MedizInfo®Rücken

Anatomie und Physiologie der Wirbelsäule
Aufbau und Funktion der Skelettmuskulatur
Diagnostische Verfahren

Schmerztherapie
Physiotherapie
Rückenschule
Erkrankungen:
Bandscheibenvorfall
Degenerative Erkrankungen
Hexenschuss
Morbus Bechterew

Kyphose
Lumbago
Osteoporose
Scheuermann-Krankheit
Skoliose
Spina bifida
Spinalkanalstenose

Unspezifische Spondylitis
Spondylitis ankylosans
Spondylolisthese
Verspannung der Rückenmuskulatur
Wirbelgleiten

Myelografie

Inhaltsübersicht:
Indikation
Vorbereitung
Durchführung
Risiken

Top

Indikation

Röntgen mit Hilfe eines Kontrastmittels.

Eine Myelografie ist ein röntgendiagnostisches Verfahren zur Darstellung des Subarachnoidalraums im Bereich der Wirbelsäule. Dabei wird ein wasserlösliches Kontrastmittel in den Subarachnoidalraum gespritzt. Die Verteilung des Kontrastmittels wird dann mit Hilfe einer Röntgenaufnahme festgehalten.

 

Der Platz, den das Nervengewebe innerhalb des Spinalkanals hat, wird genau dargestellt.

Durch die Verteilung des Kontrastmittels innerhalb der Wirbelsäule lässt sich deutlich darstellen, wie viel Platz dem Nervengewebe innerhalb des knöchernen Kanals bleibt. Auf den Bildern der Computer- oder Magnetresonanztomografie können Knochen und Nervengewebe zwar deutlich voneinander abgegrenzt werden. In manchen Fällen lassen sich die Beschwerden des Betroffenen mit diesen Mitteln trotzdem nicht immer einer bestimmten Etage der Wirbelsäule zuordnen. Das ist aber bei einer notwendigen Operation sehr wichtig.

 

Durch Engstellen im Spinalkanal wird der Fluss des Kontrastmittels behindert.

In der Praxis kann es vorkommen, dass Wirbelsäulenabschnitte, die in der Computer- oder Magnetresonanztomografie erheblich verändert erscheinen, beim Betroffenen gar keine Beschwerden auslösen. Und umgekehrt können unauffällig erscheinende Stellen zu Schmerzen und anderen Symptomen führen. Bei der Myelografie verteilt sich das Kontrastmittel innerhalb des Liquorraums gleichmäßig im Wirbelkanal. Dadurch kann ein Arzt deutlich erkennen, an welchen Stellen tatsächliche funktionelle Engstellen bestehen. An diesen Stellen wird der Kontrastmittelfluss behindert.

 

Eine Myelografie ist nur bei bestimmten Erkrankungen der Wirbelsäule sinnvoll.

Es gibt verschiedene Indikationen, die eine Myelografie notwendig machen können. Das sind u.a.
  • Spinalkanalstenosen
  • Verdacht auf Bandscheibenvorfall
  • Rückenmarkstumoren
  • angeborenen Entwicklungsstörungen des zentralen Nervensystems
  • Verletzungen der Nervenwurzeln des Rückenmarks
  • unklaren Befunden in Computer- oder Magnetresonanztomografie

 

Top

Vorbereitung

Der Betroffene muss vom Arzt verständlich und umfassend informiert werden.

Um das Kontrastmittel in den Subarachnoidalraum zu bekommen, muss dieser punktiert werden. Dazu sind einige Vorbereitungen, Vorsichtmaßnahmen und Formalitäten notwendig. Spätestens am Tag vor der Punktion muss der Betroffene vom Arzt gründlich über die Untersuchung (Ziel, Durchführung, Risiken) aufgeklärt werden und dies schriftlich bestätigen. Unterschreiben Sie das Formular aber erst, wenn Sie alles verstanden haben. Wenn Sie etwas nicht sofort verstehen, fragen Sie einfach nach.

 

Es wird ein intravenöser Zugang gelegt, über den bei Bedarf Medikamente und Flüssigkeit zugeführt werden können.

In einigen Krankenhäusern ist es üblich, dass der Betroffene vor der Untersuchung nüchtern bleibt. Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Treten Komplikationen auf, so ist es bei einem nüchternen Menschen einfacher, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Aus hygienischen Gründen werden Betroffene auch häufig gebeten, ein "Operationshemd" anzuziehen. Die Punktionsstelle muss evtl. rasiert werden. Häufig wird dem Betroffenen vor der Untersuchung eine Kanüle in die Armvene gelegt. Über diesen Zugang kann der Betroffene leicht mit Flüssigkeit versorgt werden. Auch Medikamente können, falls das notwendig werden sollte, so leichter verabreicht werden. Um auf möglicherweise allergische Reaktion auf das Kontrastmittel sofort reagieren zu können, werden alle notwendigen Medikamente und Geräte im Untersuchungsraum bereitgelegt.

