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Narben und Narbenbehandlung:
Was geschieht bei der Wundheilung?

Die unterschiedlichen Prozesse verlaufen nahezu gleichzeitig.

Bei jeder blutenden Verletzung versucht der Körper, so schnell wie möglich den entstandenen Schaden zu reparieren. Dabei laufen sehr viele Reparaturprozesse gleichzeitig ab, die die Wunde verschließen und eine Infektion verhindern sollen. Versucht man, dieses komplexe Geschehen zu strukturieren und in verschiedene Schritte zu untergliedern, so kann man sie in folgende Kategorien einteilen:
  • Gefäßreaktion
  • Blutgerinnung
  • Entzündung
  • Gewebeneubildung

 

Eine Wunde wird so schnell wie möglich mit einem Blutpfropf geschlossen, um den Blutverlust zu minimieren. Gleichzeitig werden Immunzellen aktiviert.

Bei der Gefäßreaktion laufen verschiedene Prozesse schnell hintereinander ab. Zu Beginn blutet eine Wunde meistens heftig. Dadurch werden bei der Verletzung eingedrungene Fremdkörper oder auch Gewebetrümmer aus der Wunde gespült. Aber schon wenige Sekunden danach reagieren die verletzten Blutgefäße. Sie werden enger, damit nicht so viel Blut verloren geht. Dieses Zusammenziehen der Gefäße nennt man Vasokonstriktion. Als Folge der Verengung bildet sich ein Blutgerinnsel, das wie ein Pfropfen das Blutgefäß abdichtet. Die Wundränder stülpen sich nach innen und erleichtern so den Verschluss des Blutgefäßes. Gleichzeitig wird über das Verklumpen der Thrombozyten die Blutgerinnung eingeleitet. Dann weiten sich die Blutgefäße wieder. Die Weitung der Blutgefäße nennt man Vasodilatation. Durch die jetzt wieder stärkere Durchblutung wird vermehrt Wärme in die Umgebung abgegeben und die Hauttemperatur im betroffenen Gebiet steigt an, die Haut rötet sich. Gleichzeitig wird die Durchlässigkeit der kleinen Kapillarwände, das sind die Wände der kleinsten Blutgefäße, erhöht. Dadurch werden vermehrt Blutzellen in den Wundbereich transportiert. Auch in den Zellzwischenräumen, dem Interstitium, befindet sich jetzt mehr Serum. Als Folge dieser Mechanismen bildet sich ein Stau in den Gefäßen. Dieser Stau kann stundenlang anhalten und zu einem Wundödem (vermehrte Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe rund um die Wunde) führen. Der erhöhte Druck führt außerdem zu Schmerzen. Insgesamt sind diese Reaktionen (Rötung, Erwärmung, Schwellung, Schmerz) typische Zeichen einer Entzündung, die eine normale Reaktion bei jeder Verletzung ist. Mit dem Blut wandern auch vermehrt Zellen der Immunabwehr in den Bereich der Wunde. Diese Einwanderung wird durch die Entzündung noch verstärkt. Die Abwehrzellen haben die Aufgabe, eingedrungene Fremdkörper, Erreger und Zelltrümmer zu beseitigen. Die zusammen mit der Gefäßreaktion einsetzende Blutgerinnung ist ein komplexer Vorgang mit dem Ziel, die "behelfsmäßige Blutstillung" durch die Gefäßreaktion zu einer haltbaren Reparatur auszubauen. Der lockere Blutpfropf, der das verletzte Blutgefäß verschließt, bildet sich unter dem Einfluss verschiedener Eiweiße, der sogenannten Blutgerinnungsfaktoren, um. Es wird mit einem festen Fibrinnetz ummantelt. Schließlich lagert sich noch Bindegewebe ein und es kommt zu einem haltbaren Verschluss der Wunde.

 

Um die Wunde dauerhaft zu bedecken, muss Gewebe neu gebildet werden.

