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Diabetische Nephropathie
Inhaltsübersicht:
Prozess des Funktionsverlusts
Früherkennung und Behandlung
Nierenersatzbehandlung
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Prozess des Funktionsverlusts
Mehr zu Aufbau und Funktion der Niere bei MedizInfo: Nierenerkrankungen Die Nieren erfüllen für den Körper eine wichtige Funktion. Sie sind ein Filter, der die "Abfallprodukte" des Körpers aus dem Blut herausfiltert. Diese werden dann über den Urin ausgeschieden. Durch Veränderungen an den feinen Blutgefäßen kann es als Folge eines ständig überhöhten Blutzuckerspiegels zu einer Funktionseinschränkung und sogar zu einem völligen Nierenversagen kommen.

 

  Die diabetische Nephropathie wird in 5 Stadien eingeteilt:
Stadium 1:
  • Beschwerdefreiheit, kein Auftreten von Krankheitszeichen
  • Nierenvergrößerung mit Steigerung der Nierenfunktion (vermehrte Nierendurchblutung und verstärkte Filtrationsleistung)
  • Beginn mit Einsetzen des Diabetes mellitus
  • reversibel (mittels Therapie rückgängig zu machen)
Stadium 2:
  • immer noch Beschwerdefreiheit und kein Auftreten von Krankheitszeichen
  • Verdickung der Basalmembran, dadurch Einschränkung der Filtrationsleistung
  • Beginn nach 2- bis 5-jähriger Diabetesdauer
  • teilweise reversibel

 

Stadium 3:
  • beginnende diabetische Nephropathie mit Albuminurie (Ausscheidung von Albumin im Urin) und Anstieg des Blutdrucks
  • Beginn nach 5- bis 15-jähriger Diabetesdauer
  • Voranschreiten der Erkrankung bis zur Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) mittels Therapie verhinderbar bzw. abbremsbar

 

Stadium 4:
  • manifeste diabetische Nephropathie mit ständigem Eiweißverlust über den Urin, verminderter Nierendurchblutung, eingeschränkter Filtrationsleistung und in etwa 60 Prozent der Fälle Blutdruckerhöhung
  • Beginn nach 10- bis 25-jähriger Diabetesdauer
  • Voranschreiten der Erkrankung bis zur Nierenschwäche mittels Therapie abbremsbar

 

Stadium 5:
  • Nierenschwäche mit deutlich eingeschränkter Filtrationsleistung, erhöhten Kreatininwerten im Blut und in etwa 90 Prozent der Fälle Bluthochdruck
  • irreversibel (mittels Therapie nicht mehr umkehrbar)

 

Nicht jeder ist betroffen Dieser mehr oder weniger vorhersehbare Verlauf verursacht bei vielen Betroffenen verständlicherweise Angst und Resignation. Es ist aber wichtig zu wissen, dass nicht jeder Diabetiker davon betroffen ist. Neuere Untersuchungen zeigen, dass zwischen 30 und 40 Prozent der Betroffenen eine diabetische Nephropathie entwickeln. Das Risiko an einer Nephropathie zu erkranken ist bei beiden Krankheitsarten, Typ 1 und Typ 2, gleich hoch. Typ-2-Diabetiker sind nur betroffen, wenn sich der Diabetes bis zum mittleren Lebensalter zeigt. Von den Menschen, die eine Nierenersatztherapie benötigen, sind 30 Prozent Diabetiker. Typ-1-Diabetiker haben daran einen Anteil von 70 Prozent.

 

Nierenkörperchen filtern Stoffwechselschlacken aus dem Blut.

Diabetische NephropathieDiabetische Nephropathie - Erste Zeichen. Eine kurze Einführung in eine komplexes Thema

Die Filterfunktion der Nieren wird durch die Nierenkörperchen (Glomeruli) erfüllt. Die Nierenkörperchen sind kleine Knäuel aus haarfeinen Blutgefäßen. Die Wände dieser Blutgefäße sind sehr dünn, etwa einem feinen Netz vergleichbar. Durch dieses feine Netz verlassen kleine Moleküle wie

den Blutkreislauf und gelangen in den Harn. Größere Moleküle, z. B. die Blutkörperchen oder Eiweiße, können dieses feine Netz nicht passieren. Sie bleiben im Blut enthalten.

 

Dauerhaft hoher Blutzucker vergröbert die Nierenfilter Ist der Blutzuckerspiegel langfristig erhöht, so werden alle Eiweiße, die sich im Körper befinden, verstärkt verzuckert. Die Wand der feinen Blutgefäße in den Nieren, die Basalmembran, besteht ebenfalls aus Eiweißen. Sie bilden ein feines Netz. Werden in dieses Netz die verzuckerten Eiweiße eingebaut, quillt es auf, und die Maschen werden gröber. Durch diese gröberen Maschen können jetzt auch größere Moleküle, z. B. das Albumin (das ist ein Eiweißmolekül), in den Harn austreten.

 

Nach und nach sinkt die Filterfähigkeit der Niere Auf Dauer kommt es außerdem zu einem starken Wachstum der Basalmembran. Das führt schließlich dazu, dass nach und nach die feinen Blutgefäße in den Nierenkörperchen durch das Zellwachstum verschlossen werden. Die Filterfunktion der Nieren schränkt sich dann immer mehr ein, bis sie schließlich ganz verloren geht. Dieser Prozess ist sehr langwierig. Er dauert etwa 10 bis 20 Jahre.

 

Beeinflussbare Risikofaktoren

Von den bekannten Risikofaktoren für die Entwicklung einer Nephropathie sind einige beeinflussbar, andere nicht.

Beeinflussbare Risikofaktoren sind:

 

Nicht beeinflussbare Risikofaktoren

Nicht beeinflussbare Risikofaktoren sind:
  • höheres Alter
  • männliches Geschlecht
  • Beginn der Diabeteserkrankung im Alter unter 20 Jahren
  • Dauer der Diabeteserkrankung
  • Bluthochdruck und Nephropathie in der Familiengeschichte
  • Vorliegen eine diabetischen Retinopathie

 

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Früherkennung und Behandlung
Test können schon früh eine Veränderung feststellen Albumin ist eines der Eiweiße, die bei einer Funktionseinschränkung als erstes über die Nieren in den Urin gelangen. Dort kann es nachgewiesen werden. Es gibt heute sehr feine Messmethoden, die schon kleine Mengen nachweisen können. Der Grenzwert beträgt 20 mg/l Urin. Genaueres über den Albumintest lesen Sie hier.

 

Albumintest alle drei Monate Die Mengen, die ausgeschieden werden, können noch sehr viel weiter ansteigen. Bis sich eine Nierenerkrankung entwickelt hat, vergehen oft Jahre. Ein möglichst frühzeitiges Erkennen dieser Entwicklung ist wichtig, besonders deshalb, weil sich durch eine konsequente Behandlung oft größere Schädigungen vermeiden lassen. Am besten ist eine vierteljährliche Kontrolle der Albuminausscheidung. Eine häufigere Messung ist nicht sinnvoll, weil sich die Ausscheidungen von Albumin nur langsam verändern.

 

Optimale Einstellung kann Erkrankung stoppen Zu Beginn einer diabetischen Nephropathie ist eine möglichst optimale Einstellung des Stoffwechsels unbedingt erforderlich. Bei einer guten Einstellung kann eine beginnende Nierenerkrankung gestoppt werden. Das ist in Tests nachgewiesen worden.

 

Blutdruck unbedingt normal halten Der Blutdruck ist ein entscheidender Kofaktor. Erhöhter Blutdruck beschleunigt den Prozess der Nephropathie. Auch bei Betroffenen, die zunächst noch keinen erhöhten Blutdruck haben, steigt dieser mit Fortschreiten der Nierenerkrankung an. Deshalb ist eine Blutdruckeinstellung auf Werte von
  • unter 130/80 mmHg bei jungen Betroffenen

sehr wichtig. Allein die Senkung des Blutdrucks kann schon die Ausscheidung von Albumin verringern.

 

Die Therapie richtet sich nach den Stadien. Die Therapie der diabetischen Nephropathie richtet sich nach dem vorliegenden Stadium (siehe oben). Allgemein gilt, dass Blutzucker- und Blutdruckwerte in den empfohlenen Bereichen gehalten werden sollen. Außerdem gelten folgende stadienspezifische Empfehlungen:
Therapie Stadien II und III:
  • Intensivierung der Einstellung des Blutzuckerspiegels mit HbA1c-Werten von höchstens 7,5-8,1 Prozent
  • Einsatz eines so genannten ACE-Hemmers, der zum einen den Blutdruck senkt und zum anderen schützende (protektive) Wirkungen auf die Nieren entfaltet
  • bei unzureichender Blutdrucksenkung Kombination eines ACE-Hemmers mit einem anderen blutdrucksenkenden Medikament (vgl. Therapie Hypertonie)

 

Therapie Stadium IV:
  • Intensivierung der Einstellung des Blutzuckerspiegels, wobei streng darauf zu achten ist, dass es nicht durch eine zu strenge Einstellung zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) kommt
  • Einsatz verschiedener Medikamente zur Senkung des Blutdrucks: ACE-Hemmer, Diuretika (Medikamente zur Förderung der Wasserausscheidung aus dem Körper), ß-Blocker, Kalziumantagonisten, Vasodilatatoren (Substanzen, welche die Blutgefäße "entspannen" und dadurch erweitern)
  • Reduktion der Eiweißaufnahme mit der Nahrung auf höchstens 0,8-1 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht (wie dies zu erreichen ist, wird im Rahmen einer individuellen Ernährungsberatung erläutert)
  • Behandlung einer eventuell bestehenden Fettstoffwechselstörung
  • eventuell Planung und Vorbereitung einer Nierenersatztherapie

 

Therapie Stadium V:

