Auf ihrem Slalom durch den Verdauungstrakt wird den Nahrungsmitteln
ununterbrochen Feuchtigkeit und natürlich die verwertbaren Nährstoffe entzogen. Am Ende dieses Weges
steht die relativ feste Masse des Kots.
Die Welle im Darm
Die Fortbewegung im Darm ist dabei besonders wichtig. Sie wird durch das
ringförmige Zusammenziehen und wieder Loslassen der Darmmuskulatur erreicht. Es entsteht
eine Welle, die sogenannte Darmperistaltik, die den Nahrungsbrei "vor sich her
schiebt". Angeregt wird die Darmperistaltik durch Reize, die aus dem Füllungszustand
des Darms entstehen. Deshalb sind Quellstoffe in der Nahrung so wichtig.
Das Bewegungsvermögen des Darms, das auch als Motilität bezeichnet wird,
kann gestört sein. Sind die Muskelbewegungen zu langsam, so bleibt die Nahrung sehr viel
länger im Darm. Der Darm stellt aber seine anderen Funktionen nicht einfach ein. Die
ganze Zeit entzieht er dem Nahrungsbrei weiter Flüssigkeit. Das Ergebnis ist eine
Verstopfung.
Die weitaus häufigste Ursache für eine Verstopfung ist eine Ernährung, die arm an Ballaststoffen und Wasser und reich an Fett und Zucker
ist. Wir essen zu viel Fleisch, Käse,
Eier und Süßes und unser Darm wird durch die ungünstige Zusammenstellung der
Lebensmittel immer träger. Der Grund: Diese Nahrungsmittel werden häufig vollständig
verwertet. Die wichtigen Ballast- und Quellstoffe, die nicht verdaut werden können,
fehlen.
Die Menge macht's
Ballaststoffe sind äußerst wichtig
für die Verdauung. Sie quellen im Darm auf und regen so die Darmbewegung an. Gleichzeitig
machen sie den Stuhl weich und gleitfähig. Allein durch das Volumen wird die
Darmtätigkeit angeregt.
Die Körperzellen und der Verdauungstrakt brauchen laufend Wasser
Natürlich müssen Sie immer genügend trinken, denn auch Wasser ist ein sehr wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung. Da der Körper zu 75 Prozent
aus Wasser besteht, braucht er immer genügend Nachschub. Trinken wir zu wenig, nützen
auch genügend Ballaststoffe für eine gesunde
Verdauung nicht viel, weil sie die Flüssigkeit brauchen, um aufzuquellen. Dann streitet
sich der Darm mit den Körperzellen um das bisschen Flüssigkeit, das ihm zugeführt
wurde. Diesen Streit verliert der Darm meistens und die Folge ist auch hier eine
Verstopfung.
Sie fragen sich sicher, was Bewegung mit der Verdauung zu tun hat.
Schließlich soll man es nach dem Essen eher ruhig angehen lassen und nicht gleich eine
"Sportstunde" einlegen.
Die Bauchmuskeln unterstützen die Darmtätigkeit
Aber die Verdauung von Nahrungsmitteln dauert ja nicht nur eine Stunde.
Der Darm ist damit durchschnittlich drei Tage beschäftigt. Um die Darmtätigkeit
anzuregen ist eine "Massage" der Bauchdecke hilfreich. Normalerweise
unterstützt die Bauchmuskulatur die Darmtätigkeit. Bei Bewegungsmangel werden die
Bauchmuskeln schnell schlaff und faul. Etwas Bauchmuskeltraining wirkt sich daher
fördernd auf die Darmtätigkeit aus. Den gleichen Effekt hat die Bauchatmung, die heute
fast in Vergessenheit geraten ist.
Übertriebene Reinlichkeit ist ein ernstes Hindernis
Viele Menschen machen sich ihre (chronische) Verstopfung selbst. Das kann
der Fall sein bei Menschen, die peinlich genau auf Sauberkeit achten. Wenn dann der
Stuhldrang kommt und nur eine fremde "unsaubere" Toilette zur Verfügung steht,
wird der Drang oft unterdrückt. Die Abneigung, eine fremde Toilette zu benutzen kann so
groß sein, dass diese Menschen tagelang ihren Stuhldrang unterdrücken, nur weil er immer
zur "unpassenden" Zeit erfolgt.
Wer keine Zeit hat, ist selbst schuld
Menschen, die viel Hektik und Stress haben, bilden sich oft ein, für
etwas so "Unwichtiges" wie den Stuhlgang keine Zeit zu haben. Auch sie
unterdrücken in entsprechenden Situationen den Stuhldrang und schaffen sich so ihre
Verstopfung selbst.
Der Darm lässt sich nicht gerne zwingen
Andere versuchen darauf zu achten, dass ihr Stuhlgang regelmäßig ist.
Sie gehen zur Toilette, auch wenn sie gar nicht müssen. Da sie aber glauben, der
tägliche Stuhlgang muss sein, schaffen sie sich häufig Misserfolgserlebnisse. So geraten
sie in einen Teufelskreis von Erwartung und Misserfolg, der auch zu einer Verstopfung
führen kann.
Die ganz "normale" Verstopfung
Das Auftreten einer Verstopfung bei Reisen oder nach einem Umzug gilt als
normale Anpassungserscheinung und ist kein Grund zur Besorgnis. Meistens reguliert sich
der Stuhlgang nach einer Weile von selbst wieder.
Verstopfung ist für viele Menschen ein Tabuthema. Das führt dazu, dass
die Selbstbehandlung überwiegt. Eine medizinische Untersuchung oder Beratung findet oft
nicht statt. Häufig führt das zu einem verfrühten und zu häufigen Gebrauch von
Abführmitteln. Der Missbrauch der meisten Abführmittel
kann zu einer Verstopfung führen. Wer häufig Abführmittel nimmt, gewöhnt seinen Darm
an diese Hilfe. Die Folge ist, dass der Darm, der ohnehin schon träge war, jetzt noch
fauler wird. Das kann so weit gehen, dass der Darm seine Funktion völlig einstellt.
Dieser Mechanismus gilt auch für einige pflanzliche Abführmittel und den häufigen
Gebrauch von Einläufen. Deshalb sollten Abführmittel nur gelegentlich eingesetzt werden.
Sinnvoller ist es, durch eine Ernährungsumstellung auf eine leichte vollwertige und
abwechslungsreiche Kost dem Darm Zeit zu geben, sich anzupassen. Bei der kologenen Obstipation kann es allerdings sinnvoll
sein, Abführmittel einzunehmen, denn hier versagen häufig die herkömmlichen
Therapieansätze.
Verstopfungen können Zeichen einer Erkrankung sein. Besonders aufmerksam
sollten Sie sein, wenn es bei Ihnen zu einer Verstopfung kommt, obwohl Sie normalerweise
eine geregelte Verdauung haben. Dann kann die Ursache der Verstopfung in einer Verengung
des Darms an einer Stelle liegen. Diese Verengungen werden als Stenosen bezeichnet. Ein kompletter Verschluss wird Ileus genannt. Er ist sehr selten. Die Ursachen
dafür können z. B., Polypen, Divertikulose, Divertikulitis oder Dickdarmkrebs (selten) sein.
Verstopfung kann Begleiterscheinung bei verschiedenen Erkrankungen
sein
Bei einigen Erkrankungen kann eine Verstopfung als Begleiterscheinung
auftreten. Das können Stoffwechselerkrankungen oder hormonelle Störungen sein, oder auch
Erkrankungen den Nervensystems. Hier sind einige Beispiele: