Kardiologie

Anatomie und Physiologie
Untersuchungen
Operationen - Herzchirurgie
Risikofaktoren für Herzerkrankungen
Angina pectoris
Antiarrhythmika
Arteriosklerose
Blutdruck
Hoher Blutdruck
Niedriger Blutdruck
Blutfett, Fettstoffwechsel, Cholesterin
Endokarderkrankungen - Erkrankungen der Herzinnenhaut
Funktionelle Herzbeschwerden
Herzerkrankungen
Herzerkrankungen bei Frauen
Herzinfarkt
Herzklappenerkrankungen
Herzmuskelerkrankungen
Herzneurose
Herzrhythmusstörungen
Herzschwäche
Plötzlicher Herztod
Koronare Herzkrankheit
Myokardischämie
Perikarderkrankungen
Septumdefekte
Vorhofflimmern

Ursachendiskussion funktioneller Herzbeschwerden bzw. Herzneurose

Geist und Psyche beeinflussen Körperfunktionen

Eine konkrete Erstehungsursache für funktionelle Herzbeschwerden konnte bisher nicht gefunden werden. Früher wurden Beschwerden, bei denen keine organische Ursache erkennbar war, abgetan und als "eingebildet" verunglimpft. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft weiß man, dass vielfältige Einflüsse zu körperlichen Beschwerden führen können. Regulationsvorgänge und Informationsverarbeitung unterliegen nicht nur körperlichen Einflüssen. Sie werden auch durch die Psyche und den Geist beeinflusst. Gestörte Mechanismen können erhebliche Auswirkungen auf natürliche Abläufe im Körper, etwa den Herzrhythmus, das Schmerzempfinden oder die Verdauung haben. Das Fachgebiet, das sich mit solchen Störungen befasst, ist die Psychosomatische Medizin, die heute einen immer größeren Stellenwert einnimmt.

 

Sensibles vegetatives Nervensystem

Das vegetative oder unwillkürliche Nervensystem steuert interne Körpervorgänge, ohne dass der Wille dabei eine Rolle spielt. Bei den funktionellen Herzbeschwerden geht man davon aus, dass bei den Betroffenen eine verstärkte Erregbarkeit des vegetativen Nervensystems besteht. Das hat zur Folge, dass sowohl die seelische, als auch die körperliche Empfindlichkeit gesteigert ist. Schon kleine körperliche Veränderungen - die ganz normal sind - können bei diesen Menschen dann zum körperlichen Beschwerdebild der funktionellen Herzbeschwerden führen.

 

Teufelskreis Angst - Beschwerden - noch mehr Angst

Verständlicherweise lösen Symptome wie Brustschmerzen, Herzrasen, Herzklopfen, Engegefühl in der Brust, Kurzatmigkeit oder Atemnot in nicht unerheblichem Maße Angstgefühle aus. Angst führt zu einer verstärkten Ausschüttung von Stresshormonen (vgl. Stressreaktion) Diese verengen die Blutgefäße und erhöhen Blutdruck und Herzschlagfrequenz. Diese konkreten körperlichen Reaktionen sind normal. Bei einem Menschen mit funktionellen Herzbeschwerden werden sie aber als krankhafte Reaktion wahrgenommen. Das führt dann zu weiterer Angst, die dann wiederum zu einer Verstärkung der Symptome führt. So kann sich ein Teufelskreis entwickeln, der die Beschwerden unterhält. Solche psycho-physischen Interaktionen sind typisch für sensible Persönlichkeiten.

 

Unbewältigte Probleme

Zusätzlich lassen sich bei vielen Menschen mit funktionellen Herzbeschwerden auch Hinweise auf nicht bewältigte Probleme wie körperliche oder geistige Überforderung, Trennung oder Angst vor Trennung, Trauer oder Schicksalsschläge finden. Stress und permanente Überlastung spielen oft eine erhebliche Rolle. In etwa 30 Prozent der Fälle ist auch eine psychische Erkrankung, etwa eine Angststörung oder Panikstörung oder eine Depression für die Erkrankung ursächlich.

