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Depression


Medikamentöse Therapie bei Depressionen
Inhaltsübersicht:
Vorbemerkung
Medikamentöse Behandlung bei Depression
Unterscheidung der Psychopharmaka
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Antidepressiva
-  Was sind Antidepressiva?
-  Pflanzenheilmittel mit stimmungsaufhellender Wirkung
-  Antidepressive Arzneimittel
-  Wie unterteilt man die Antidepressiva?
-  Vorsichtsmaßnahmen
-  Dosierung und Dosisverteilung
-  Wirkungseintritt
-  Behandlungsdauer
-  Absetzen der Antidepressiva
-  Schwangerschaft und Stillzeit
-  Selbsttötungsgefahr
-  Suchtgefahr
-  Arzneimittel-Wechselwirkungen
-  Extreme Temperaturen und Lichtempfindlichkeit
-  Alkohol und andere Genussmittel
-  Verkehr und Arbeitsplatz
-  Nebenwirkungen
-  Antidepressiva mit besonderen Nebenwirkungen
-  Neue Generation von Antidepressiva

 

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Vorbemerkung
Grundlage: synthetisch hergestellte Arzneimittel Die hier dargestellten Grundlagen der medikamentösen Therapie beziehen sich auf synthetisch hergestellte Medikamente. Auf die Behandlung mit Phytopharmaka wird an anderer Stelle eingegangen.

 

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Medikamentöse Behandlung bei Depression
Die Art der Depression ist entscheidend Die medikamentöse Behandlung einer Depression liegt in der Hand des Haus- oder Nervenarztes. Sie richtet sich nicht zuletzt nach der Art der Depression:

 

Behandlung bei psychogenen Depressionen Psychogene Depressionen sollten überwiegend durch psychotherapeutische und soziotherapeutische Maßnahmen behandelt werden. In Einzelfällen kann sich auch eine zusätzliche medikamentöse Therapie als nützlich erweisen (Antidepressiva), wenngleich in der Dosis etwas reduziert; ferner vorübergehend beruhigende und schlafanstoßende Präparate, falls unerlässlich. Leider nehmen sich heute immer weniger Menschen die Zeit, eine psychogene Depression in dieser Form angemessen zu behandeln. Die medikamentöse Therapie nimmt größeren Raum ein.

 

Endogene Depressionen: Auch endogene Depressionen müssen psychotherapeutisch, vor allem im Familien- und Berufsleben gestützt werden. Daneben aber gelten die gezielt stimmungsaufhellenden Antidepressiva als der wichtigste Behandlungsfaktor: ausreichend hoch dosiert und lange genug eingenommen.

 

Körperlich begründbare Depressionen: Bei körperlich begründbaren Depressionen muss zuerst die zugrunde liegende Störung behandelt werden; Psycho- und Soziotherapie sowie antidepressive Medikamente können zusätzlich hilfreich sein.

 

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Unterscheidung der Psychopharmaka
Psychopharmaka wirken auf das Seelenleben eines Menschen Psychopharmaka sind Arzneimittel, die eine gezielte Wirkung auf das Seelenleben entwickeln. Dazu gehören die erwähnten Antidepressiva, ferner Neuroleptika (Antipsychotika) sowie Beruhigungs- und Weckmittel. Indirekt zählt man dazu auch die Lithiumsalze, Schlaf- und bestimmte Pflanzenheilmittel usw.

Nachfolgend eine kurzgefasste Übersicht:

Antidepressiva:
  • Antidepressiva sind Arzneimittel mit direkter Wirkung auf depressive Zustände. Sie machen nicht süchtig. (Einzelheiten)
Tranquilizer:
  • Beruhigungsmittel vom Typ der sogenannten Benzodiazepine, auch Tranquilizer genannt (vom Lateinischen: tranquillus = ruhig), wirken beruhigend, angstlösend und ggf. schlaffördernd. Sie können süchtig machen (Medikamentenabhängigkeit), wenn sie über längere Zeit eingenommen werden. Manche wirken sich noch sehr lange nach dem Aufwachen negativ auf die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit aus. Das erhöht die Unfallgefahr im Straßenverkehr und die Gefahr von Stürzen. Man nennt das den Hangover-Effekt.
Neuroleptika:
  • Neuroleptika kann man im wesentlichen in 2 Gruppen unterscheiden: Die einen, die sogenannten hochpotenten Neuroleptika sind vor allem in der Behandlung der Psychosen heute nicht mehr wegzudenken. Die anderen, die sogenannten niederpotenten Neuroleptika, bewähren sich insbesondere bei Unruhe-, Erregungs- und Angstzuständen sowie Schlafstörungen. Neuroleptika machen nicht süchtig.
Weckmittel:
  • Weckmittel oder Psychostimulanzien haben heute fast keine ärztliche Aufgabe mehr. Sie machen süchtig.
Lithiumsalze:
  • Lithiumsalze sind jene Medikamente, die bei immer wieder ausbrechenden depressiven Phasen einen Rückfall verhindern helfen, sofern man sie über Monate bis Jahre hinweg regelmäßig einnimmt. Ähnliches gilt für den Wirkstoff Carbamazepin, ein Arzneimittel, das man bisher hauptsächlich gegen Krampfanfälle einsetzte. Das ist für die Betroffenen eine große Beruhigung. Bei der Manie gehören Lithiumsalze zusammen mit den Neuroleptika zu den direkt dämpfenden Medikamenten. Lithiumsalze und Carbamazepin machen nicht süchtig.
Pflanzenheilmittel:
  • Pflanzenheilmittel (Phytopharmaka) mit Wirkung auf das Seelenleben waren seit Jahrtausenden unersetzlich und beginnen in letzter Zeit wieder zunehmend Beachtung zu finden. Da sie kaum Nebenwirkungen haben und nicht süchtig machen, werden sie gerne genommen. Man sollte jedoch ihre Grenzen respektieren. So sind alltägliche Befindungsschwankungen mit Verstimmungszuständen und leichte Depressionen durch Pflanzenheilmittel häufig ausreichend zu behandeln, während man ab mittelschweren Depressionen besser gleich zu den Antidepressiva greifen sollten. Nähere Informationen zu Phytopharmaka finden Sie hier.

 

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Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Ziel ist es, die Selbstheilungskräfte zu stärken, die in jedem Menschen vorhanden sind.
Bücher zum Thema aussuchenBüche
rliste: Selbstheilung
Gerade Patienten mit einer (vor allem endogenen) Depression wirken nicht nur durch ihre - für Außenstehende manchmal unfassbare - Entschlusslosigkeit, sondern auch durch eine tiefe Kraftlosigkeit wie gelähmt. Deshalb glauben sie, keinen eigenen Beitrag zur Genesung leisten zu können, insbesondere was ihren körperlichen Einsatz anbelangt. Das ist ein Irrtum. Denn die Kraftlosigkeit ist ein Teufelskreis, der immer weiter schwächt. Hier muss man konsequent die Selbstheilungskräfte stärken und täglich einen eigenen therapeutischen Beitrag des Patienten verlangen. Und der besteht z. B. in kleinen, aber nicht unwichtigen Maßnahmen, wie z. B. morgendliches Trockenbürsten, Wechselduschen (mit kaltem Wasser abschließen) sowie täglicher körperlicher Aktivität. Das geschieht meist durch einen "Gesundmarsch", am besten bei Tageslicht und nicht unter einer Stunde, oder vergleichbar kreislaufanregenden Maßnahmen (Fahrradfahren, Langlauf, Gartenarbeit usw.).

 

Körperliche Aktivität ist der Schlüssel Deshalb müssen die Angehörigen unbedingt darauf achten, dass der Depressive keinen Tag ohne körperliche Aktivität bleibt. Dies ist allerdings - zumindest am Anfang - nicht ohne aufmunternde und konsequente Begleitung durchsetzbar.

 

Neben diesen Therapiehilfen in eigener Initiative und den notwendigen Medikamenten gibt es natürlich noch andere Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören beispielsweise:
Therapeutischer Schlafentzug:
  • Der therapeutische Schlafentzug, bei dem der Depressive die ganze oder zumindest die 2. Hälfte der Nacht wachen muss und auch am nächsten Tag bis zum Abend nicht einnicken darf. Durch mehrere solcher Schlafentzugs-Behandlungen (meist in der Klinik) kommt es schließlich zu einer zumindest zeitlich begrenzten Stimmungsaufhellung.
Lichttherapie:
Bücher zum Thema aussuchenBücherliste: Lichttherapie
  • Schon im vergangenen Jahrhundert war bekannt, dass die dunkle Jahreszeit in den nördlichen Ländern zu einer saisonal begrenzten Form der Depression führen kann, der sogenannten "Winterdepression". Wer es sich leisten konnte, machte deshalb einen Urlaub in den Bergen oder im Süden. Heute behandelt man mit speziellen Lampen, die in Intensität und Zusammensetzung dem Tageslicht angepasst sind. Dadurch lässt sich für die Dauer der Behandlung ein z. T. erfreulicher Erfolg registrieren. Aber schon die erwähnte körperliche Aktivität bei Tageslicht, nicht unter einer Stunde, bringt gerade bei winterlichen Stimmungseinbußen eine erstaunliche Aufhellung. Selbst ein bedeckter Himmel entwickelt eine ausreichende Lichtintensität und damit heilsame Wirkung.
Therapie mit "Elektroschocks"
  • Die Elektrokrampfbehandlung, auch als "Elektroschocktherapie" oder positiver als "Durchflutungsbehandlung" bezeichnet, war seit ihrer Entwicklung umstritten. Früher hatte man jedoch häufig keine andere Wahl. Doch selbst heute noch wird die Durchflutungsbehandlung unter Vollnarkose vor allem dort eingesetzt, wo z. B. Depressionen nicht befriedigend auf Antidepressiva ansprechen.

