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Angst

Unterscheidung von normaler, angemessener und krankhafter Angst
Inhaltsübersicht:
Was ist normale Angst?
Angst als Ausdruck unserer Zeit
Was ist krankhafte Angst?

Krankheitszeichen einer Angststörung?
-  Psychische Krankheitszeichen
-  Körperliche Folgen
Die häufigsten Angstfolgen und ihre Ursachen
Was tun?

 

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Was ist normale Angst?
Angst ist ein Warnsignal.
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Als Warn- und Alarmsignal hilft die Angst - ähnlich wie der Schmerz - auf Bedrohungen aufmerksam zu machen. Nur wenn man eine Gefahr erkennt, kann man sie auch bewältigen. Darum ist die Angst lebensnotwendig und zunächst einmal etwas Positives.

 

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Angst als Ausdruck unserer Zeit
Ob gerade wir im Zeitalter der Angst leben, wie immer wieder behauptet wird, ist mehr als fraglich. Es gibt aber einige Entwicklungen, die diesen Eindruck entstehen lassen.

 

Der tägliche Informationsstrom. "Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten", heißt es unter Journalisten. Die meisten Menschen sind weitaus interessierter an dramatischen Meldungen bis hin zu Katastrophen, als an positiven Nachrichten - und wir bekommen sie deshalb auch aus dem hintersten Winkel dieser Erde. Wenn man aber Tag für Tag so viel angstmachende Informationen aufnehmen muss, dann bleibt das für den eigenen Gemütszustand nicht ohne Folgen. Man beginnt, diese Welt als beängstigend zu empfinden. Zwar soll man vor dem Elend dieser Erde nicht die Augen verschließen; man sollte aber auch erkennen, dass der dichte Informationsstrom der Massenmedien seinen Preis hat.

 

Angst als Modetrend. Angst kann auch als Erkennungszeichen, gleichsam als Ausweis einer besonderen Empfindsamkeit und menschlichen Qualität missbraucht werden. Jeder kann sich mit Recht in Pessimismus, Resignation oder Depressivität zurückziehen - oder in verzweifelte Aggressionen ausbrechen. Wer jedoch das Positive sucht, der findet trotz allem erstaunlich viel Vertrauen, Optimismus und Zufriedenheit, ja sogar Dankbarkeit.

 

Besondere Angstursachen in unserer Zeit. Sicher haben wir nicht mehr Angst auszustehen, als die Generationen z. B. vor, während und zwischen den großen Kriegen. Aber auch wir haben unsere Ängste wie wachsende Kriminalität, Rauschdrogen, Umweltzerstörung, Klimaveränderung, Rohstoffschwund, Arbeitslosigkeit usw.

 

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Was ist krankhafte Angst?
Jeder kennt die Angst. Wann wird sie zur Krankheit?
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Kein Mensch kann behaupten, noch nie Angst gehabt zu haben. Aber so wenig wie jede Stimmungsschwankung gleich eine krankhafte Depression ist, so wenig ist jede Befürchtung gleich eine krankhafte Angst. Leider wird beides oft gleichgesetzt. Das aber ist verhängnisvoll. Denn dann gewohnt man sich leicht daran, die quälenden Gemütskrankheiten Angst und Depression mit alltäglichen Gefühlsreaktionen gleichzusetzen. Die wirklich ernsthafte Erkrankung wird dann nicht rechtzeitig erkannt. Die krankhafte Angst ist nicht nur lästig oder unangenehm, sondern beeinträchtigend, behindernd, demütigend, peinigend, ja gefährlich, wenn sie den Betroffenen in dunkle Selbsttötungsgedanken treibt.

 

Bei Angst muss man folgendes beachten: Es ist deshalb wichtig, normale Alltagsängste von krankhaften Ängsten zu unterscheiden. Eine solche krankhafte Angst, die man in der Medizin als Angststörung bezeichnet, ist vor allem gekennzeichnet durch:
Dauer:
  • Immer längere Dauer und immer häufigeres Auftreten entsprechender Angstzustände.
Unfähigkeit der Überwindung:
  • Die Unfähigkeit, diese Angstzustände auf Dauer durch eigene Anstrengungen zu überwinden.
Unangemessene Ängste:
  • Unangemessene Angstzustände, d. h. die Lebensbedingungen können diese Angstzustände nicht erklären.
Typische Beschwerden:
  • Charakteristische Beschwerden oder auch ihr plötzliches, fast überfallmäßiges Auftreten, z. B. bei den Panikzuständen.