 

Häufig spielt ein Konflikt in der Beziehung eine Rolle

Nach psychoanalytischer Auffassung steht hinter einer Herzphobie häufig ein Konflikt in der Partnerbeziehung. Zwar wird einerseits mehr Unabhängigkeit angestrebt, andererseits aber um den Verlust der Abhängigkeit gebangt. Grundlage ist eine allgemein erhöhte Ängstlichkeit vor Krankheiten sowie eine hypochondrische Beobachtung des eigenen Körpers. Auslösend wirken häufig Trennungs- und Verlassenheitssituationen oder eine Konfrontation mit Unfall oder Tod.

 

Primärerkrankung und funktionelle Herzbeschwerden

Diese Aspekte sind aber nicht allein ausschlaggebend, obwohl sie gerade bei Menschen im mittleren Lebensalter häufiger auftreten. Funktionelle Herzbeschwerden können aber auch begleitend zu einem schon bestehenden Krankheitsbild auftreten. Das betrifft meisten ältere Menschen. Zu den organischen Erkrankungen, die bei solchen Patienten gefunden wurden, gehört u.a.:

  • Verengung kleinster Blutgefäße im Herzen (Mikroangiopathie)
  • vorübergehende Verengungen bzw. Krämpfe der Herzkrankgefäße
  • Mitralklappenprolapssyndrom: Dabei kommt es während der Pump-Aktion des Herzens zu einem Umklappen bzw. zu einer ballonförmigen Aufdehnung des hinteren oder beider Segel der Mitralklappe in den linken Herzvorhof.
  • Wirbelsäulenveränderungen und Muskelverspannung im Bereich der Brustwirbelsäule
  • Neigung zu erhöhter Atemfrequenz

 

  Diese organischen Erkrankungen können - obwohl sie natürlich eigene Beschwerden hervorrufen - die funktionellen Herzbeschwerden nicht vollständig erklären. Dennoch zeigen diese Fälle, dass funktionelle Herzbeschwerden nicht automatisch als "psychogen" eingestuft werden sollten.

 

Häufige Symptome bei Herzneurose

Bei einer Herzneurose können sich - je nach Art und Ausprägung - folgende Symptome und Verhaltensweisen zeigen:

  • Anfallsartig auftretendes Herzrasen (bis zu 160/ Herzschläge pro Minute, plötzlicher Blutdruckanstieg (bis zu 210/110 mmHg),
  • unregelmäßiger Herzschlag (Extrasystolen),
  • Hitzegefühl und Brennen an der Herzspitze,
  • Schmerzen und Druck im linken Brustbereich, die bis in den linken Arm ausstrahlen können
  • Atemnot mit Neigung zu Hyperventilation (Link), Schwitzen, Hitze – oder Kälteempfindung,
  • Kloßgefühl im Hals
  • panikartige Todesangst
  • Obwohl Untersuchungen keinen organischen Befund ergeben, konzentriert sich die Sorge des Betroffenen auf das Herz. Blutdruck und Puls werden häufig kontrolliert. Ebenso wird ein Internist oder Kardiologe häufig aufgesucht, aber die Mitteilung, die Herzfunktion sei in Ordnung, beruhigt den Betroffenen nicht
  • Aus Angst die Herzsymptome zu verschlimmern, schonen Betroffene häufig bewusst ihr Herz und vermeiden jegliche Fitnessprogramme, um das Herz nicht zu belasten. Wegen hypochondrischen Ängsten wird die geringste Änderung der Befindlichkeit als Vorzeichen eines Herzinfarkts gewertet.
  • Auch enge Familienangehörige werden in die Herzängste miteinbezogen, dadurch ergibt sich ein Klammern an den Partner oder andere enge Familienmitglieder.

 

Top

Zur Übersicht
Funktionelle Herzbeschwerden




MedizInfo®Homepage
zur Startseite

zur Übersicht
des Unterthemas
zur Übersicht
des Oberthemas