 

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Antidepressiva:
Was sind Antidepressiva?
Chemische Substanzen zur Stimmungsaufhellung Stimmungsaufhellende Substanzen pflanzlicher Herkunft gibt es seit Menschengedenken, z. B. Johanniskraut. Synthetische Antidepressiva auf rein chemischer Grundlage stehen jedoch erst seit rund vier Jahrzehnten zur Verfügung. Das war ein großer medizinischer Fortschritt, da sie auch bei schweren Fällen von Schwermut erfolgreich sind. Sie haben aber eine Reihe von Nebenwirkungen, die der Arzt bei seiner Behandlungsstrategie in jedem Einzelfall sorgfältig prüfen muss.

 

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Pflanzenheilmittel mit stimmungsaufhellender Wirkung
Heilpflanzen mit "Seelenwirkung" Von den zahlreichen Heilpflanzen mit Wirkung auf das Seelenleben haben sich vor allem fünf durchgesetzt: das Johanniskraut, die Baldrianwurzel, das Passionsblumenkraut, Hopfenzapfen und Melissenblätter mit beruhigender und einschlaffördernder Wirkung.

 

Johanniskraut: Am bekanntesten ist inzwischen das Johanniskraut. Es wird gegen leichtere bis mittelschwere depressive Zustände eingesetzt. Kommen noch Angst- und innere Unruhe hinzu, kombiniert man mit Baldrian, Hopfen, Passionsblume und Melisse.

 

Wirkung kann gelegentlich drei Wochen auf sich warten lassen Ernstere Nebenwirkungen sind nicht bekannt, auch wenn man intensivere Sonnen- und UV-Bestrahlungen (Solarien) unter Johanniskraut meiden sollte. Auch bei langfristiger Einnahme besteht wie bei allen anderen Antidepressiva keinerlei Suchtgefahr. Die Stimmungsaufhellung von Johanniskraut "greift" aber nicht sofort, sondern in der Regel erst nach ein bis zwei, manchmal auch drei Wochen. Die Dosis bestimmt der Arzt, der auch berücksichtigt, dass der Gehalt an Johanniskraut-Wirksubstanz in den verschiedenen Präparaten unterschiedlich ist.

 

Grenzen der Naturprodukte erkennen Johanniskraut ist vor allem für leichtere depressive Zustände empfehlenswert. Deshalb ist es wichtig, auf den Schweregrad der Depression zu achten und die Grenzen der Naturprodukte zu respektieren.

 

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Antidepressive Arzneimittel
Vielfältige Auswahl: Es gibt Dutzende von synthetischen Antidepressiva als Handelspräparate. Das scheint auf den ersten Blick unnötig. Ein oder zwei wirkungsvolle Substanzen müssten doch eigentlich genügen. Aber hier ist zu unterscheiden:
Die Wirksubstanz ist bedeutend
  • Die jeweilige Wirksubstanz bzw. der Wirkstoff. Davon gibt es schon nicht mehr so viele, etwa 20. Einige von ihnen wirken ähnlich, aber keineswegs alle.
Entscheidend ist nicht der Handelsname, sondern der Name, der den Wirkstoff bezeichnet.
  • Die Handelsnamen: Viele Wirkstoffe kommen durch mehrere Hersteller auf den Markt, deren Produkte natürlich unterschiedliche Handelsnamen tragen. So kommt die Vielzahl von Antidepressiva zustande. Entscheidend ist der Name, der den Wirkstoff bezeichnet. Er ist meist viel komplizierter als der Handelsname, der ja eingängig und gut merkbar sein sollte. Der Handelsname trägt ein sogenanntes Markenzeichen. Das ist ein hochgestelltes ®.

 

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Wie unterteilt man die Antidepressiva?
Wichtige Einteilung der Antidepressiva: Am häufigsten ist die Einteilung nach dem Wirkstoff. Verschiedene, in ihrer Wirkung ähnliche Wirkstoffe kann man zu größeren Wirkgruppen zusammenfassen. Dies ist möglich aufgrund ihrer chemischen Ähnlichkeit. In der Praxis unterteilt man aber auch häufig nach dem Wirkungsschwerpunkt. So gibt es
  • Antidepressiva, die weder merklich dämpfen noch aktivieren,
  • Antidepressiva, die einen antriebssteigernden Effekt entwickeln und
  • Antidepressiva, die vor allem beruhigen, entspannen und damit schneller angstlösend wirken.

 

Die Art der Symptome entscheidet über die Art der verabreichten Antidepressiva Diese Einteilung ist wichtig. Denn es gibt Depressive, die unruhig, gespannt, fahrig, jammerig-klagsam sind und solche, die matt, kraftlos, ja wie seelisch-körperlich blockiert wirken. Ängstlich-gespannte Depressive sollten keine aktivierenden Antidepressiva erhalten, weil sonst die kräftezehrende Unruhe noch zunimmt, was gefährlich werden kann (z. B. Selbsttötungsneigung). Ein besonderes Problem ist der Umstand, dass viele Depressive nach außen eher müde oder gar energielos wirken, im Inneren aber nervös, unruhig und gespannt sind.

