Hämatologie - Erkrankungen des Blutes

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Thrombophilie:
Genetische Risikofaktoren für Thrombosen

Inhaltsübersicht:
Vererbung
APC- Resistenz
Protein C-Mangel und Protein-S- Mangel
Antithrombin III -Mangel
Prothrombin-Mutation G 20210A
Homocysteinämie
Gestörte Fibrinolyse
Häufigkeit der Vererbung

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Vererbung

Vererbung und erworbene Risiken gleich häufig

Die Bereitschaft zu Thrombosen kann angeboren oder erworben, d.h. im Laufe des Lebens durch verschiedene Faktoren entstanden sein. Die Bereitschaft zu Thrombosen hat zu etwa 50 Prozent genetische Ursachen, zu 50 Prozent wird sie im Laufe des Lebens erworben.

 

 

Zu den genetischen Risikofaktoren für Thrombosen gehören:

  • APC- Resistenz bei Faktor V Leiden-Mutation
  • Protein C- Mangel
  • Protein S- Mangel
  • Prothrombin- Mutation
  • Antithrombin-Mangel

 

Vater oder Mutter übertragen das kranke Gen

Alle erblichen Formen der Thrombophilie werden autosomal dominant vererbt, das bedeutet, dass bei einem erkrankten Elternteil (egal, ob Vater oder Mutter) ein gesundes und ein krankes Gen vorhanden ist. Je nachdem, welches Gen weiter gegeben wird, ist das Kind entweder von der Krankheit betroffen, oder nicht. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit liegt bei 50 Prozent.

 

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APC- Resistenz

Hemmstoffe der Blutgerinnung sind blockiert

Die APC- Resistenz selbst ist noch keine Erkrankung, aber sie führt leichter zu einer Erkrankung. Menschen mit einer APC-Resistenz haben ein erhöhtes Risiko eine Thrombose zu entwickeln. Das aktivierte Protein C (APC) gehört zu den gerinnungshemmenden Bestandteilen des Blutes und wirkt mit seinem Co-Faktor Protein S hemmend auf den aktivierten Faktor V. Dieser ist ein Teil der Gerinnungskaskade. Bei APC- Resistenz besitzt der Faktor V eine erhöhte Widerstandfähigkeit gegenüber aktiviertem Protein C. Die häufigste Ursache für eine derartige Resistenz ist eine genetisch bedingte Veränderung (Mutation) des Faktor V, so dass das aktivierte Protein C keine Stelle mehr hat, wo es andocken und den Faktor V spalten und inaktivieren kann. Nach dem Ort ihrer Entdeckung, der holländischen Stadt Leiden, wird sie Faktor V-Leiden-Mutation genannt.

 

5 bis 8 Prozent der Bevölkerung sind betroffen

Die Mutation des Faktor V ist bei 5 bis 8 Prozent der Bevölkerung festzustellen. Die APC- Resistenz ist damit die mit Abstand häufigste angeborene Thromboseneigung. Sie wird autosomal dominant vererbt. Liegt die Genmutation heterozygot vor, bedeutet das, dass neben dem mutierten Gen eine zweite normale Kopie vorhanden ist. Das Risiko für eine Thrombose ist dann im Vergleich zur übrigen Bevölkerung um das Fünf- bis Achtfache erhöht. Sind beide Ausgaben des Gens mutiert (homozygot), sowohl das von der Mutter geerbte als auch das vom Vater, ist das Risiko, an einer Thrombose zu erkranken sogar 50 bis 100 Prozent höher.

 

Es entstehen vor allem venöse Thrombosen in den Bein- und Beckenvenen

Von der APC- Resistenz Betroffene erleiden häufiger Thrombosen, vor allem venöse Thrombosen, die in 60 Prozent die tiefen Beinvenen betrifft, in 30 Prozent die Beckenvenen. Aber auch an anderen Lokalisationen kann es zu Thrombosen kommen. Arterielle Thrombosen, Gerinnsel in Arterien, sind zwar weniger typisch für eine APC- Resistenz, aber die Herzinfarktrate ist doch um das Vierfache erhöht. Es besteht zudem auch ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle. Für das Entstehen einer Thrombose spielen das Vorhandensein weiterer Risikofaktoren wie Rauchen, Einnahme von Hormonen, Schwangerschaft, Wochenbett, Operationen eine wichtige Rolle. So haben heterozygote Merkmalsträgerinnen der Faktor V- Leiden Mutation, die die "Pille" einnehmen gegenüber der "Normalbevölkerung" ein 35-fach höheres Risiko an einer tiefen Beinvenenthrombose zu erkranken.

 

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Protein C-Mangel und Protein-S- Mangel
 

Risiko für Thrombosen 10 fach erhöht

Protein C wird in der Leber als inaktive Vorstufe gebildet, wozu Vitamin K erforderlich ist. Als aktiviertes Protein C wirkt es zusammen mit seinem Hilfsfaktor (Co-Faktor) Protein S gerinnungshemmend indem es die aktivierten Gerinnungsfaktoren V und VIII inaktiviert. Protein C- und S- Mangel können sowohl angeboren als auch erworben vorkommen (vgl. Vitamin-K-Mangel Koagulopathie). Bei Protein C- und Protein S- Mangel ist das Risiko für eine Thrombose etwa um das 5 bis 10 fache erhöht.

 

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Antithrombin III -Mangel

Mangel an Hemmstoff der Blutgerinnung

Antithrombin III (AT III) ist der wichtigste Gerinnungshemmstoff der Gerinnungskaskade. Neben Thrombin hemmt es noch andere Gerinnungsfaktoren direkt. Etwa 3 Prozent der Thrombosepatienten leiden unter einem AT III- Mangel. Er besitzt von allen erblichen Thrombophilien das höchste Thromboserisiko (5 bis 20 fach) und betrifft meist jüngere Menschen.

 

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Prothrombin-Mutation G 20210A

Verstärkte Blutgerinnung

Bei dieser Genveränderung kommt es zu einer erhöhten Prothrombin- Aktivität im Blut. Prothrombin ist ein Gerinnungsfaktor und spielt bei der Blutgerinnung eine sehr wichtige Rolle. Bei der Prothrombin-Mutation G 20210A ist das individuelle Thromboserisiko etwa um das 3 bis 5 fache erhöht.

 

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Homocysteinämie

Ausführliche Infos auch bei MedizInfo® Stoffwechsel: Homocystinurie

Bei der Homocysteinämie besteht ein überhöhter Wert von Homocystein im Blutplasma (Homocystinurie). Das stellt ein Risiko für arterielle wie auch für venöse Thrombosen dar. Es wird vermutet, dass Homocystein die innerste Zellschicht der Gefäße schädigt, wodurch dann in der Folge eine Thrombose ausgelöst wird.

 

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Gestörte Fibrinolyse

Es entstehen leichter Gerinnsel

Die Aufgabe des Fibrinolysesystems besteht darin, die Gerinnselbildung zu begrenzen und entstandene Gerinnsel wieder abzubauen. Ein Mangel an Substanzen, die der Körper zur Fibrinolyse benötigt (Plasminogen, Faktor XII) bedeutet ebenfalls eine Verschiebung des Gleichgewichts in Richtung Thrombophilie.

 

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Häufigkeit der Vererbung

Auftreten einzelner Risikofaktoren

Die vererbten Formen der Thrombophilie treten in unterschiedlicher Häufigkeit auf. Bei Thrombosekranken findet man:

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Neigung zu Thrombosen - Thrombophilie

 




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