 

Krankheitszeichen bei krankhafter Angst: Ein bereits fortgeschrittenes Stadium krankhafter Angst ist durch folgende Krankheitszeichen gekennzeichnet:
Rückzug und Vermeidung von entsprechenden Situationen.
  • Zunehmendes Vermeidungs- und Rückzugsverhalten: Wenn eine Situation oder ein Ort Angst machen, versucht man der Situation auszuweisen oder den Ort zu meiden. Das ist normal. Wenn es sich aber um etwas Alltägliches handelt, dann neigt der Angstpatient dazu, sich unter Vorwänden aus dem Alltag zurückzuziehen. Dadurch verliert er immer mehr an zwischenmenschlichem Kontakt, gerät langsam in Vergessenheit und damit Isolation.
Selbstbehandlung mit Genussmitteln, Medikamenten und Drogen.
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Selbstbehandlung aussuchen
  • Selbstbehandlungsversuche mit Genussmitteln (Alkohol, Nikotin), Medikamenten (Beruhigungs-, Schlaf- und Schmerzmittel), ggf. Rauschdrogen (Haschisch/Marihuana usw.). Dabei ist nicht nur die drohende Suchtgefahr zu beachten, sondern auch die schleichende Entwicklung einer sog. "psychologischen Krücke". D. h., der Betroffene bewältigt den Alltag nur noch mit "chemischer Hilfe" und erlahmt immer mehr bei dem Versuch, die Probleme durch eigene Willenskraft zu lösen.
Überkompensation
  • Sogenannte Überkompensationsversuche im zwischenmenschlichen Bereich (Partnerverhalten, Familie, Freundeskreis), auf beruflichem Gebiet und sogar im sportlichen Bereich. Ein typisches Beispiel ist der Begriff "Angstbeißer", den es keineswegs nur unter kleinen Hunden gibt.

 

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Welche Krankheitszeichen können auf eine Angststörung hinweisen?
Es gibt seelische und körperliche Anzeichen für eine Angststörung. Die meisten Krankheitszeichen seelischer Leiden sind natürlich seelischer Natur. Einige aber äußern sich auch körperlich, ohne dass der Arzt eine organische Ursache feststellen kann. Das nennt man dann psychosomatisch oder auch funktionelle Störungen, weil die Organe, Gelenke usw. nicht mehr richtig zu funktionieren scheinen, obwohl sie nicht krankhaft verändert sind.

 

Trotz einzelner Krankheitszeichen muss nicht unbedingt eine Angststörung bestehen. Die nachfolgenden Krankheitszeichen können mit einem Angstzustand zusammenhängen. Es kann sich aber auch um ein anderes Beschwerde- bzw. Krankheitsbild handeln. Die Diagnose ergibt sich aus einer mehr oder weniger charakteristischen Zusammenstellung der Krankheitszeichen und ist Aufgabe des Arztes. Für den Betroffenen und seine Angehörigen dient diese Aufstellung nur dazu, den belastenden gesundheitlichen Zustand rechtzeitig als Störung zu erkennen und dem Arzt gezielt zu schildern.

 

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Seelische, psychosomatische und psychosoziale Krankheitszeichen
Es gibt eine große Anzahl psychischer Krankheitszeichen. Empfinden, etwas unbestimmbar Drohendem hilflos ausgeliefert zu sein. Dadurch innerlich unruhig, nervös, gespannt, fahrig. Aber auch missgestimmt, reizbar, schließlich aggressiv ("reizbare Schwäche"). Leicht durcheinander zubringen, schreckhaft, ruhelos und getrieben. Unter Umständen interesselos, mit zunehmenden Merk- und Konzentrationsstörungen oder ausgeprägter Vergesslichkeit. Resigniert, freudlos, bedrückt, verzweifelt. Unfähig zu entspannen, die richtig ausgeruht, unfähig, sich zu regenerieren. Rasch erschöpfbar, matt, kraftlos. Gefühlslabil bis zur Rührseligkeit. Zunehmendes Vermeidungsverhalten, was angstmachende Orte, Situationen usw. betrifft. Dadurch Gefahr von Rückzug und Isolation. Schließlich sogar gemütsmäßiges Erkalten im zwischenmenschlichen Bereich. Wachsende Sorgenbereitschaft, Neigung zum furchtsamen Vorausahnen. Gefühl der Unwirklichkeit, des Weit-entfernt-Seins, der Beengung, der Ohnmachtsnähe usw.

 

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Körperliche Folgen
Körperliche Folgen müssen genau beobachtet werden. Dumpfer Kopfdruck. Lästige Mundtrockenheit. Hautblässe, vor allem im Gesicht. Pupillenerweiterung und angstvoll aufgerissene Augen. Zähneknirschen, insbesondere im Schlaf. Ohrensausen, sonstige Ohrengeräusche. Sehstörungen (z. B. Flimmern vor den Augen). Gepresste oder zitternde Stimme. Klopfen in den Gefäßen (Schläfen, Hals). Schwindel wie Drehen, Kreiseln, Schwanken, völlige Unsicherheit. Herzbeschwerden jeglicher Art: Herzdruck, Herzklopfen, Herzjagen, Herzstolpern, Herzstechen usw. Atembeschwerden: Atemenge, hechelnde Atmung. Würgegefühle im Hals ("Kloß"). Gänsehaut, Kälteschauer. Ständige Schweißneigung oder gelegentliche (unmotivierte) Schweißausbrüche, auch örtlich begrenzt (Handflächen, Rücken, Achseln, Gesicht). Appetitlosigkeit, bisweilen auch Anfälle von Heißhunger. Magen-Darm-Störungen: Übelkeit, Sodbrennen, Völlegefühl, Blähungen, diffuser Magendruck, Gefühl, als "senke sich der Magen" oder als flatterten "Schmetterlinge im Bauch". Druck und Schmerzen vor bzw. nach den Mahlzeiten bis hin zu Magen- und Darmkrämpfen. Verstopfung, noch häufiger Durchfallneigung. Nachlassen von sexuellem Verlangen und Potenz. Störungen der Monatsblutung. Harndrang mit vermehrtem und häufigem Wasserlassen. Ein- und Durchschlafstörungen. Alpträume. Zittern der Hände, ggf. generelle Zitteranfälle. Vermehrte, meist unregelmäßig verteilte Muskelverspannung mit Muskelschmerzen und Muskelsteife, Muskelzuckungen im Bereich der Augenlider, der Mundwinkel, sonstige Gesichtsmuskel, im Nacken- und Schulterbereich, an den Fingern, den Beinmuskeln usw. Bisweilen verminderte Muskelspannung bis hin zur Kollapsgefahr ("weiche Knie", "wie auf Watte"). Diffuse Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen, Reißen an Armen und Beinen, im Gesicht, am Rumpf.

 

Zusammenfassung der Angst-Symptome: Die wichtigsten Angst-Symptome (nach Margraf):
  • weiche Knie oder Beine
  • schwindelig oder wie benommen
  • wackelig oder schwankend
  • zittrig
  • allgemeines Schwächegefühl

 

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Die häufigsten Angstformen und ihre Ursachen
Ursachen der Angststörungen: Hat sich der Verdacht auf einen Angstzustand bestätigt, muss der Arzt versuchen, die Ursache dieser Angststörung herauszufinden.

 

1. "Normale", also angemessene Angst. Sie kann von der reinen Befürchtung oder Besorgnis, wie wir sie alle kennen, bis hin zu durchaus belastenden Angstzuständen mit zusätzlichen seelischen und sogar körperlichen Beschwerden reichen. Selbst nachvollziehbare Angst kann quälende Ausmaße annehmen.

 

Bewältigung: Aber: "Normale Angst" ist im allgemeinen durch eigene Initiative und entsprechende Bewältigungsmethoden zu lösen. Dazu gehören vor allem Aussprache und körperliche Aktivität, die die Angst regelrecht abführen. Vor allem aber eines: fällt die Ursache weg, geht auch die Angst zurück.

 

2. Angststörungen auf körperlicher Grundlage. Es ist zu wenig bekannt, dass auch eine Reihe von organischen Leiden Angstzustände auslösen kann. Manchmal steht die Angst sogar so im Vordergrund, dass die begleitenden körperlichen Krankheitszeichen lange nicht als störend empfunden oder überhaupt bemerkt werden. Dazu gehören Angstzustände durch Überfunktion der Schilddrüse oder Unterzuckerung bei Diabetes mellitus. Ferner die Herzangst, etwa nach schweren Herzleiden oder -Operationen. Angstzustände drohen auch vor, während und nach epileptischen Krampfanfällen sowie nach sonstigen Beeinträchtigungen des Zentralen Nervensystems durch Schädel-Hirn-Unfall, Hirntumor, Hirnhautentzündung, aber auch Vergiftung (Alkohol, Rauschdrogen, Medikamente, gewerbliche Gifte).

 

Behandlung: Die Behandlung der Angststörungen durch organische Leiden besteht vor allem in der Therapie der zugrunde liegenden Krankheit.