 

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Vorsichtsmaßnahmen
Bei der Verordnung von Medikamenten müssen auch immer die Nebenwirkungen bedacht werden Jedes Arzneimittel hat nicht nur eine erwünschte Wirkung, sondern auch unerwünschte Nebenwirkungen. Nicht jedes Medikament ist darum auch für jeden Patienten geeignet. Es könnte z. B. sein, dass sich einige Nebenwirkungen mit einer bestimmten Erkrankung nicht vereinbaren lassen, die der Patient sonst noch zu ertragen hat. Das gleiche gilt übrigens auch für die Einnahme verschiedener Arzneimittel, die sich evtl. gegenseitig behindern oder ihre Nebenwirkungen verstärken. Dies alles geht für den Arzt aus den sogenannten Fachinformationen und für den Patienten aus der Packungsbeilage hervor. Dort wird unter den Überschriften Anwendungsbeschränkungen, Vorsichtsmaßnahmen und Gegenanzeigen alles aufgeführt, worauf zu achten ist.

 

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Dosierung und Dosisverteilung
Medikamente wirken nur richtig, wenn sie ausreichend dosiert sind. Zu niedrig wirkt nicht und zu hoch ist schädlich. Darum sollte man sich an die Anweisungen des Arztes halten. Jedes Arzneimittel hat seinen speziellen Dosisbereich. Man darf also nur eine bestimmte Menge zu einer bestimmten Zeit bzw. in einem bestimmten Zeitraum einnehmen. Zusätzlich sind auch noch Alter bzw. Hinfälligkeit oder sonstige Krankheiten zu bedenken. Meist erhöht man die Dosis langsam. Denn jeder Patient reagiert anders, und das muss erst vorsichtig ausgelotet werden. Wird er nämlich von bestimmten Nebenwirkungen belästigt oder gar erschreckt, die beim behutsamen "Einschleichen" der Dosis vermeidbar gewesen wären, ist er vielleicht so verunsichert oder erbost, dass er das Medikament nur noch unregelmäßig oder gar nicht mehr einnimmt - ohne es seinem Arzt zu gestehen. Die Folge ist ein enttäuschendes Behandlungsergebnis, ein verlängertes Leiden und unnötige Qual.

 

Das Alter der Patienten kann eine niedrigere Dosis bedeuten Gerade junge und alte Patienten reagieren häufig empfindlicher und benötigen darum niedrigere Dosen. Allerdings wird die Behandlung dafür oft länger, zumal dann, wenn auch die Dosis langsamer gesteigert wird. Wenn der Patient die sonst üblichen Gaben von Medikamenten verträgt, dann sollte man das auch nutzen, um den Leidensweg nicht unnötig zu verlängern. Dies gilt vor allem für Depressive im höheren Lebensalter.

 

Das Standardschema "3 X 1" ist out Das frühere Standard-Schema "3 X 1" wird immer häufiger verlassen. Aktivierende Antidepressiva sollen ohnehin nur vormittags, spätestens am frühen Nachmittag gegeben werden, sonst drohen Einschlafstörungen. Bei dämpfenden Antidepressiva gibt man die Hauptdosis am Abend oder vor dem Schlafengehen. Dadurch werden 1. die Nebenwirkungen verschlafen und 2. durch den schlafanstoßenden Effekt Schlafmittel eingespart. Zudem wird das gefürchtete depressive Morgentief ("Morgengrauen") abgefangen.

 

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Wirkungseintritt
Bis die Wirkung eintritt, können schon mal bis zu drei Wochen vergehen Der Wirkungseintritt aller synthetischen Antidepressiva lässt in der Regel auf sich warten: Eine Woche, zwei Wochen, drei Wochen ohne Wirkung sind jedenfalls noch kein Beweis, dass das Medikament   n i c h t   wirkt. Nebenwirkungen synthetischen Antidepressiva treten als erstes auf. Die sehnlich erwartete Stimmungsaufhellung kann längere Zeit auf sich warten lassen. Außerdem verläuft die Besserung häufig wellenförmig. Kleinere "Rückschläge", insbesondere nach entsprechenden Belastungen, sind kein Anlass zur Resignation.

 

Ehe man ein Antidepressivum als wirkungslos auswechselt, sollte man mindestens drei Wochen abwarten. Sonst muss man mit einem völlig neuen Wirkstoff zeitlich wieder ganz von vorne anfangen.

 

Vorsicht bei Auflösung von depressiver Erstarrung In diesem Zusammenhang ist noch auf ein anderes Phänomen zu achten: Manche Depressive sind seelisch-körperlich wie eingemauert. Sie sind dann trotz tiefster Schwermut auch nicht in der Lage, sich etwas anzutun. Diese "Versteinerung" kann durch ein Antidepressivum schneller gelöst werden, als das Stimmungstief. Das ist mitunter gefährlich. Denn wenn jemand von seiner depressiven Erstarrung plötzlich befreit, aber noch immer schwermütig ist, hat er eher Gelegenheit, Hand an sich zu legen. In einer solchen Situation ist die intensive Betreuung durch die Angehörigen und den Arzt besonders wichtig.