 

Röntgenbilder und andere Aufnahmen müssen vorliegen.

Eine native Röntgenaufnahme sowie eine Computer- oder Magnetresonanztomografie helfen dem Arzt bei der Punktion. Diese Bilder sollten deshalb zur Hand sein. Wenn das nicht so ist, werden die entsprechenden Bilder vor Beginn der Myelografie angefertigt.

 

Die medikamentöse Einstellung bei Erkrankungen der Schilddrüse und bei Gerinnungshemmern müssen angepasst werden.

Vor der Myelografie werden auch noch einige Laboruntersuchungen durchgeführt. Bei einer Punktion sollte die Blutgerinnung ungestört ablaufen. Deshalb werden im Blut alle wichtigen Gerinnungswerte bestimmt. Das Kontrastmittel enthält Jod. Jod ist für die Schilddrüsenfunktion von größter Wichtigkeit. Deswegen werden auch die Schilddrüsenwerte im Blut gemessen. Bei einer bekannten Schilddrüsenstörung kann es notwendig werden, die Schilddrüse einige Tage vor der Untersuchung medikamentös zu "blockieren", damit sie kein Jod aus dem Kontrastmittel aufnimmt. Auch gerinnungshemmende Mittel müssen kurzfristig abgesetzt oder durch besser geeignete Präparate ersetzt werden, um das Blutungsrisiko zu verringern. Bei einer bekannten Neigung zu Allergien können vor dem Eingriff antiallergisch wirksame Medikamente gespritzt werden.

 

Top

Durchführung

Der Betroffene liegt mit angezogenen Beinen auf der Seite.

Der Betroffene legt sich auf den Untersuchungstisch. Unmittelbar oberhalb des Tisches befindet sich ein Durchleuchtungsgerät, mit dem später die Aufnahmen angefertigt werden. Der Betroffene wird dann gebeten, sich auf die Seite zu legen und die Beine anzuwinkeln. Dabei zeigt der Rücken zum untersuchenden Arzt.

 

Die Haut im Bereich der Punktion wird gründlich desinfiziert.

Diese Lagerung hat zum Zweck, die einzelnen Wirbel etwas auseinander zuziehen. So wird dem Arzt die Punktion erleichtert. Der Punktionsbereich wird nun gründlich desinfiziert. Während das Desinfektionsmittel einwirkt, kann der Arzt sich anhand der vorliegenden Bilder über die Verhältnisse an der Wirbelsäule des Betroffenen noch einmal genau informieren. Er wird sich noch einmal genau die Bereiche ansehen, die von besonderem diagnostischen Interesse sind. Auf den Bildern kann auch erkannt werden, welche Wirbelsäulenetagen für eine Punktion anatomisch am besten geeignet sind.

 

Die Punktionsnadel wird vorsichtig zwischen zwei Wirbelbögen vorgeschoben bin in den Wirbelkanal.

Um die eigentlich Punktion zu beginnen, zieht der Arzt sterile Handschuhe an. So wird das Risiko einer Infektionen vermieden. Dann tastet er an den Wirbelknochen der Lendenwirbelsäule nach einer geeigneten Punktionsstelle. Er muss mit der Punktionsnadel zwischen zwei Wirbelbögen hindurch in den Subarachnoidalraum des Wirbelkanals gelangen. Nachdem eine geeignete Stelle gefunden ist, lässt sich der Untersucher von einem Helfer eine sterile Punktionsnadel anreichen. Diese wird nun bis in den Wirbelkanal vorgeschoben. Der Arzt spürt an der Nadel ein Nachlassen des Widerstandes, wenn das gelbe Band durchdrungen wird. Es kann vorkommen, dass der Patient durch die Nadel einen leichten Schmerz oder einen Druck verspürt. Normalerweise ist eine Lumbalpunktion aber nicht schmerzhafter, als eine Blutabnahme. Eine örtlich Betäubung ist deshalb nicht notwendig. Sie brauchen keine Angst haben, dass das Rückenmark verletzt wird. Das Rückenmark endet meistens in Höhe des zweiten Lendenwirbels. Die Punktion findet unterhalb dieser Stelle statt.

 

Ein Röntgenbild zeigt, ob die Nadel richtig sitzt.

