Krebs - Onkologie

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Arten neuroendokriner Tumoren

 

Um der Vielfalt der neuroendokrinen Tumoren (NET) gerecht zu werden, werden NET nach verschiedenen Kriterien eingeteilt und bewertet:

 

Einteilung nach der Bösartigkeit (Malignität)

Faktoren für Therapie und Prognose

Neuroendokrine Tumoren unterscheiden sich im Grad ihrer "Bösartigkeit" (Malignität). Die Bösartigkeit wird in vier unterschiedlichen Faktoren erfasst:

  • wie schnell ist das Wachstum (Proliferation)
  • wie schnell wird gesundes Gewebe zerstört (Infiltration)
  • wie stark unterscheidet sich das Tumorgewebe vom ursprünglichen Ausgangsgewebe (Grad der Differenzierung)
  • werden Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet

Die anzuwendende Therapie und Prognose eines neuroendokrinen Tumors hängt von diesen Faktoren ab.

 

Ausbreitung des Tumors

Im Jahr 2010 wurde von der WHO ein Klassifikationsschema zur Beurteilung herausgegeben, ein anderes ergänzendes Klassifikationssystem (TNM) beurteilt die Tumoren nach ihrer Ausbreitung. Die WHO - Klassifikation für NET unterscheidet:

  • Hoch differenzierte neuroendokrine Tumoren mit niedriger Proliferation (G1)
  • Gut differenzierte neuroendokrine Tumoren mit mittlerer Proliferation (G2)
  • Niedrig differenzierte neuroendokrine Carzinome (NEC) mit starker Proliferation (G3)

 

Differenzierung

Hochdifferenzierte Tumoren weisen eine starke Ähnlichkeit zum Ausgangsgewebe auf und sind als gutartig oder relativ gutartig zu betrachten. Niedrig differenzierte Tumoren weisen kaum mehr Ähnlichkeit zum Ausgangsgewebe auf und gelten als um so bösartiger je weniger sie differenziert sind.

 

Wachstum

Für das Proliferationsverhalten eines Tumors kann mit speziellen Labormethoden der Proliferationsindex Ki-67 bestimmt werden, mit dem die Zellteilungsgeschwindigkeit und damit das Tumorwachstum bewertet werden kann. Ein niedriger Ki-67- Index zeigt an, dass die Zellteilung gering und das Wachstum des Tumors damit langsam ist.

 

Gute Therapierbarkeit

Im Gegensatz zu vielen anderen Krebsarten lassen sich neuroendokrine Tumoren meistens gut behandeln und sich - obwohl sie schon früh Metastasen bilden - über lange Zeit stabil halten. Dieser Unterschied ist begründet in ihrem oft niedrigen Proliferationsindex, also ihrem langsamen Wachstum.

 

TMN Klassifikation

Die TNM- Klassifikation (tumor-node-metastase) bewertet einen Tumor nach seiner Infiltration in gesundes Gewebe (T), ob Lymphknoten der Region befallen sind (N) und ob sich Tochterabsiedlungen (Metastasen M) in anderen Körperregionen gebildet haben. Je nach Ausdehnung der Erkrankung wird den Buchstaben als Ergänzung eine Zahl zugeordnet. Ein T3- Tumor ist demzufolge bereits deutlich in gesundes Gewebe hineingewachsen, ein T4 –Tumor hat andere Organe der Umgebung befallen, die Bezeichnung N3 beispielsweise besagt, dass sich in vielen regionären Lymphknoten Metastasen befinden.

 

Einteilung nach der Art des Hormons

Tumoren können verschiedene Hormone produzieren

Neuroendokrine Tumoren können Hormone bilden. Besonders häufig sind dies:

  • Gastrin (wird in der Magenschleimhaut gebildet, steigert die Magenbeweglichkeit, fördert die Salzsäurebildung im Magen und steigert die Sekretion von Gallen und Bauchspeicheldrüsensekret)
  • Glucagon (Bildungsort ist die Bauchspeicheldrüse, hebt den Blutzuckerspiegel)
  • Insulin (Bildungsort ist die Bauchspeicheldrüse, senkt den Blutzuckerspiegel)
  • Somatostatin (Die D-Zellen bilden das Hormon Somatostatin. Die D-Zellen kommen im gesamten Verdauungstrakt vor. Somatostatin hat die Funktion, die Sekretion von Magensaft und Bauchspeichel zu hemmen.
  • Serotonin (Serotonin hat vielfältige Wirkungen. In Lunge und Niere verengt es die Arteriolen, während sie in der Skelettmuskulatur geweitet wird. Es beeinflusst die Kontraktion des Herzmuskels und die Bewegung der Magen-Darm- Muskulatur. Im ZNS hat Serotonin Auswirkungen auf die Stimmungslage, den Schlaf- Wach- Rhythmus, die Schmerzwahrnehmung, die Körpertemperatur und die Nahrungsaufnahme.)
  • VIP (= vasoaktives intestinales Peptid) wird in der Darmwand gebildet. Es fördert die Durchblutung und erhöht den Tonus der glatten Muskulatur.

 

 

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Hormone, die von manchen NET gebildet werden. Die Symptomatik der Erkrankung hängt wesendlich von dem jeweiligen Hormon ab.

 

Namensgebung

Die Endsilbe "om" für einen neuroendokrinen Tumor sagt aus, welches Hormon von dem Tumor gebildet wird, z.B. produziert ein Insulinom Insulin, ein Glucagonom Glucagon, ein Gastrinom Gastrin usw.

 

Einteilung nach der Hormonaktivität

Aktiv oder inaktiv

Die Einteilung der Neuroendokrinen Tumoren unterscheidet zwischen funktionell aktiven Tumoren und funktionell inaktiven Tumoren.

  • Funktionell aktive Tumoren geben Hormone in die Blutbahn ab, die aufgrund der Hormonwirkung im Körper bestimmte charakteristische Symptome verursachen.
  • Funktionell inaktive Tumoren dagegen geben kein Hormon in die Blutbahn ab, obwohl die Zellen ein bestimmtes Hormon enthalten.

 

2/3 sind inaktiv

Funktionell inaktive Tumoren werden häufig erst spät erkannt, wenn sie erst Beschwerden verursachen, wenn aufgrund ihres Wachstums benachbartes gesundes Gewebe verdrängt oder die Magen-Darm-Passage behindert wird. Etwa 2/3 der neuroendokrinen Tumoren sind funktionell inaktiv.

 

MEN

Als Sonderform ist die Multiple endokrine Neoplasie (MEN). Bei dieser Erkrankung kommen - erblich bedingt - mehrere endokrine Tumoren kombiniert vor.

 

 

Zusammengefasst ergibt sich folgendes Schema:

 

Einteilung nach dem Entstehungsort (anatomische Einteilung)

GEP-NET

Im Magen-Darm-Trakt entwickeln sich die meisten neuroendokrinen Tumoren. Sie werden auch als gastro-entero-pankreatische NET oder GEP-NET bezeichnet. Bei dem Kürzel GEP steht G für Gaster (Magen), E für Enteron (Darm) und P für Pankreas (Bauchspeicheldrüse). Der Name enthält alle Organe, in denen sich diese Tumoren am häufigsten bilden.

 

 

Am weitaus häufigsten entstehen GEP-NET im Wurmfortsatz des Blindarms. Nicht selten werden kleine GEP-NET im Rahmen einer Blinddarmoperation entdeckt und entfernt.

 

Primärtumor unerkannt

Nicht immer gelingt es, den Entstehungsort der NET ausfindig zu machen. In etwa 10 Prozent gelingt es nicht den Ausgangstumor zu lokalisieren.

 

Häufigkeit

NET sind seltene Tumoren. Jährlich registriert man in Deutschland pro 100 000 Einwohner 5 bis 10 neu hinzugekommene Fälle, das heißt, dass pro Jahr zwischen 400 und 800 Menschen daran neu erkranken. Allerdings ist in den letzten Jahren eine Zunahme zu verzeichnen. NET treten bevorzugt im Alter zwischen 50 und 70 Jahren auf und zwar bei Frauen etwa gleich häufig wie bei Männern.

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