 

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Behandlungsdauer
Die Dauer einer Behandlung ist sehr unterschiedlich Die Dauer einer antidepressiven Behandlung im Krankenhaus liegt zwischen vier Wochen und mehr als drei Monaten; ein halbes Jahr ist nicht ungewöhnlich. Für eine ambulante Betreuung durch den niedergelassenen Arzt gilt das gleiche, ggf. sogar länger. Das können schwierige Zeiten werden. Denn selbst ein Abklingen des Beschwerdebildes bedeutet noch keine vollständige Genesung. Dies merkt man spätestens in Krisen- oder Überforderungssituationen, wo ein erneuter seelischer oder körperlicher Einbruch droht.

 

Die Nachbehandlung schützt vor Rückfällen Deshalb sollte man die Behandlung nach Besserung bzw. völliger Beschwerdefreiheit noch eine Weile, im allgemeinen mehrere Monate, fortsetzen. Zuerst mildert das Antidepressivum die depressive Qual, dann baut es die seelische, geistige und körperliche Gesundheit wieder auf, zuletzt schützt es vor einem Rückfall und hilft die Reserven aufzufüllen.

 

Haben Sie Geduld: Auch ein komplizierter Beinbruch heilt nicht von heute auf morgen Die langwierige Heilung eines komplizierten Beinbruches wird meist klaglos hingenommen. Wer sein Bein zu früh belastet, merkt rasch, dass er etwas falsch macht. Nur bei der Seele meint man, alles übers Knie brechen zu können. Doch auch hier droht ein Rückfall, wenn der Betreffende noch auf zu "dünnem Eis" steht.

 

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Absetzen der Antidepressiva
Antidepressiva machen NICHT süchtig Antidepressiva machen nicht süchtig und verursachen deshalb auch keine Entzugssymptome. Man darf sie trotzdem nicht schlagartig absetzen. Dann treten sog. Absetzerscheinungen auf: innere Unruhe und Spannung, Reizbarkeit, Missgestimmtheit, Angstzustände, Kraftlosigkeit, Schweißausbrüche, Appetitverlust, Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Magen-Darm-Krämpfe, Durchfall, Schlafstörungen bzw. lebhafte bis ängstigende Traumbilder, mitunter Kopf- und Muskelschmerzen, Schwindel, Gefühl des Zerschlagenseins sowie Bewegungsstörungen.

 

Ausschleichen der Medikation Deshalb werden die Antidepressiva langsam reduziert ("ausschleichen"), um diese Folgen zu vermeiden. Langsame Medikamentenreduktion unterstützt auch die seelisch-körperliche Stabilisierung.

 

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Schwangerschaft und Stillzeit
Die Medikamente werden häufig abgesetzt Sind Antidepressiva während einer Schwangerschaft notwendig, wird sich der betreuende Arzt in der Regel mit einem Nerven- und Frauenarzt absprechen. Sofern es möglich ist, wird man das Antidepressivum absetzen, um das Kind keinem Schädigungsrisiko auszusetzen. Antidepressiva gehen auch in die Muttermilch über, was entweder ein Absetzen des Medikaments oder Abstillen nahe legt.

 

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Selbsttötungsgefahr
Medikamente dürfen nicht gehortet werden Ausgerechnet Antidepressiva, die gegen depressive Zustände mit erhöhter Selbsttötungsgefahr eingesetzt werden, sind bei bewusster Überdosierung nicht ohne Risiko. Bei lebensmüden Patienten pflegt deshalb der Arzt nur die kleinste Packungseinheit zu verschreiben und so gut es geht zu kontrollieren, ob sie der Patient ggf. in selbstzerstörerischer Absicht sammelt. Hier müssen vor allem die Angehörigen wachsam bleiben.

 

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Suchtgefahr
Antidepressiva machen NICHT süchtig Antidepressiva machen nicht abhängig. Das kann nicht oft genug wiederholt werden, da sie immer wieder in diesen unsinnigen Verdacht geraten. Früher wurde allerdings häufiger die Kombination aus einem Antidepressivum mit einem süchtig machenden Beruhigungsmittel verordnet. Heute gibt es dagegen genügend Antidepressiva, die auch ohne Suchtgefahr eine gute stimmungsaufhellende sowie zugleich angstlösende und beruhigende Wirkung entfalten.

 

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Arzneimittel-Wechselwirkungen
Möglichkeiten von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Werden mehrere Präparate eingenommen, kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen, sog. Arzneimittel-Interaktionen, kommen. (Bitte beachten Sie, dass sich dies nicht auf Phytopharmaka bezieht.) Dabei sind verschiedene Möglichkeiten denkbar:
  • Verstärkung bzw.
  • Abschwächung der erwarteten Wirkungen einer oder beider Substanzen sowie
  • Verstärkung der jeweiligen Nebenwirkungen.

 

Manchmal müssen negative Erscheinungen in Kauf genommen werden Der Arzt versucht solche ungünstigen Kombinationen weitgehend zu vermeiden. Manchmal bleibt ihm jedoch keine andere Wahl, vor allem im höheren Lebensalter, wo mehrere, für den Patienten unersetzliche Arzneimittel auf einmal genommen werden müssen.

