

 

Buch dazu anzeigenCheckliste Endokrinologie und Stoffwechsel Es gibt einige allgemeine Richtlinien bei der Dosierung von Levothyroxin: (Zitat aus Reinwein, Benker, Jockenhövel: Checkliste Endokrinologie und Stoffwechsel, 2000)
  • Bei über 60jährigen Patienten liegt die erforderliche Dosis um 30% niedriger als bei jüngeren.
  • Bei sekundärer Hypothyreose ist die Erhaltungsdosis um 10-20% niedriger als bei der primären.
  • Bei Hashimoto-Thyreoiditis ist die Erhaltungsdosis um 20% niedriger als bei Hypothyreosen nach Thyreoidektomie oder Radiojodtherapie. Grund: Funktionsfähiges Restgewebe bei der Thyreoiditis.
  • Vorsicht bei älteren, koronargefährdeten, diabetischen Patienten und solchen mit lange bestehender Hypothyreose: T4-Werte im unteren Normbereich und TSH-Werte <4µE/ml sind ausreichend.
  • 90% der Patienten benötigen zwischen 100 und 200 µg Levothyroxin pro Tag.

 

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Neugeborenen- Hypothyreose
Hypothyreose ist bei Neugeborenen die häufigste Stoffwechselkrankheit. Die Neugeborenen-Hypothyreose ist die häufigste angeborene Stoffwechselkrankheit. Von dreitausend Neugeborenen ist in der Regel eines betroffen. Die Schilddrüsenhormonunterversorgung setzt entweder schon während der Schwangerschaft ein oder beginnt direkt nach der Geburt. Die angeborenen Störungen können sich auch erst in den folgenden Jahren oder im Erwachsenenalter bemerkbar machen. Bei der Neugeborenen-Hypothyreose kann man dann wiederum zwischen der angeborenen, genetischen Form und der intrauterin (in der Gebärmutter) erworbenen Form unterscheiden. Die genetische Form läßt sich nicht rückgängig machen, während die erworbene Form reversibel ist.

 

Das Krankheitsbild ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Wie schwer die Symptome ausgeprägt sind, ist vom Beginn der Störung, dem Ausmaß des Hormonmangels und vom Beginn der Therapie abhängig. Der Mangel an Schilddrüsenhormonen hat, neben den schon beschriebenen Symptomen zusätzlich Auswirkungen auf das Wachstum und die Entwicklung von Kindern. Das Vollbild der Neugeborenen-Hypothyreose muß sich   nicht entwickeln, wenn die Therapie frühzeitig einsetzt.

 

Die Krankheit kann erst nach Wochen sichtbar werden. Die Kinder, die mit dem Vollbild der Hypothyreose zur Welt kommen, stellen in der Diagnostik keine Problemfälle dar. Schwierig wird es bei Kindern, die noch eine Schilddrüsenrestfunktion besitzen und so gut wie keine Krankheitszeichen zu Anfang aufweisen. Das Krankheitsbild wird dann erst später sichtbar. Aber gerade eine Frühdiagnose ist wichtig, um irreparable Schäden zu vermeiden.

 

Typische Symptome bei einem Vollbild der Neugeborenen- Hypothyreose: Ein hohes Geburtsgewicht, eine weite Fontanelle und bei schweren Fällen auch der typische Gesichtsausdruck mit dem offenen Mund sind erste Zeichen. Im weiteren Verlauf kommt es zu Entwicklungsstörungen des Kindes, es bildet sich ein typisches Aussehen: Der Körperbau der Kinder wirkt schwerfällig. Als Folge einer Schwäche des Bindegewebes ist der Leib oft aufgetrieben. Die Extremitäten sind kurz und zeigen nicht die richtigen Proportionen. Der Hals ist kurz und dick.  Durch die Wachstumsstörungen sind die Kinder oft klein bis minderwüchsig. Das Gesicht ist oft rund und breit mit einer niedrigen Stirn und einem flachen Nasenansatz. Die Mimik ist bewegungsarm. Eine geistige verminderte Entwicklung gehört zu den typischen Merkmalen des nachgeburtlichen Krankheitsbeginns. Ausgesprochene Gutmütigkeit ist ein Wesensmerkmal der betroffenen Kinder. In vielen Fällen zeigt sich eine Innenohrschwerhörigkeit und in schweren Fällen können die Kinder sogar taub sein. Skelettveränderungen und der Rückstand der Knochen- und Zahnentwicklung sind von besonderer Bedeutung.

 

Diagnostik: Zur Diagnose wird fünf bis sieben Tage nach der Geburt eine TSH-Bestimmung durchgeführt. Der Verdacht auf eine irreversible Form der Hypothyreose liegt nahe, wenn der TSH-Wert über 100 µU/ml liegt. Wird ein Wert zwischen  20-100 µU/ml gefunden, so ist die Hypothyreose meistens vorübergehend.

 

Therapie: Je früher die Therapie einsetzt, desto besser, denn die körperliche Fehlentwicklung sollte möglichst früh beeinflußt werden. Eine Verzögerung von wenigen Wochen führt schon zu schlechteren Ergebnissen der mentalen und psychomotorischen Entwicklung. Unter der Gabe von Levothyroxin normalisieren sich die T4- und TSH-Spiegel innerhalb weniger Tage.

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