Die korrekte Lage der Nadel wird durch ein Röntgenbild bestätigt. Nun fängt der Arzt einige Tropfen des Liquors für die Laboruntersuchung auf. Bei der Laboruntersuchung wird auf normale Körperzellen, Eiweiße und Entzündungszellen geachtet. Anschließend lässt sich der Arzt steriles Kontrastmittel anreichen. Von diesem Kontrastmittel werden nun 10 bis 20 ml in den Wirbelkanal injiziert. Die jeweilige Menge ist davon abhängig, welcher Bereich der Wirbelsäule untersucht werden soll. Die Halswirbelsäule ist von der Punktionsstelle sehr weit entfernt. Deshalb werden in diesem Fall 20 ml injiziert. Für alle anderen Wirbelsäulenabschnitte sind 10 ml ausreichend. Auch durch die Injektion des Kontrastmittels kann der Patient ein Druckgefühl im Rücken verspüren. Nachdem das Kontrastmittel vollständig injiziert wurde, wird die Punktionsnadel entfernt, und die Röntgenbilder können erstellt werden.

 

Das Kontrastmittel verteilt sich von unten nach oben. Danach können die Aufnahmen gemacht werden.

Mit dem ersten Röntgenbild wird überprüft, wie weit sich das Kontrastmittel innerhalb des Wirbelkanals bereits verteilt hat. Ist das Kontrastmittel noch nicht weit genug "nach oben" gelangt, kann etwas nachgeholfen werden. Der Untersuchungstisch kann abgekippt werden. So wird das Fließen des Kontrastmittels unterstützt. Besonders für Untersuchungen an der Halswirbelsäule ist das oft notwendig. Nachdem sich das Kontrastmittel ausreichend verteilt hat, werden die endgültigen Bilder erstellt. Für die Beurteilung der Halswirbelsäule sind Aufnahmen in 4 Ebenen (von vorne, von der Seite sowie jeweils schräg von links und schräg rechts) gemacht. Diese Aufnahmen dienen der Darstellung der Austrittslöcher der Rückenmarksnerven. Außerdem werden Funktionsaufnahmen in Vor- und Rückwärtsneigung gemacht. Für die Untersuchung der Lendenwirbelsäule werden Aufnahmen in 2 Ebenen (von vorne und von der Seite) sowie ebenfalls Funktionsaufnahmen in Vor- und in Rückwärtsneigung erstellt.

 

Nach der Myelografie sollte der Betroffene viel trinken und 24 Stunden Bettruhe einhalten.

Um das im Wirbelkanal befindliche Kontrastmittel optimal zu nutzen, kann im Anschluss an die Myelografie noch eine Computertomografie durchgeführt werden. Durch das Kontrastmittel sind Knochen und Nervengewebe besonders gut zu unterscheiden. Nach der Untersuchung sollte der Betroffene 24 Stunden Bettruhe einzuhalten und viel trinken. Durch den geringen Verlust an Liquor bei der Punktion können hartnäckige Kopfschmerzen auftreten. Diese Kopfschmerzen lassen sich durch die Bettruhe in vielen Fällen vermeiden. Durch die große Trinkmenge wird der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen.

 

Top

Risiken

Komplikationen treten nicht häufig auf. Dennoch können sie vorkommen. Deshalb sind die vorbereitenden Maßnahmen so wichtig.

Die Myelografie ist eine Untersuchung, bei der selten Komplikationen auftreten. Dennoch gibt es potentielle Risiken, über die der Arzt den Betroffenen vorher aufklären muss. Zu diesen Risiken gehören u.a.:
  • Werden kleine Blutgefäße verletzt, so kann es nach der Punktion zu Nachblutungen kommen.
  • Durch die Punktion kann eine Blutung entstehen. Bildet sich innerhalb des Wirbelkanals ein Bluterguss, so kann der dadurch entstehende Druck zu einer Nervenschädigung führen.
  • Es kann sich ein "Liquorkissens" unter Haut oder einer Fistel (offene Verbindung) zwischen Hautoberfläche und Wirbelkanal bilden. Das muss operativ korrigiert werden.
  • Durch die Punktion kann es zu einer Verletzung von Rückenmarksnerven kommen. Die möglichen Folgen wären Schmerzen, Muskelschwäche, -lähmung, Empfindungsstörungen, Blasen- und Darmstörungen.
  • Allergische Reaktion auf das Kontrastmittel bis hin zum anaphylaktischen Schock.
  • Tritt eine Infektion der Punktionsstelle ein, so kann sie sich im schlimmsten Fall auf das Nervengewebe, die Rückenmarks- und Hirnhäute, die Wirbelkochen, die Bandscheiben oder als "Blutvergiftung" (Sepsis) auf den gesamten Körper ausdehnen.
  • Es kann zu Auslösung von Schilddrüsenfunktionsstörungen durch das im Kontrastmittel enthaltene Jod kommen.

Top

Zur Übersicht
Diagnostische Verfahren

 




MedizInfo®Homepage
zur Startseite

zur Übersicht
des Unterthemas
zur Übersicht
des Oberthemas