 

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Extreme Temperaturen und Lichtempfindlichkeit
Manchmal ist der Organismus überfordert: Extreme Temperaturen, insbesondere Hitze bzw. Schwüle (z. B. Föhn, Warmfront), können vor allem zusammen mit dämpfenden Antidepressiva den Organismus überfordern: Die Folge sind Flimmern vor den Augen, Schwindel und Kollapsgefahr. Daher sollten Extrembelastungen vermieden und bei starker Sonne z. B. Schatten aufgesucht werden. Auch eine erhöhte Lichtempfindlichkeit ist nicht auszuschließen. Abhilfe bieten entsprechende Kleidung, Hut, Sonnenschirm, Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor usw.

 

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Alkohol und andere Genussmittel
Vorsicht bei Alkohol Die Kombination von Alkohol mit Antidepressiva, besonders solchen mit dämpfender Wirkung, kann zu unvorhersehbaren Konsequenzen führen: Benommenheit, Schläfrigkeit, Blutdruckabfall und damit Flimmern vor den Augen, Schwindelneigung und Sturzgefahr. Koffeinhaltige Getränke fördern vor allem innere Unruhe und Angstzustände. Auch die belastende Wirkung des Nikotins oder anderer Inhaltsstoffe des Tabaks ist schwer abschätzbar.

 

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Verkehr und Arbeitsplatz
Die Reaktion kann stark beeinträchtigt sein Schon bei einer leichteren Depression ist der Betroffene nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit. In einer mittelschweren Depression ist er deutlich beeinträchtigt, in einer schweren nicht mehr verkehrstüchtig. Aber auch die Antidepressiva - insbesondere die dämpfenden - erschweren zumindest in den ersten Wochen und Monaten die Verkehrstüchtigkeit. Zu einem späteren Behandlungszeitpunkt können Arzt und Patient über die aktive Teilnahme am Verkehr durchaus diskutieren, aber besonders nach Einleitung der medikamentösen Therapie bleibt sie ein Risiko.

 

Auch am Arbeitsplatz kann es gefährlich werden Das gleiche gilt für gefährliche Arbeitsplätze, z. B. mit Sturzgefahr oder an Maschinen mit beweglichen Teilen. Auch hier muss sehr genau geprüft werden, wann der Patient wieder aktiv werden darf.

 

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Nebenwirkungen
Auftretende Nebenwirkungen hängen von vielen Faktoren ab: Die Nebenwirkungen oder unerwünschten Begleiterscheinungen aller synthetischen Arzneimittel sind nach Art und Ausprägung von vielerlei abhängig. Dazu gehören vor allem der jeweilige Wirkstoff (jeder hat andere Begleiterscheinungen), die Dosierung (je höher, desto mehr), der Behandlungsabschnitt (am meisten zu Beginn), die Empfindlichkeit (große individuelle Unterschiede), ggf. zusätzliche Medikamente (Arzneimittel-Wechselwirkungen) sowie weitere Faktoren: persönliche Einstellung, Aufklärungsstand und damit Belastbarkeit von Patient und Familie, Einflussnahme von Bekannten, aber auch Medienberichte usw. Beachten Sie auch unseren Hinweis zu "Beipackzetteln". Die wichtigsten Nebenwirkungen synthetischer Arzneimittel sind:
Herz- und Kreislaufstörungen.
  • Herz- und Kreislaufstörungen: z. B. Pulsbeschleunigung und Blutdrucksenkung. Deshalb abrupte Lageänderungen meiden, vor allem morgens beim Aufstehen: langsam aufsitzen, nicht zu schnell bücken usw. Empfehlenswert sind Bürstenmassagen (morgendliches Trockenbürsten) und Wechselduschen (mit kalt abschließen), angepasstes körperliches Training, z. B. der ohnehin schon stimmungsstabilisierende "tägliche Gesundmarsch bei Tageslicht".
Trockene Schleimhäute:
  • Trockenheit der Schleimhäute mit Durstgefühl, Trockenheit von Mund-, Nasen- und Rachenschleimhaut, gelegentlich Blutungen. Bei der Mundtrockenheit hilft häufiges Mundspülen und vermehrtes Trinken (leider nur begrenzt wirksam), ferner Kauen/Lutschen von zuckerfreien Süßigkeiten bzw. Kaugummis sowie Eisstücken, Dörrobst, Karotten, Sellerie, Joghurt usw. Wichtig: regelmäßig und häufiger als üblich die Zähne zu putzen und bei Langzeitbehandlung öfter den Zahnarzt aufsuchen. Auch die medikamentöse Anregung der Speichelsekretion ist möglich: Bei der trockenen Nasenschleimhaut spezielle Nasensalbe, bei mangelnder Tränenflüssigkeit bestimmte Augentropen, bei trockener Schleimhaut der Luftröhre medikamentöse Anregung der Bronchialsekretion.
Schweißausbrüche:
  • Schweißausbrüche unabhängig von Temperatur und Tages- bzw. Nachtzeit am ganzen Körper oder einzelnen Körperteilen. Begrenzte Linderungsmöglichkeiten durch Wechselduschen.
Sehstörungen:
  • Sehstörungen vor allem durch Verschwommensehen (Randunschärfe); hinderlich für Schreibtisch-, Hand- und Werkarbeit, besonders aber beim Lesen. Meist gehen diese Beschwerden im Lauf der Behandlung zurück. Manchmal ist es nötig, die Dosis zu reduzieren oder das Antidepressivum auszutauschen.
Zittern:
  • Zittern: Evtl. durch Reduzieren der Dosis oder einen Wechsel des Präparats vermeidbar. Sonst kann der Arzt zur spezifischen, zeitlich begrenzten Linderung spezielle Medikamente einsetzen (z. B. Beta-Rezeptorenblocker).
Störungen im Magen-Darm Bereich:
  • Magen-Darm-Störungen: Vor allem Verstärkung der ohnehin depressionstypischen Stuhlverstopfung, gelegentlich auch Durchfall sowie Verminderung der Magensaftsekretion. Bei Darmträgheit hilft ausreichend Flüssigkeit (schon morgens das bekannte Glas Wasser), ferner ballastreiche Nahrung (Salate, Gemüse, Obst) oder Quellmittel (ggf. Lactulose). Vorsicht mit Abführmitteln (Missbrauchgefahr).
Störungen bei der Blasenentleerung:
  • Blasenentleerungsstörungen vor allem bei Vergrößerung der Vorsteherdrüse. Auch hier kann das Reduzieren der Dosis oder der Wechsel des Präparats helfen, sonst bestimmte Arzneimittel, die das Wasserlassen wieder normalisieren.
Appetit- und Gewichtszunahme:
  • Appetit- und Gewichtszunahmen, besonders durch Süßigkeiten, bis hin zum sog. Kohlenhydrat-Heißhunger. Hier hilft nur Maßhalten und tägliche körperliche Aktivität (Gymnastik, Sport, Turnen, Fahrrad, "Gesundmarsch"). Vorsicht: Schlankheitskuren ohne und mit Appetitzüglern während einer Depression können die Schwermut verstärken!
Sexuelle Störungen:
  • Sexuelle Störungen sind depressionstypische Krankheitszeichen. Sie können durch manche Antidepressiva noch verstärkt werden, gehen jedoch nach Abklingen der Depression und langsamer Dosisreduktion des Antidepressivums wieder zurück. In seltenen Fällen kommt es zu einer schmerzhaften Dauererektion des Penis ohne sexuelle Empfindung. Dann muss umgehend der Arzt aufgesucht werden.
Endokrine Störungen:
  • Weitere endokrine Störungen sind Milchfluss und Zyklusstörungen bei der Frau sowie Brustbildung beim Mann. Nach Absetzen des Medikaments gehen diese Nebenwirkungen wieder zurück. Manchmal hilft Dosisreduktion oder Wechsel des Präparats.
Hauterscheinungen:
  • Hauterscheinungen in jeglicher Form mit und ohne Juckreiz sind möglich. Auch gelegentlich Wasseransammlung in den Geweben (Lider, Gesicht, Fußknöchel). Mitunter sprödes Haar oder Haarausfall (ist aber auch ein Depressionssymptom). Alle Hauterscheinungen gehen nach Abklingen der Depression und "Ausschleichen" des Antidepressivums zurück.
Veränderungen des Blutbildes:
  • Blutbildveränderungen: Es kann zu krankhaften Veränderungen der roten und weißen Blutkörperchen kommen. Darum sollte man bei den Warnsymptomen Fieber, Schluckbeschwerden, Halsschmerzen, Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündung, Schleimhautgeschwüren, eitriger Angina - kurz: grippeähnlichen Beschwerden ohne Grippe - umgehend den Arzt aufsuchen.
Blutgerinnung:
  • Gerinnungssystem: Thrombosen (Blutpfropfbildung) und Embolien (Loslösung dieses Blutpfropfes) am ehesten bei Vorschädigung, im höheren Alter und bei ständig liegenden Patienten.
Epileptische Anfälle:
  • Epileptische Krampfanfälle sind möglich, besonders bei plötzlicher Erhöhung oder Reduktion der Dosis, sehr hohen Dosen oder entsprechender Vorschädigung: Epilepsie, Alkoholismus, Kopfunfall, sonstige schädigende Einflüsse usw. Bei Verdacht auf nächtliche Krampfanfälle, an die sich niemand erinnern kann, auf folgendes achten: morgens Bissmale an Zunge oder Wangenschleimhaut, ggf. blutiges Kopfkissen, Blutergüsse an Armen, Beinen und Kopf, vielleicht sogar Urin- oder Stuhlabgang. Umgehend den Arzt informieren!