 

3. Angstzustände auf seelischer Grundlage. Auch seelische Krankheiten können neben ihren spezifischen Krankheitszeichen, wie Wahn, Sinnestäuschungen, Schwermut usw., mit Angstzuständen einhergehen. Dazu gehören die schizophrene Psychose, die schizoaffektive Psychose (hier treten Schizophrenie, Depression oder Manie zusammen oder kurz hintereinander auf), sonstige Wahnkrankheiten, ferner Depressionen, neurotische Entwicklungen usw. Und nicht zuletzt die schon erwähnten Suchtkrankheiten, und zwar sowohl während des Missbrauchs, als auch im Entzug und oft noch lange danach.

 

Behandlung: Die Therapie besteht ebenfalls in der Behandlung der zugrunde liegenden Krankheit, d. h. durch entsprechende Arzneimittel, aber auch psychotherapeutische Maßnahmen.

 

4. Sogenannte primäre Angststörungen. Bei den sog. primären Angststörungen ist die Angst nicht nur ein besonders quälendes Krankheitszeichen, sondern das eigentliche Krankheitsbild. Früher kannte man vor allem die Angstneurose, eine mehr diffuse, allgemeine Angststörung, sowie die Phobien, also zwanghafte Angststörungen. Heute spricht man in der Medizin von generalisiertem Angstsyndrom, Sozialphobie, Agoraphobie, spezifischen Phobien, vom Paniksyndrom, Zwangssyndrom und von der posttraumatischen Belastungsreaktion.

 

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Was tun?
Angst wird häufig viel zu spät erkannt. Zwar ist die Angst in aller Munde, doch erkennt man sie als krankhafte Störung oft zu spät. Und selbst, wenn sie immer deutlicher wird, quält man sich viel zu lange mit den Fragen: Vergeht die Angst von selbst wieder? Soll ich wirklich wegen Angstzuständen einen Arzt aufsuchen? Wird er mir helfen können? Oder noch bedenklicher, vor allem beim männlichen Geschlecht: Kann ich mir überhaupt leisten, Angstzustände zuzugeben? Ist das nicht ein Zeichen von Schwäche?

 

Angst wird häufig aus falschen Gründen verschleppt. Kurz: Angststörungen sind nicht nur schwer erkennbar, sie werden auch aus vielerlei Gründen oft verschleppt. Das ist das Tragische an diesem Leiden. Schmerzzustände werden bis zu einer gewissen Grenze und Dauer ertragen, dann geht man zum Arzt, und zwar ohne Hemmungen. Angststörungen dagegen werden lange verdrängt, dann nicht ernst genommen, schließlich als zu peinlich empfunden, um darüber zu reden oder gar den Arzt zu konsultieren. Deshalb:
Beschwerden ernst nehmen.
  • Nehmen Sie ihre Beschwerden ernst. Sie sollen kein klagsamer Zeitgenosse werden, aber Ihr Leiden auch nicht verschleppen.
Hinweise sammeln.
  • Sammeln Sie verwertbare Hinweise - allein oder mit Angehörigen und Freunden. Suchen Sie dann rechtzeitig Ihren Arzt auf. Und tun Sie, was er Ihnen empfiehlt.
Keine Selbstbehandlung.
  • Arbeiten Sie mit, aber vermeiden Sie unkontrollierte Selbstbehandlungsversuche.
Holen Sie sich Rat.
  • Sie, Ihr Arzt und - falls möglich - Ihre Angehörigen sind eine Therapiegemeinschaft. Wenn Sie den Rat anderer beherzigen oder sich fachlich belesen, ist das sinnvoll, muss aber bei Änderungswünschen mit dem Arzt besprochen werden. Sonst entsteht ein mehrgleisiges Behandlungskonzept, das eher behindert als weiterhilft.
Haben Sie Geduld.
  • Haben Sie vor allem Geduld. Angstzustände sind in der Regel keine Störung, die man rasch in den Griff bekommt. Angstlösende Medikamente können hilfreich sein, aber eine Lösung des zugrunde liegenden Problems sind sie nicht. Das bleibt Ihre eigene Aufgabe. Und wenn sie zu resignieren drohen, denken Sie daran:
Nutzen Sie ihre Chance.
  • Angstzustände weisen nicht nur auf äußerliche Bedrohungen, sondern auch auf innerseelische Konflikte hin. Angstzustände - erkannt, bearbeitet und bewältigt - können auch ein Beitrag zur Selbstfindung, ja zur Persönlichkeitsentfaltung sein.

 

 

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