 

Jeder kann selbst viel zur Senkung des Blutdrucks tun

Erhöhte Blutdruckwerte lassen sich - neben einer medikamentösen Therapie - durch einige zusätzliche nichtmedikamentöse Maßnahmen günstig beeinflussen:

  • Gewichtsreduktion bis zum Erreichen des Normalgewichts (Body Mass Index von 18,5 bis 24,9 kg/m2) - zu erwartende Blutdrucksenkung von 5 bis 20 mmHg pro Gewichtsverlust von 10 kg
  • gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie wenig tierischen Fetten - zu erwartende Blutdrucksenkung von 8 bis 14 mmHg
  • Reduktion der Salzaufnahme mit der Nahrung auf höchstens 6 g täglich (dabei ist auch auf "verstecktes" Salz zu achten, z.B. in Fertiggerichten und Saucen) - zu erwartende Blutdrucksenkung von 2 bis 8 mmHg
  • regelmäßige körperliche Aktivität, z.B. mehrmals wöchentlich für 30 Minuten zügig gehen - zu erwartende Blutdrucksenkung von 4  bis 9 mmHg
  • Reduktion des Alkoholkonsums auf maximal ein kleines Glas Wein oder Bier pro Tag - zu erwartende Blutdrucksenkung von 2 bis 4 mmHg

 

Eiweißreduzierte Kost essen! Bei der Ernährung sollte auf eiweißreduzierte Kost geachtet werden. Das wirkt sich ebenfalls positiv auf das Fortschreiten der Nierenerkrankung aus. Am leichtesten kann das mit einer vegetarischen Ernährung erreicht werden.

 

Nicht Rauchen! Das Rauchen sollten Diabetiker mit einer beginnenden Nephropathie einstellten. Zwar sind bisher nicht alle Vorgänge belegt. Aber Rauchen verdoppelt das Risiko, an einer diabetischen Nephropathie zu erkranken. Deshalb wird es wahrscheinlich die Entwicklung dieser Erkrankung beschleunigen.

 

Maßnahmen wirken langfristig äußerst positiv Mit diesen Maßnahmen kann über Jahre hinweg die Ausscheidung von Albumin verringert werden. Das Fortschreiten der Nephropathie kann verringert oder sogar gestoppt werden. Außerdem sind diese Maßnahmen gleichzeitig wesentlich zur Vorbeugung einer Nephropathie.

 

Blutdruck und Blutzuckerspiegel Eine Schlüsselstellung nehmen dabei die Regulierung des Blutdrucks und des Blutzuckerspiegels ein. Eine Therapie mit Insulin, die zu normalen Blutzuckerwerten führt, reduziert das Risiko einer Nephropathie um etwa 60 Prozent. Zudem lässt sich auf diese Weise das Voranschreiten einer bereits bestehenden Nephropathie zum Nierenversagen verlangsamen oder sogar ganz aufhalten.

 

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Nierenersatzbehandlung
Versagt die Niere, so muss ihre Funktion lebenslang ersetzt werden Kann die Funktionseinschränkung der Nieren nicht aufgehalten werden, so kommt es schließlich zu einem Nierenversagen. Das Nierenversagen kündigt sich oft durch eine Überwässerung des Gewebes an. Von diesem Zeitpunkt an ist lebenslang eine Nierenersatzbehandlung notwendig.

 

Dialyse oder Transplantation ersetzen die Funktion der Nieren.

 

Die Dialyse wird in speziellen Zentren durchgeführt.

Für eine Nierenersatzbehandlung gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:
  • Dialyse: Die Dialyse ist eine Blutwäsche, bei der der Betroffene dreimal in der Woche an ein Gerät angeschlossen wird, welches das Blut von den Abfallprodukten des Stoffwechsels reinigt. Der Prozess dauert etwa drei bis fünf Stunden.
  • CAPD: Diese Methode heißt "kontinuierliche ambulante Peritoneal-Dialyse" und kann zu Hause durchgeführt werden. Dabei wird über einen Katheter Flüssigkeit in den Bauchraum eingefüllt. Die Flüssigkeit bleibt dort für 30 bis 60 Minuten. In dieser Zeit filtert das Bauchfell (Peritoneum), ähnlich wie die Nierenkörperchen, das Blut. Danach wird die Flüssigkeit, die jetzt die Abfallprodukte des Stoffwechsels enthält, wieder aus dem Bauchraum abgelassen. Der Vorgang muss mehrfach wiederholt werden, so dass eine Behandlung zwischen 4 und 8 Stunden dauern kann. Diese Methode gilt für Diabetiker als besonders geeignet.
  • Transplantation: Die Nierentransplantation ist die kostengünstigste Methode. Außerdem ist sie als Nierenersatzbehandlung auch besonders geeignet. Leider sind nicht für alle Betroffenen genug Spendernieren vorhanden. Deshalb müssen Betroffene oft jahrelang vor einer Transplantation mit Dialyse oder CAPD behandelt werden.

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