Haut und Haar

Anatomie und Physiologie der Haut
Akne
Allergien
Berufsdermatosen
Bakterielle Erkrankungen der Haut
Ekzeme - Juckflechte
Juckreiz

Haare und Haarerkrankungen
Haarausfall - Alopezie
Kleidung und Haut
Nagel und Nagelerkrankungen
Narben und Narbenbehandlung

Neurodermitis
Parasiten, Ungeziefer, Insekten
Hautpilze
Psoriasis
Sexuell übertragene Erkrankungen
Sonne, Hitze, Kälte
Symptome
Talg- und Schweißdüsen

Tattoos und Piercing
Bösartige Tumore
Gutartige Tumore
Verhornungsstörungen und Erbkrankheiten
Viruserkrankungen der Haut
Vitiligo
Wundmanagement

Psychotherapie bei Neurodermitis

Neurodermitis ist keine psychische Erkrankung

Neurodermitis ist keine psychische, sondern eine körperliche Erkrankung. Aber: Neurodermitis ist psychisch sehr belastend. Psychische Belastungen können auch einen akuten Krankheitsschub auslösen. Diese Zusammenhänge finden Sie im Abschnitt "Psychische Belastung bei Neurodermitis" ausführlich beschrieben.

Die Komplexität der psychischen Einflüsse zeigt deutlich, dass eine psychologische bzw. psychotherapeutische Mitbetreuung der Betroffenen notwendig und sinnvoll ist. Auf diese Weise erhalten die Betroffenen Unterstützung und lernen, mit ihrer Erkrankung umzugehen und trotzdem ein weitgehend "normales" Leben zu führen.

 

Der Betroffene kann selbst viele tun

Grundlage aller psychologischen Therapieansätze ist die größtmögliche Einbeziehung des Betroffenen - er wird nicht passiv therapiert, sondern angeleitet, aus eigener Kraft einen positiven Umgang mit der Neurodermitis zu erlernen. Bereits im Kindesalter sollte damit begonnen werden. Heranwachsende können Erfahrungen sammeln, welche Situationen sich positiv und welche sich negativ auf das Krankheitsbild auswirken. Auch müssen Kinder früh lernen, ihre Hautpflege mit allen Besonderheiten selbst korrekt durchzuführen und irritierende Substanzen zu meiden (s. auch Abschnitt "Hilfreiche Tipps für Betroffene").

 

Aktive Einflussnahme stützt das Selbstwertgefühl

Insgesamt ist die Erfahrung, aktiv Einfluss auf die Erkrankung nehmen zu können, für das Selbstwertgefühl sehr nützlich. Der Betroffene fühlt sich dann dem Krankheitsgeschehen weniger ausgeliefert. Er kann selbst etwas tun, er ist nicht hilflos. Um den Umgang mit der Krankheit und das Verständnis über Neurodermitis zu fördern, sollte - angepasst an das Alter und den Bildungsstand -  Wissen über die Haut, ihre Funktionen sowie das Krankheitsbild Neurodermitis und ihre Therapiemöglichkeiten vermittelt werden.

 

Für die psychologische Betreuung des an Neurodermitis Erkrankten zeigen insbesondere die vier im Folgenden erläuterten Therapieansätze große Erfolge:

 

Wissensvermittlung:

  • Der Betroffene wird eingehend über die Haut und ihre Funktionen, die Neurodermitiserkrankung, Therapieverfahren sowie Möglichkeiten eigener Einflussnahme informiert. Es sollte bei jedem einzelnen Betroffenen herausgefunden werden, welche Stressfaktoren Erkrankungsschübe auslösen. Bei Kindern und Jugendlichen ist es sinnvoll, die Eltern mit einzubeziehen. Nützlich ist außerdem über ein "Tagebuch", z. B. in Form täglich auszufüllenden Fragebögen, den Verlauf der Erkrankung von den Betroffenen selbst beobachten zu lassen. Dadurch gelingt es häufig auch, bestimmte krankheitsauslösende Situationen oder Substanzen zu erkennen.

 

Entspannungstechniken:

  • Entspannungstechniken helfen insbesondere beim Unterdrücken des Juckzwangs durch "Beruhigung" des Nervensystems. Außerdem kann erlernt werden, innere Spannungen zu lösen. Auch das hilft, den Juckzwang zu lindern. Ein bekanntes Verfahren ist das Autogene Training. Dabei wird trainiert, einzelne Körperregionen z. B. als warm, kühl oder schwer wahrzunehmen. Die Progressive Muskelrelaxation ist ein einfaches Verfahren, das leicht auch von Kindern eingeübt werden kann. Dabei lernen die Betroffenen, einzelne Körperpartien kontrolliert anzuspannen und dann wieder zu entspannen. Bei den Imaginationsverfahren (Verfahren, die die Vorstellungskraft nutzen) machen die Betroffenen in ihrer Vorstellung beispielsweise eine Wanderung durch eine kalte Berglandschaft und nehmen den kühlenden, beruhigenden Effekt auf ihre Haut wahr. Die Imaginationsverfahren sind insbesondere bei Kindern und Jugendlichen beliebter als Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation.

 

Selbst- bzw. Kratzkontrolltechniken:

  • Hier werden die optimale Hautpflege sowie das Vermeiden von Juckreizauslösern erlernt. Auch wird geübt, auf Juckreiz nicht mit Kratzen, sondern mit anderweitigen Berührungen, z. B. Druck mit der flachen Hand, zu reagieren. Weiterhin wird trainiert, auf Juckreiz nicht mit Kratzen, sondern mit Ablenkung zu reagieren. Diese Ablenkung kann auch in der gezielten Anwendung der beschriebenen Entspannungstechniken bestehen. Weiterhin werden die Betroffenen angeregt, darauf zu achten, welcher Auslöser jeweils für den Juckreiz verantwortlich ist. In einem nächsten Schritt wird dann die Beeinflussung dieses Auslösers angegangen.

 

Soziale Fertigkeiten:

  • Bei den sozialen Fertigkeiten wird auf die Probleme bei der Gestaltung von Beziehungen mit anderen sowie auf Schwierigkeiten mit dem eigenen Selbstwertgefühl eingegangen. Ein wichtiger Punkt in diesem Bereich ist die enge Verknüpfung zwischen seelischer Befindlichkeit bzw. bestimmten Situationen und dem Erkrankungsverlauf. Insgesamt soll erreicht werden, dass die Betroffenen trotz der Erkrankung ein zufriedenes Leben führen können. Verschiedene Methoden können zum Einsatz kommen, z. B. Selbstsicherheitstraining, Rollenspiele, Verhaltenstherapie, Gruppentherapie, Familientherapie oder kreative Therapie. Das jeweils für einen Betroffenen am besten geeignete Verfahren hängt von seinen individuellen Interessen, Bedürfnissen und Fähigkeiten ab. Bei Kindern und Jugendlichen kann es sinnvoll sein, die Eltern in die Übungen mit einzubeziehen. Wichtiger abschließender Schritt dieser Verfahren ist die Anwendung des Gelernten im Alltag.

Top




MedizInfo®Homepage
zur Startseite

zur Übersicht
des Unterthemas
zur Übersicht
des Oberthemas