Leberstörungen:
  • Leberfunktionsstörungen: vor allem bei entsprechender Vorschädigung. Bei Appetitlosigkeit, Fieber, Muskelschmerzen, Übelkeit, Juckreiz und Gelbfärbung der Haut den Arzt informieren!
Schilddrüse:
Wachheit:
  • Wachheitsgrad: Einige Antidepressiva beeinflussen die Wachheit (Fachausdruck: Vigilanz, andere können sogar leicht aktivieren. Die Mehrzahl der Antidepressiva aber dämpft die innere Unruhe. Damit verstärkt sich die meist schon vorbestehende Mattigkeit und sogar die oft beklagten Merk- und Konzentrationsstörungen. Diese Dämpfung dient der Erholung, zumal man während einer Depression ohnehin zu keiner besonderen Leistung mehr fähig ist. Trotzdem kann diese medikamentös bedingte Ruhigstellung lästig sein, weshalb man die Hauptdosis der dämpfenden Antidepressiva auf Abend und Einschlafzeit legt.
Verwirrtheit:
  • Verwirrtheitszustände drohen vor allem durch zu raschen Dosisanstieg, hohe Dosen allgemein, die Kombination mehrerer Arzneimittel mit ähnlicher Wirkung (z. B. Antidepressiva und dämpfende sowie antipsychotisch wirkende Neuroleptika), vor allem aber bei Vorschädigung des Gehirns sowie im höheren Lebensalter (d. h. ab dem 50. Lebensjahr). Sie beginnen häufig mit beunruhigenden Träumen, Angst, Umtriebigkeit, Herzrasen, schneller Atmung, Harnverhaltung, Darmträgheit, Temperaturerhöhung, mit warmer und trockener Haut, großen Pupillen und Rötung des Gesichts. Meist sind die Patienten ratlos, wo sie sich befinden, wie spät es ist usw. Manchmal kommt es sogar zu Sinnestäuschungen im Bereich von Sehen, Hören, Fühlen usw. Wenn sich so etwas abzuzeichnen beginnt, muss umgehend der Arzt aufgesucht werden.

 

Keine Panik vor Beipackzetteln Diese lange Liste von möglichen Nebenwirkungen, die auch auf Beipackzetteln zu finden ist, muss noch einmal erklärt werden. Laut Gesetz müssen   a l l e   jemals beobachteten Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel aufgelistet werden. Dabei ist es unwichtig, wie schwer und wie häufig sie aufgetreten sind. Auch äußerst seltene Nebenwirkungen müssen auf den Beipackzettel. Das führt dann zu dieser langen Liste und zu einer Verunsicherung der Betroffenen und der Angehörigen. Dabei müssen die Nebenwirkungen nicht bei jedem auftreten. Die Liste hilft aber, in einem solchen Fall sofort zu reagieren und den Arzt zu befragen. Insgesamt zeigen die Erfahrungen vor allem der modernen Medikamente, dass Nebenwirkungen wie Übelkeit, Mundtrockenheit oder Schwindel zwar zu Beginn einer Behandlung häufiger auftreten. Sie sind aber meistens nicht schwer ausgeprägt und verschwinden bei der Fortsetzung der Behandlung nach einiger Zeit.

 

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Antidepressiva mit besonderen Nebenwirkungen
MAO-Hemmer: Mono - Amino - Oxidase - Hemmer. Die bisher aufgezählten Nebenwirkungen sind bei der überwiegenden Mehrzahl der Antidepressiva üblich. Daneben gibt es aber noch eine besondere Gruppe von Antidepressiva, die Mono-Amino-Oxidase-Hemmer (MAO-Hemmer). Sie haben ihre speziellen Vor- und Nachteile bzw. Gegenanzeigen. Einzelheiten dazu wird der Arzt erläutern, wenn er sie verordnet; außerdem lassen sie sich im Beipackzettel nachlesen. Ein besonderes Problem bei der älteren Generation dieser Antidepressiva ergibt sich bei zusätzlichem Konsum folgender Genus- und Lebensmittel: bestimmte Käse-, Fisch-, Wurst-, Obst- und Gemüsesorten, ferner Alkohol usw. Von den möglichen Nebenwirkungen ist ein krisenhafter Blutdruckanstieg die schwerwiegendste Folge. Die Patienten klagen dann über Hinterhauptkopfschmerz, Nackensteifigkeit, Herzstolpern, Herzrasen oder langsamen Herzschlag, über Fieber, Schwitzen, Lichtscheu, Übelkeit, Brechreiz, Beklemmungsgefühl usw. Dazu kommt es allerdings selten, besonders wenn man die erwähnten Genuss- und Nahrungsmittel meidet. Außerdem konnte dieses Problem bei einem neuen Produkt der MAO-Hemmer deutlich entschärft werden.

 

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Neue Generation von Antidepressiva
Bessere Verträglichkeit Eine neue Generation von Antidepressiva sind die "selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer" (SSRI). Sie wirken ähnlich wie die zuvor erwähnten Antidepressiva, unterscheiden sich von ihnen aber in ihrer chemischen Zusammensetzung und pflegen nach den bisher vorliegenden Erfahrungen besser verträglich zu sein. So fehlen z. B. die Nebenwirkungen der älteren Antidepressiva weitgehend. Dafür finden sich gelegentlich Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und innere Unruhe.

Eine Weiterentwicklung sind die selektiven Serotonin-Noradrenalin- Wiederaufnahmehemmer (SSNRI), die noch gezielter den Botenstoffmangel bei Depressionen ausgleichen.

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