Mit diesem Verschluss ist die Wundheilung aber noch nicht abgeschlossen. Es muss sich noch neues Gewebe bilden, dass am Ende die Wunde mit einer dauerhaften Narbe verschließt. Die Gewebeneubildung bis hin zur Ausbildung der Narbe, verläuft in verschiedenen Schritten. Schon sehr bald, etwa drei Tage nach Entstehung der Wunde, beginnen sich neue Blutgefäße zu bilden. Dabei werden vom Wundgewebe Substanzen abgesondert, die auf die feine innere Schicht, die Endothelschicht der bestehenden gesunden Blutgefäße einwirken. Zellen dieser feinen Endothelschicht beginnen in Richtung des verletzten Gewebes zu wandern. Dabei bilden sie röhrenförmige Gebilde, die sich schließlich zu neuen Gefäßen entwickeln. Dieser Vorgang wird Vaskularisation genannt. Zuerst bilden sich sehr viele neue Blutgefäße, die nicht alle gebraucht werden. Diese bilden sich dann später wieder zurück. Gleichzeitig mit der Gefäßneubildung muß auch neues Bindegewebe entstehen. Dieses neue Gewebe, das u. a. aus Kollagenfasern besteht, beginnt von den Rändern der Wunde langsam nach innen zu wachsen. Dabei werden zunächst entlang des Fibrinnetzes, das den Thrombus  durchzieht, Fibroblasten angelagert, die sich sehr schnell teilen. Sie stellen die Gewebegrundsubstanz her, die u. a. aus Kollagenfasern bestehen. Die Kollagenfasern sind wichtig für die Festigkeit des neuen Gewebes. Normalerweise, im gesunden Gewebe, richten sich Kollagenfasern nach bestimmten Hauptzugrichtungen aus. Das kann das neu geschaffene Gewebe nicht, weil ihm sozusagen die Orientierung fehlt. Das ist der Grund dafür, dass Narbengewebe und gesundes Gewebe anders aussehen.

 

Leichte Feuchtigkeit fördert die Gewebeneubildung.

Dieses neue Gewebe, das von vielen Blutgefäßen durchzogen ist, hat ein körniges Aussehen. Deshalb wird es auch Granulationsgewebe genannt. Bei der sekundären Wundheilung kann man es leicht auf dem Grund einer Wunde an den kleinen roten Fleischwärzchen erkennen. Das Granulationsgewebe ist sehr wichtig. Es bildet die Voraussetzung für die dauerhafte Heilung einer Wunde. Außerdem füllt es die Wunde von unten her aus. Mit der Gewebeneubildung fängt die Wunde an, sich langsam zusammenzuziehen. Dies geschieht, weil sich nach und nach im Granulationsgewebe Zellen einlagern, die ähnlich wie Muskelzellen, kontrahieren. Bei diesem Prozess richten sie die Kollagenfasern entlang der Zugrichtung aus. Abschließend bildet sich über dem Granulationsgewebe eine neue Hautschicht. Diesen Vorgang nennt man Epithelisation. Dabei werden in der Basalschicht der Epidermis vermehrt neue Epithelzellen gebildet, die dann auf dem feuchten Granulationsgewebe vom Wundrand aus die Wunde überziehen. Für diesen Vorgang ist ein gut ausgebildetes feuchtes Granulationsgewebe sehr wichtig. Trocknet das Granulationsgewebe aus, so können die Zellen nicht wandern und die Epithelisation ist unterbrochen.

 

Am Ende der Wundheilung entstehen Narben.

Am Ende aller Gewebeneubildungsprozesse entsteht eine Narbe. Die Narbe überragt zunächst die gesunde Haut und hat eine rötliche Farbe. Je stärker sich aber das Bindegewebe strafft, desto stärker geht auch die Durchblutung der Narbe zurück. Das Narbengewebe sinkt leicht ein und wird blass. Im Gewebe der Narbe sind keine Haare, Talg- oder Schweißdrüsen eingelagert. Auch die für die Hautfarbe verantwortlichen Melanozyten fehlen im Narbengewebe. Deshalb bleibt die Narbe weiß. Die Umbauprozesse in einer Narbe können bis zu 20 Jahren andauern. Das liegt daran, dass sich die Kollagenfasern nur langsam umstrukturieren.

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